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Kultur

Avantgarde-Musikerin daheim

Mit ihrer Kunst ist die gebürtige Schierlingerin erstmals seit 20 Jahren wieder in der Region präsent. Ihre Werke sind in Pfaffenberg zu hören.
Von Fritz Wallner, MZ

Die aus Schierling stammende Avantgarde-Musikerin Stepha Schweiger (Bildmitte) zeigt in der Pfaffenberger Galerie K 14 zusammen mit dem Fotokünstler Stefan Fischer (links) und dem Bildhauer Alfred Kainz (rechts) die Ausstellung „Visionmusique“, bei der Bild und Ton zu einem faszinierenden Erlebnis verschmelzen. Foto: Wallner

SCHIERLING/PFAFFENBERG. Die Komponistin Stepha Schweiger bezeichnet sich selbst als „Avantgarde-Musikerin“. Die Inspiration für ihre Werke holt sich die aus Schierling stammende Künstlerin oft im Alltag. Sie saugt dessen Geräusche, Pausen und Situationen auf und setzt sie in Musik um. Die meisten Werke sind in ihrer neuen Heimat Berlin entstanden, doch auch New York und Paris waren Schauplatz und Ausgangspunkt für ihre eigenartig-minimalistische, aber durchaus eindringliche und ausdrucksstarke Musik. Nach einem großen Erfolg in Zürich zeigt sie zusammen mit dem Fotokünstler Stefan Fischer in der Pfaffenberger Galerie „K 14“ das Projekt „Visionmusique“.

Sie will „nicht einfach Rumgeplänkel“ komponierten, sagt Schweiger. Ihr Anspruch ist ein progressiver. Ein immer aktueller. Einer, der bekannte Rahmen sprengt und doch ganz jetztbezogen ist. Stepha Schweigers Musik ist immanent, dass sie selbst zuhören und sich zurücknehmen kann. Töne, Schwingungen und Geräusche – aber auch Pausen: das sind die Elemente, mit denen sie spielt.

Die Welt reduzieren

Wenn man die Musik hört, möchte man zweifeln, ob die Welt dann wirklich so reduziert ist, wie sie Stepha Schweiger erklingen lässt. Doch wer sich einlässt und eintaucht in Stephas Welt, der wird erkennen, wie jedes Atom und Molekül ihrer Musik das wirkliche Leben abbildet. Sie wird damit nicht die Massen bewegen. Das ist ihr bewusst.

Doch sie will beeinflussen und animieren „zum Weiterdenken im Sinne von Kritik“, wie sie betont. Dieses Weiter-Denken ist das eigentlich Progressive. Sie versucht Grenzen zu überschreiten, auch auf die aktuelle politische Situation aufmerksam zu machen. „Die Struktur der Zeit erfassen“ nennt sie das. Dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, dass die Solidarität zwischen diesen Gruppen schwindet, das bewegt Stepha Schweiger. Dass dadurch die Bildung nicht verloren geht, das möchte sie anmahnen. Damit möchte sie auch bewusst politisch sein.

Zu dieser „Struktur der Zeit“ gehören für sie Alltagsgeräusche, die es vor 50 Jahren noch nicht gegeben hat. Solche des Verkehrs oder in der Wohnung. Ein voller Kühlschrank arbeitet anders als ein leerer. Das bewusst zu machen, ist ein Teil ihrer Mission und der Vision, die sie mit ihrer Musik den Menschen nahebringen möchte. „Jedes Geräusch einer Straße kann Teil einer Komposition sein“, sagt sie.

Ein Beispiel? Ja, in New York an einer sehr belebten Kreuzung hat sie einen Kinderspielplatz beobachtet und dort die Bewegung einer Schaukel erfasst. „Ich bin sofort heimgegangen und habe die Situation – den Extremverkehr mit der Schaukel – komponiert“, kommt sie fast ins Schwärmen.

„Visionmusique“ hat sie ihr neuestes Projekt genannt. Neue Musik mit bisher nicht gehörten Klangerlebnissen ist zu hören. Es sind meistens einzelne Instrumente – Akkordeon, Horn, Flöte, Violoncello – die sie einsetzt. Zum Teil als Elektro-Musik am Computer designed. Zu dem 1997 entstandenen Werk „Skira“ heißt es im Booklet: „In Skira werden die Zuhörer absorbiert von stehenden Klängen, die mit ihrer leicht schroffen Wirkung verzaubern. Dann schreiten sie mit der Musik geschmeidig weiter und nehmen durchgehend die stärkste Verschmelzung der Flöte mit dem Violoncello und dem Akkordeon wahr.“

Neun Werke sind auf die aktuelle CD gebrannt worden. Aufgenommen in Berlin und Paris, als Live-Aufnahme einer Uraufführung oder auch einer Generalprobe. In „K 14“, der Galerie für moderne Kunst und Design des Bildhauers Alfred Kainz – Stephas Cousin – ist Stepha Schweiger zum ersten Mal seit zwanzig Jahren mit ihrer Kunst wieder in der Heimat präsent. Sie arbeitet mit dem Fotografen Stefan Fischer zusammen, den das Thema „Wasser“ seit sieben Jahren besonders beschäftigt. Er zeigt abstrakte Wasser- und Naturfotografien in Überblendtechnik. Aus immer zwei Werken entsteht Neues, so der Künstler. Schweiger intensiviert die Wahrnehmung mit ihrer Musik. An einigen Werken Fischers kann über Kopfhörer das unmittelbar erlebt werden. Für andere Werke verschmelzen Ton und Musik in einem Film zu einem faszinierenden Erlebnis. „Sanft werden die Besucher mit Bildern und Musik auf eine Reise an Orte voller Inspiration geleitet“, so Fischer. Dabei komme es zu Begegnungen zwischen Symbiose und Zerstörung, mit zum Teil auch aggressiver Musik von Stepha. Einen wichtigen Teil der Ausstellung liefert der Bildhauer Alfred Kainz mit seinen Skulpturen im modernen Ambiente seiner Galerie und im Garten.

Komposition für Berliner Senat

Nach Philosophie studierte Stepha Schweiger Komposition an der Hochschule der Künste in Berlin und wurde als Meisterschülerin anschließend für den Jahreskurs am IRCAM Centre Pompidou Paris ausgewählt. Mit der Zwölftonmusik kam sie schon während ihrer Gymnasialzeit in Kontakt. Bei einem Studienaufenthalt 1989 in USA hat sie sich mit der New Yorker Schule der Musik beschäftigt.

Sie komponiert, spielt und produziert Neue Musik und Songs, hält Vorträge und leitet Workshops in Komposition und musikalischer Analyse unter anderen in Berlin, New Mexico (USA) und Paris. Außerdem ist sie mit Songs und Auftritten beschäftigt, dabei konzertant als Pianistin und Sängerin zu hören, zuletzt in Zürich mit ihrem Werk „Sp19ri9ng one“.

Auftragskompositionen hat sie auch vom Berliner Senat für ein abendfüllendes Musiktheater erhalten. Derzeit versucht sie ein Streichquartett abzuschließen, an dem sie immer nebenbei seit Jahren arbeitet. Ihre Werke werden regelmäßig in Europa, USA und Brasilien aufgeführt.

Die Ausstellung „Visionmusique“ in der Galerie K 14 in Mallersdorf-Pfaffenberg, ist bis 10.November immer Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag, 10bis 14 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon (08772)359, geöffnet.

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