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Nachruf

Bischof Johannes Jobst gestorben

Brennberg trauert um einen großen Menschenfreund. Der „flying bishop“ starb an seinem Altersruhesitz in Patsch bei Innsbruck im Alter von 94 Jahren.
Von Resi Beiderbeck, MZ

Bischof Johannes Jobst ist mit 94 Jahren gestorben. Foto: Beiderbeck

Brennberg. Großes Bedauern und dankbares Erinnern herrscht in der Gemeinde Brennberg, denn der große Menschenfreund Bischof Johannes Jobst lebt nicht mehr. Im Alter von 94 Jahren verstarb der Ehrenbürger der Gemeinde Brennberg am Samstag in Patsch bei Innsbruck.

Als „fliegender Bischof“ wurde er bekannt. Allseits geschätzt war er als liebenswürdiger Menschenfreund mit Zuversicht und Gottvertrauen, Fröhlichkeit und Humor. Seine Bescheidenheit war sprichwörtlich. Fast fünf Jahrzehnte lang wirkte er im Dienste der Australien-Seelsorge, wo es weder Statussymbole noch Prunkpaläste gab, sondern nie endende, unermüdliche Arbeit direkt an der Basis gefragt war.

Dass Johannes Jobst sein halbes Leben in Australien verbringen würde, konnte er nicht ahnen, als er sich entschloss, Seelsorger zu werden. Zunächst störte der Krieg die Studienpläne grausam. Jobst kam zum Reichsarbeitsdienst, wurde nach Russland abkommandiert und war schließlich als Sanitäter im Einsatz. Von Polen aus ging es weiter an die türkische Grenze. Jobst musste sich in der russischen Steppe verschanzen, über Odessa in Rumänien einrücken und nach Ungarn weiterziehen. Im März 1945 wurde er verwundet, kam mit dem letzten Lazarettzug nach Regensburg und erreichte von dort aus zu Fuß endlich seine Heimat Frankenberg. Viele Kameraden hatte er sterben sehen. „Welch ein Wahnsinn ist doch so ein unsinniger Krieg“, sagte er immer wieder. Froh und dankbar, wieder heimgekommen zu sein, hatte er nach fünf Kriegsjahren nur eines im Sinn: Nie wieder die Heimat zu verlassen.

Ein neues Noviziat in Sydney

Doch es erreichte ihn der Ruf, ein neues Noviziat in Sydney zu gründen. Als er am 9. Juli 1950 zum Priester geweiht wurde, wusste er schon, dass er als Spiritual und Dozent in Australien wirken würde. Gehorsam folgte er dem Ruf ins ferne Land, unternahm die lange Schiffsreise nach Australien und gab dort sein Bestes. Der Unterstützung „seiner“ Brennberger konnte er sich dabei immer sicher sein. Sowohl im Gebet als auch durch Großzügigkeit bei so mancher Betteltour in der Heimat zeigten sie „ihrem Bischof“ ihr Wohlwollen.

„Ihr müsst nicht besonders intelligent sein, um Theologie zu studieren. Schaut mich an, ich habs auch geschafft. Wenn Gott einen haben will, dann ruft er ihn schon!“ Humorvolle, aber tiefgründige Sätze wie diese waren typisch für Bischof Johannes Jobst, der sich immer so einfach wie deutlich auszudrücken verstand. Als Oberhirte der Diözese Broome übernahm er 1959 eine schier unlösbare Aufgabe: Wie sollte er die Botschaft des Evangeliums in eine Diözese hineintragen, die sich über eine Fläche von 773000 Quadratkilometer erstreckte und damit mehr als doppelt so groß war wie Deutschland? Der Missionsbischof wusste sich zu helfen und lernte fliegen. Mit einer Cessna war er fortan unterwegs, was ihm den Titel „flying bishop“ einbrachte. In Erinnerung blieb er aber nicht nur als Pilot, sondern vorrangig als Kämpfer gegen die Benachteiligung der Aborigines. Der Aufbau eines funktionierenden Schulsystems lag dem gebürtigen Frankenberger besonders am Herzen.

Das Konzil miterlebt

Nie wäre es dem letzten deutschen Bischof, der den Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962 in Rom miterlebt hatte, eingefallen, sich auf seine Titel und Ehrenzeichen etwas einzubilden. Dabei hat er deren viele erhalten: Für seine Verdienste wurde er mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich und mit dem großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Gemeinde Brennberg machte ihn zum Ehrenbürger und Queen Elisabeth zum „Commander of the british Empire“.

Vor 14 Jahren kam Bischof Johannes aus Australien zurück und verlegte seinen Ruhesitz nach Patsch bei Innsbruck, wo er am Samstag verstarb. Der Zeitpunkt der Beerdigung, die in Brennberg sein wird, ist noch nicht bekannt

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