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Brauchtum

Bier und Kultur in Einklang gebracht

Mehr als 100 Besucher wollten sich die Veranstaltung Bier.Kultur im Pettendorfer Schlosskeller nicht entgehen lassen.
Von Claudia Kreissl

Hopfenkellermeister Maximilian Gerdes (links) zapft das Fass des Abends an. Hausherr Fritz Amann und Jonas Dotzler (von rechts) assisitieren ihm dabei. Foto: Claudia Kreissl
Hopfenkellermeister Maximilian Gerdes (links) zapft das Fass des Abends an. Hausherr Fritz Amann und Jonas Dotzler (von rechts) assisitieren ihm dabei. Foto: Claudia Kreissl

Pettendorf.Bier und Kultur, das gehört zusammen – zumindest in Bayern und allemal in Pettendorf. Das dachten sich die Verantwortlichen von Gemeindebücherei und PettenDorftheater bei der Planung ihrer gemeinsamen Jubiläumsveranstaltung. Und sie lagen goldrichtig. Mehr als 100 Besucher kamen an zwei Abenden zur „Bier.Kultur“ in den Schlosskeller, deren Reinerlös der Gemeindebücherei zugute kommt. Humorvoll präsentierte das Team um Hopfenkellermeister Maximilian Gerdes dabei Witziges und Wissenswertes rund um den Gerstensaft.

Schwer gefordert war vor allem Maximilian Gerdes. Er hatte den Abend federführend zusammen mit seinem Bruder Jonathan vorbereitet, der allerdings just an den beiden Veranstaltungstagen krank im Bett lag. So musste Maximilian Gerdes allein die Moderation des gut zweistündigen Bier-Spektakels im Schlosskeller übernehmen. Und er erwies sich dabei als profunder Kenner der flüssigen Materie.

24,6 Millionen Hektoliter Bier

„Der Mensch ist ein Gefäß, da wo was rein muss“, zitierte er Gerhard Polt, und versuchte so eine einfache Erklärung dafür zu liefern, warum das Bier so stark in der bayerischen Kultur verankert ist. Dass in diese Gefäße jede Menge hineingeht, verdeutlichte Gerdes am Gesamtabsatz der Bayerischen Brauereien im vergangenen Jahr: Immerhin 24,6 Millionen Hektoliter Bier, also 2,46 Milliarden Liter haben die Brauereien 2018 ausgeliefert.

Thomas Kreissl und Manuela Dennerlohr liefern sich einen gesalzenen Bier-Zweifachen.  Foto: Claudia Kreissl
Thomas Kreissl und Manuela Dennerlohr liefern sich einen gesalzenen Bier-Zweifachen. Foto: Claudia Kreissl

Doch Gerdes brach das große Thema auf die Region herunter, genauer gesagt auf vier Brauereien, die in der Gemeinde Pettendorf oder in unmittelbarer Nachbarschaft angesiedelt sind. So standen jeweils zwei Biere aus jeder dieser vier Brauereien als Kostproben bereit. Doch es ging nicht um den Biergenuss allein: „Wir wollen uns auch ein bisschen denen widmen, die dafür sorgen, dass es Flüssigkeiten gibt, mit denen die Gefäße gefüllt werden“, erklärte der Hopfenkellermeister.

Ausgewählt hatten die Gerdes-Brüder dafür das Helle und das Märzen der Brauerei Goss aus Deuerling, Pils und Dunkles der Schlossbrauerei Eichhofen, Weizen und Weizenbock der Brauerei Plank in Laaber sowie das Pils und den Palmator vom Lokalmatador, der Brauerei Prößl aus Adlersberg.

Bierherstellung ist für Braumeister Herausforderung

Die Herstellung dieser Biere ist für die Braumeister durchaus eine Herausforderung, machte Gerdes deutlich. Immerhin gibt es mehr als 150 Malzsorten und mehr als 200 Hopfensorten. Und nur die Kombination der richtigen Rohstoffe, der exakt angepassten Techniken beim Maischen, Läutern und Kochen im Sudhaus und optimale Gär- und Lagermöglichkeiten lassen gutes Bier heranreifen.

Die Besucher konnten sich selbst davon überzeugen, wie gut das bei den vorgestellten Bieren gelungen ist. Zwischen den Kostproben blickte der Hopfenkellermeister auf die Braukunst und in die Geschichte der Brauereien. Dazu gab aus selbst gebackenes Bierbrot von Andreas Gröber, schmackhafte Aufstriche von Mitgliedern des Bücherei-Teams und des PettenDorftheaters sowie eine Reihe von Texten rund ums Thema Bier.

So hatte Büchereileiter Reinhold Demleitner eingangs einen Text von Norbert Neugirg eigens auf den Pettendorfer Bierkultur-Abend umgedichtet. Zudem betrachtete er mit einem Text von Gerhard Polt die Wirkung eines Maßkrugs auf den Kopf eines fragilen Nobelpreisträgers. Einen Bier-Zwiefachen lieferten sich Manuela Dennerlohr und Thomas Kreissl. Sie als biergeschichtlich gewappnete Bedienung und er als „Bier-Wissenschaftler“ Horst Hopfen.

Streit durch die Jahrtausende

Mit Blick auf die Jahrtausende alte Braukultur von Sumerern, Babyloniern und Ägyptern stritten der Fachmann für die „Angst vor dem leeren Bierglas“ und seine resolute Gegenspielerin über den Einfluss der Frauen auf die Geschichte des Bieres. Da wurden selbst das Gilgamesch-Epos und der Codex Hammurabi zur Rate gezogen.

Bücherei und Theater

  • Kellergewölbe:

    Vor 13 Jahren haben Büchereileiter Reinhold Demleitner und Thomas Kreissl vom PettenDorftheater das stimmungsvolle Kellergewölbe unter dem Anwesen von Bärbel und Fritz Amann als Veranstaltungsort entdeckt. Seitdem gibt es dort alljährlich Lesungen und Konzerte, die die Bücherei und der Theaterverein gemeinsam veranstalten.

  • Doppeljubiläum:

    Heuer feiern die Bücherei und das PettenDorftheater gemeinsam ein Doppeljubiläum. Die Gemeindebücherei wurde vor 30 Jahren gegründet, und ist im vergangenen Jahr in nagelneue Räume im ehemaligen Sparkassengebäude umgezogen. Das Theater wird heuer 40 Jahre alt feiert am 2. November die Premiere seines Jubiläumsstücks.

Andreas Gröber erzählte von einer sehr speziellen Brauereiführung in Deuerling und näherte sich dem Thema des Abends philosophisch, um zu dem Schluss zu Kommen: „Für ein, zwei Bierchen ist im Leben immer noch Platz.“ Hubert Dennerlohr stellte sich mit „As Wiazhaus“ von Eugen Oker die ziemlich rhetorische Frage, warum man eigentlich nicht ins Wirtshaus gehen sollte. Und er löste mithilfe eines weiteren Polt-Textes die Wurzel aus Zeit, die unter den Kastanien eines Biergartens letztlich den Saldo „Gemütlichkeit“ ergibt.

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