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Soziales

Bessere Bezahlung ist wichtig

Fachkräfte fehlen in sozialen Berufen: Staatsministerin Schreyer fordert mehr Anerkennung, Wertschätzung – und Geld.
Von Sieglinde Geipel

Staatsministerin Kerstin Schreyer mit dem einladenden CSU Bürgermeister Josef Schindler (rechts) Foto: Sieglinde Geipel
Staatsministerin Kerstin Schreyer mit dem einladenden CSU Bürgermeister Josef Schindler (rechts) Foto: Sieglinde Geipel

Regenstauf.Auf Einladung des CSU- Ortsvorsitzenden und Bürgermeisterkandidaten Josef Schindler stellte sich die Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer, den Fragen rund um das Thema fehlende Fachkräfte in der Kinderbetreuung, bei den Behinderten und auch in der Altenpflege.
Die zentrale Frage sei „Was ist uns die Arbeit am Menschen wert?“ Wenn wir ein Auto mit einer defekten Bremse haben, lassen wir die Bremse natürlich reparieren, auch wenn es teuer wird, da wir ohne Bremse nicht fahren können, erklärte sie. „Warum jedoch diskutieren wir im Bereich der Kinderbetreuung, bei Menschen mit Behinderung oder auch in der Pflege?“, fragte sie. Ihren Worten zufolge herrsche Einigkeit in der Frage, dass die Pflegekräfte besser bezahlt werden müssten.

„Aber wenn dafür Kitagebühren steigen und die Pflegebeiträge erhöht werden müssen, sinken die Zustimmungswerte rapide“, argumentierte die Ministerin. Schreyer ging besonders auf die Kinderbetreuung ein und hier speziell auf die Betreuungszeiten, die sich ändern müssten. Die Einrichtungen müssten früher öffnen und später schließen. Das bedeute jedoch ihrer Meinung nach nicht, dass die Kinder zum Schluss einen größeren Arbeitszeitanteil hätten als die Eltern. „Früher bringen heißt für mich auch früher holen und später bringen später abholen“, stellte sie fest.

Vom Kind her diskutieren

Die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse vom Kind her diskutiert werden. Kinder hätten auch das Recht, mal nicht gefördert zu werden, das Recht auf ein Zuhause oder auch einmal auf einen Bolzplatz ohne pädagogische Anleitung. Im Bereich der Behinderten wird ihrer Meinung nach zu oft defizitär gedacht und wenig auf die Stärken dieser Menschen geschaut. Es müsse gesellschaftlich erreicht werden, dass die Barrieren in den Köpfen kleiner werden. „Denken wir an die Ressourcen und nicht an die Defizite!“

Veronika Portele, Geschäftsführerin der Ambulanten Alten- und Krankenpflegestation in Regenstauf, wies auf den großen Pflegenotstand in ihrer Einrichtung hin. Auch wenn man alle Möglichkeiten ausschöpfe, könne man nicht genügend Arbeitskräfte bekommen. Kerstin Schreyer stimmte ihr zu. Der Markt für Pflegekräfte sei europaweit leergesaugt. In den letzten zehn Jahren sei die Anzahl der Ausbildungsplätze verdoppelt worden, das helfe jedoch nur sehr bedingt, wenn gleichzeitig der Bedarf um ein Vielfaches steige. Es gebe verschiedene Ansätze, dem Personalmangel entgegenzuwirken, dazu gehöre beispielsweise die Möglichkeit des Quereinstiegs.

„Denken wir an die Ressourcen und nicht an die Defizite.“

Kerstin Schreyer, Ministerin

Egal, was die Politik jedoch unternehme, sie könne den Schalter nicht einfach umlegen und alle Probleme seien damit gelöst, stellte die Ministerin fest. Es helfe nur die Wertschätzung und Anerkennung, die aus der Gesellschaft komme und dazu gehöre auch eine entsprechende Bezahlung. Nur so könne erreicht werden, dass Menschen bereit seien, eine Qualifizierung in diesen Berufen anzustreben.

Veronika Portele wollte außerdem wissen, wann endlich der Satz von 450 Euro für die geringfügige Beschäftigung erhöht werde. Die Tarifangleichungen führten in diesem Bereich dazu, dass die Arbeitszeit der geringfügig Beschäftigten gekürzt werde. Schreyers Antwort dazu fiel eindeutig aus: „Wenn CDU/CSU in Berlin die absolute Mehrheit hat.“

Antrag kam in Berlin nicht durch

Ein entsprechender Antrag auf eine Erhöhung auf 530 Euro sei in Berlin nur von der CDU/CSU befürwortet worden, berichtete Schreyer. Gerade im Bereich der Pflege oder auch der Kinderbetreuung sie die geringfügige Beschäftigung oft das Sprungbrett zur Aufstockung der Arbeitszeit, wenn sich die persönlichen Verhältnisse geändert hätten. Leider werde das von den anderen politischen Gruppierungen bezweifelt.

Daneben stand auch die Arbeitsmarktzulage zur Diskussion. Hier hätten die Städte und Kommunen die Möglichkeit, Mitarbeiter für Kindertagesstätten zu gewinnen. Dies sei jedoch freien Trägern leider nicht möglich, wie Karl Heinz Weiß, Geschäftsführer des Thomas-Wiser-Hauses, ausführte. Dadurch entstehe ein Ungleichgewicht.

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