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Vernissage

Bei Kunst ginge in Regenstauf mehr

17 Künstler zeigen das Potenzial im Markt. Bestens ausgestattete Ausstellungsräume können seit Jahren nicht genutzt werden.
Von Sabine Norgall

Angelo Travi, Georg Gahr, Rudolf Reinl, Gerhard Kemmeter und Vitus Wurmdobler (von links) bei der Vorbereitung der Ausstellung Fotos : Sabine Norgall
Angelo Travi, Georg Gahr, Rudolf Reinl, Gerhard Kemmeter und Vitus Wurmdobler (von links) bei der Vorbereitung der Ausstellung Fotos : Sabine Norgall

Regenstauf.17 akademische Maler und Künstler, die entweder aus Regenstauf stammen, hier wohnen oder arbeiten bringt Georg Gahr, Vorsitzender des Fördervereins für Kunst, Kultur und Museum (KuKuMu) in der Ausstellung „Kunstort Regenstauf“ zusammen. Die Auswahl macht für Gahr deutlich: „Seit Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es in Regenstauf eine rege künstlerische Aktivität.“

Viele Künstler, die in der Ausstellung vertreten sind, stellten in einer der weit über 60 Ausstellungen im Kultur- und Mehrgenerationenhaus (MGH) aus, die der KuKuMu seit der Jahrtausendwende organisierte. „Im Grunde sind die Auswahlkriterien wie Notizen aus dieser Zeit“, sagt Gahr.

Der Kunstmaler Fritz Wurmdobler kam 1945, nachdem seine Familie ausgebombt wurde, nach Regenstauf. Über 15 Jahre lebte er am Ort und prägte mit seinem Schaffen das Regenstaufer Ortsbild. Fast jedes zweite Haus der Hauptstraße zierte „ein Wurmdobler“. „Gäbe es die alle noch, wäre Regenstauf in Reisenführern erwähnt“, sagt Gahr. Leider vielen etliche Gemälde dem Modernisierungsdrang der Wirtschaftswunderjahre zum Opfer. Neben Fritz Wurmdobler zeigt die Ausstellung auch Werke seines Sohns Vitus, der in Regenstauf geboren wurde, und seiner Tochter Monika.

Experte für Kunsthandwerk

Kirchenmaler Vitus Wurmdobler war lange Jahre als Experte für die Kunstwerke des Bistums Mains zuständig. Heute weiß er, dass er als Erbe seines Vaters ein Urheberrecht auf die zerstörten Wandgemälde gehabt hätte: „Hätte ich das früher gewusst, hätte ich mich gegen deren Vernichtung gewehrt.“ Umso mehr sieht Vitus Wurmdobler die Gemeinde in der Pflicht, die Bilder seines Vaters, die noch vorhanden sind, zu bewahren.

Wandgemälde  von Fritz Wurmdobler gab es in Regenstauf einst viele. Sein Sohn Vitus bedauert es heute, dass viele davon verschwunden sind.
Wandgemälde von Fritz Wurmdobler gab es in Regenstauf einst viele. Sein Sohn Vitus bedauert es heute, dass viele davon verschwunden sind.

Bekanntester Künstler der Ausstellung ist wohl der aus Eitlbrunn stammende Rupert Preißl. Viele seiner Bilder befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen. Johannes Schießl ist der jüngste Künstler. Er stellte im MGH bereits seine Werke als Expeditionsmaler, aber auch seine abstrakten Gemälde aus. Ein Jahr stellte ihm der Markt ein Atelier im alten Kloster zur Verfügung. In der Zeit entstanden viele Motive aus dem Regental. Hans-Peter Hundshammer wohnt heute in Regenstauf. Er studierte in Regensburg Kunsterziehung und sieht sich von der Pop-Art eines Andy Warhol ebenso inspiriert wie vom Barockzeitalter und der griechischen Ikonenmalerei. Eine Spezialität des Grafikers Rudolf Reinl aus Zeitlarn sind seine Panoramabilder. Seine Regenstaufer Ansicht wurde zum Impuls für zahlreiche kleinere Gemeinden in der Region.

Angela Hofmann bringt ein Aquarell ihrer Schwiegermutter Anna Hofmann.
Angela Hofmann bringt ein Aquarell ihrer Schwiegermutter Anna Hofmann.

Siegfried Karl zählt zu den bedeutenden Malern der Oberpfalz. In der aktuellen Ausstellung werden zwei Bilder gezeigt, die Bürgermeister Siegfried Böhringer ankaufte. Kritisch sieht Gahr die Tatsache, dass ein Wandgemälde Karls an der Grundschule Diesenbach im Rahmen der Gebäudesanierung abgedeckt wurde. Gahr sagt zum Ankauf: „Da wollte man Wiedergutmachung leisten für etwas, was verschwunden ist.“

Kunstort Regenstauf

Bilder von Alois Achatz aus Eitlbrunn, 2017 Kulturpreisträger des Landkreis Regensburg, sind in der Ausstellung ebenso zu sehen wie die von Günter Mauermann, der vielen Regenstaufern vor allem im Zusammenhang mit der Diesenbacher Kirche ein Begriff ist. Auch Andreas Richter, Manuela Eis, Thomas Rauh und Stefan Fromberger spiegeln mit ihren Werken das Kunstschaffen im Ort.

Beziehung zur Marktgemeinde

Eine enge Beziehung zur Marktgemeinde knüpften der Kunstmaler Angelo Travi und sein Bruder Franco. Viele Regenstaufer besuchten Angelo Travis Malkurse, wo er nicht müde wurde, die Bedeutung von Licht und Schatten zu betonen: „Ein Bild, auf dem das Licht fehlt, ist tot.“ Vom Franco Travi stammt unter anderem die Figur des Hl. Heinrich vor der Ramspauer Kirche. Die Brüder Travi haben für Regenstauf eine wichtige weitere Bedeutung. Sie knüpften für den Markt Kontakte in ihre Heimat, die italienische Region Bergamo, speziell zum Ort Casirate d‘Adda. Kürzlich unterzeichnete man einen Freundschaftsvertrag.

Angelo Travi, Georg Gahr, Rudolf Reinl, Gerhard Kemmeter und Vitus Wurmdobler (von links) bei der Vorbereitung der Ausstellung Fotos : Sabine Norgall
Angelo Travi, Georg Gahr, Rudolf Reinl, Gerhard Kemmeter und Vitus Wurmdobler (von links) bei der Vorbereitung der Ausstellung Fotos : Sabine Norgall

Angesichts der Vielfalt künstlerischen Möglichkeiten in Regenstauf bedauert Gahr: „Es wird nicht genügend getan.“ Gerne würde Vitus Wurmdobler Regenstauf die Werke seines Vaters für eine Dauerausstellung zur Verfügung stellen. Gahr: „Wir verjagen alles, was wir haben könnten. Sei es das Rot-Kreuz-Museum oder ein Foto-Museum, dessen Leihgaben aus der einzigartigen Sammlung von Gerhard Kemmeter kommen könnten.“ 2008 musste der KuKuMu im MGH die Räume im ersten Stock aufgeben, die speziell für Ausstellungen konzipiert waren. Ein bis zwei Jahre sollte die Übergangslösung dauern. Bis heute finden die Ausstellungen im Dachgeschoss des Kulturhauses statt.

Die Vernissage findet am Freitag, 22. November, um 19 Uhr im Kulturhaus statt. Am Marktsonntag sind die Bilder von 13 bis 17 Uhr zu sehen, oder nach Vereinbarung, Telefon (09402) 6143.

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