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Schutzmaßnahme

Baumriesen als Sicherheitsrisiko

Alten Robinien und Kastanien am Karlsteiner Weiherdamm im Markt Regenstauf werden gefällt. Selbst junge Erlen sind von einer Pilzkrankheit befallen.
Von Sabine Norgall, MZ

  • Wohl um die 100 Jahre alt sind die Bäume am Weiherdamm, die jetzt aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen. Fotos: Norgall
  • An der jungen Erle sind die Wurzeln abgefault.
  • Von außen ein vermeintlich gesunder Baum, innen schon zerfressen.
  • Berta John rastete bei ihren Spaziergängen gerne unter den alten Bäumen am Weiherdamm. Erschrocken blickt sie im Gespräch mit 2. Bürgermeister Hans Dechant und Christian Kotschate auf den Schaden, den der Sturm an den alten und teilweise schon vorgeschädigten Bäumen angerichtet hat.

Regenstauf. Berta John steht sichtlich betroffen an der Straße am Karlsteiner Weiherdamm in der Marktgemeinde Regenstauf und blickt auf die Schäden, die dort der Sturm angerichtet hat. Fast täglich hat die Seniorin, die auf eine Gehhilfe angewiesen ist, bei ihrem Spaziergang im Schatten unter den alten Bäumen eine Rast eingelegt. „Ich darf gar nicht daran denken, was da alles hätte passieren können“, sagt sie und blickt auf die zersplitterten Baumstämme, die wie Zündhölzer weggeknickt sind.

Bei Wind droht Gefahr

Baumpfleger Martin Lautenschlager kontrolliert schon seit etwa zehn Jahren, im Auftrag des Markts, zweimal pro Jahr die im Baumkataster erfassten Bäume. Speziell die Robinien und Kastanien am Karlsteiner Weiherdamm, die sich ein wenig über die Straße herausbeugen, hat er schon länger im Blick. „Uns tut das schon auch weh, dass die Bäume jetzt gefällt werden müssen“, sagt der Fachmann: „Ich versuche immer, dass Bäume stehen bleiben können.“ Über Jahre hinweg habe man sich, in Absprache mit der Marktverwaltung, bemüht, die Bäume zu retten. „Der Markt nahm dafür immer wieder Geld in die Hand.“ Mehrere Male stieg Lautenschlager hinauf in die Kronen, lichtete, so behutsam wie möglich, das dürre Holz aus. Dass der mächtige Robiniegipfel beim letzten Sturm nicht auf die Straße stürzte lag daran, dass Lautenschlager dort bereits ein Kronensicherungssystem eingebaut hatte, das den Gipfel mit Seilen und Gummipufferungen sicherte. So splitterte der Baumgipfel zwar beim Sturm ab, konnte aber nicht abstürzen. Jetzt allerdings sieht Lautenschlager für die großen Bäume am Weiherdamm keine Chance mehr. „Ich habe schließlich die Verantwortung. Wenn ich bei der Beurteilung der Bäume einen Fehler mache, dann bin ich auch haftbar.“

Robinie an der Altersgrenze

Die Robinien, sagt der Baumpfleger, hätten schlicht das Alter erreicht, in dem sie beginnen abzusterben. Eine Eiche könne ein paar hundert Jahre alt werden, Robinien seien kurzlebiger. Ein weiteres Problem am Karlsteiner Weiher ist, vor allem bei den Erlen, der Baumschädling „Phytophthora“. An einer jungen Erle, die der Sturm direkt neben dem Weiherufer umgeworfen hat, kann man deutlich sehen, was der Pilz bewirkt. Der junge Baum hat keine Wurzeln mehr, mit denen er Halt finden könnte. Der Pilz, sagt Lautenschlager, breitet sich besonders gerne in der Nähe von Wasser aus.

Die Bäume, die jetzt rund um den Karlsteiner Weiher stehen, wurden laut Lautenschlager nicht gepflanzt, sondern sind alle natürlich gewachsen. Gärtnermeister Richard Kunit vom Regenstaufer Bauhof vertraut auch nach der geplanten Fällaktion sowohl auf die natürliche als auch auf die gezielte Gehölzaussaat. So wachse ein robuster und langlebiger Bestand. Vorgezogene Bäume aus Baumschulen, sagt Lautenschlager, würden mindestens alle zwei Jahre verpflanzt, ihre Wurzeln beschnitten. Ein Baum, der auf natürliche Weise wachse, könne sich von Anfang an optimal an den Standort anpassen. „So kommt es zu einem Baumbestand, der optimal an unseren Boden und unser Klima angepasst ist.“

Aufwendige Fällaktion

Die Baumfällaktion soll voraussichtlich in der nächsten oder übernächsten Woche starten. Ganz einfach wird die Maßnahme nicht. Martin Lautenschlager will die Bäume nicht von oben herab einkürzen, sondern direkt unten fällen. Am Weiherdamm, wo die großen Baumgipfel in die Straße hereinhängen, bedeutet dies umfangreiche Sicherungsmaßnahmen. Dabei kommen spezielle Rückeschlepper zum Einsatz. Mit Seilwinden werden die Bäume beim Fällen in die gewünschte Richtung gezogen. 2. Bürgermeister Hans Dechant bedauert die Fällaktion, sieht aus Sicherheitsgründen aber keine andere Möglichkeit.

Hoffen auf Verständnis

Auch Martin Lautenschlager hofft auf Verständnis. In der Vergangenheit musste er allerdings oft andere Erfahrungen machen: „Steht ein großer Baum im eigenen Garten, als Straßenbaum vor der Haustür oder beim Nachbar und wirft Schatten oder gar die Blätter ab, dann kann es mit dem Fällen gar nicht schnell genug gehen. Je weiter der Baum allerdings vom eigenen Grundstück entfernt ist, umso dringender soll er erhalten werden.“

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