MyMz
Anzeige

Justiz

Brutaler Überfall auf Paar: Prozessbeginn

Fünf Männer stehen ab Montag vor dem Landgericht Regensburg. Sie sollen ein Paar in Sinzing überfallen und ausgeraubt haben.
Von Marion von Boeselager

Ermittler Kriminalhauptkommissar Josef Vogl zeigte im November 2016 eine „Anonymus-Maske“. Solche Masken hatten die Täter bei dem brutalen Überfall in Kleinprüfening benutzt.
Ermittler Kriminalhauptkommissar Josef Vogl zeigte im November 2016 eine „Anonymus-Maske“. Solche Masken hatten die Täter bei dem brutalen Überfall in Kleinprüfening benutzt. Foto: Archiv/Seidl

Regensburg.Wegen eines brutalen Raubüberfalles auf ein Ehepaar in dessen eigenem Haus in Sinzing sowie weiterer Straftaten müssen sich ab kommenden Montag fünf Männer vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Die zum Teil aus den ehemaligen GUS-Staaten stammenden Männer im Alter zwischen 25 und 49 Jahren sollen die Eheleute im Gemeindeteil Kleinprüfening im September letzten Jahres mit Waffengewalt, Schlägen und Drohungen gezwungen haben, ihren Tresor zu öffnen. Die Beute wurde auf über 32 000 Euro beziffert.

Schulden waren das Tatmotiv

Motiv für die Tat sollen Schulden eines der Beschuldigten gewesen sein. Den Angeklagten wird weiter ein Einbruch in Landshut im August letzten Jahres sowie der Diebstahl eines Tresors mit hochkarätigem Inhalt wie edlen Uhren zur Last gelegt. Die Anklage lautet unter anderem auf schweren Raub, gefährliche Körperverletzung, unerlaubtes Führen von Schusswaffen und versuchte Freiheitsberaubung. Einem der Männer wird zudem schwere sexuelle Nötigung zu Lasten der überfallenen Ehefrau aus Sinzing vorgeworfen.

In Kleinprüfening schlugen die drei Täter am 16. September zu. Sie drangen in ein Haus ein, fesselten die beiden Hausbesitzer und raubten Geld und Gold.
In Kleinprüfening schlugen die drei Täter am 16. September zu. Sie drangen in ein Haus ein, fesselten die beiden Hausbesitzer und raubten Geld und Gold. Foto: Archiv/Weidner

Ein Alptraum: Als der 39-jährige Ehemann am späten Abend des 17. September letzten Jahres nach einem Klingeln seine Haustür öffnete, sah er sich zwei maskierten Personen gegenüber, die ihn mit Schusswaffen bedrohten. Einer der Männer schlug ihm nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit der Faust aufs Auge. Dann drängten die Männer das Opfer ins Haus und zogen die Tür hinter sich zu.

Einer von ihnen hielt dem Hausherrn die Pistole an die Schläfe. Trotzdem soll dieser sich heftig gewehrt und versucht haben, einen der Täter die Treppe hinunter zu stoßen. Doch nach kurzem Kampf erhielt der 39-Jährige einen Schlag mit der Waffe auf den Kopf: Er ging zu Boden, so die Vorwürfe.

Lesen Sie mehr: EG „Fliederweg“ fahndet nach Räubern

Dann forderten die Täter Geld. Zunächst nahmen sie aus einem Geldbeutel im Büro 2000 Euro an sich. Sie durchwühlten die Räume. Und sie fragten nach dem Tresor. Dabei soll der Mann immer wieder geschlagen, getreten und mit der täuschend echt wirkenden Waffe bedroht worden sein. Er erlitt laut Anklageschrift Prellungen und Hämatome.

Der Ort Kleinprüfening gehört zur Gemeinde Sinzing. Grafik: MZ-Infografik
Der Ort Kleinprüfening gehört zur Gemeinde Sinzing. Grafik: MZ-Infografik

Währenddessen überwältigte ein dritter Täter, der durch ein Fenster ins Haus gestiegen war, die Ehefrau (38), indem er auch ihr eine Pistole vorhielt. Dann fesselte er ihr die Hände auf dem Rücken. Sie lag mit dem Bauch auf dem Boden. Dann schob der Mann mit seinem Knie die Beine der wehrlosen Frau auseinander, so die Vorwürfe. Um die Geschädigte zu demütigen, soll der Täter sie über der Kleidung im Intimbereich begrapscht und dem verängstigten Opfer mit Vergewaltigen gedroht haben.

Lesen Sie mehr: Überfall in Sinzing: Verdächtige gefasst

Schließlich entdeckten die Männer den Tresor in einem Sideboard. Die misshandelten und bedrohten Opfer mussten den Code preisgeben. Die Täter bedienten sich. Insgesamt erbeuteten sie nach den Angaben Geld und Münzen im Gesamtwert von über 32 000 Euro. Die Opfer ließen sie gefesselt zurück. Dann flüchteten die Räuber zunächst mit dem Mercedes des Hausherrn, stiegen aber später in das Fluchtauto, einen geleasten BMW, um. Das Ehepaar konnte sich bald darauf selbst befreien und verständigte die Polizei.

Sehen Sie hier ein Video vom Pressegespräch mit der Polizei Ende 2016:

Video: Froschhammer

Vor dem Überfall sollen sich vier der fünf Beschuldigten nach Angaben der Staatsanwaltschaft in einer Wohnung in Wallersdorf (Landkreis Dingolfing-Landau) getroffen und dort den geplanten Raub besprochen haben. Motiv sollen Schulden des Tat-Initiators (29) bei einem seiner Komplizen gewesen sein. Der Gläubiger soll gewusst haben, dass es bei den späteren Opfern in Sinzing „einiges zu holen“ gebe, so die Anklagebehörde.

Ein Joint vor der Tat

Zuvor spähten die Männer das Objekt noch ausführlich aus. Am Tatabend fuhren das Quartett dann nach dem Genuss von einigen Bieren und einem Marihuana-Joint mit einem geleasten BMW nach Sinzing. Dort vermummten sich drei der Täter mit Sturmhauben und selbst gebastelten Masken und nahmen Schreckschusspistolen mit, die echten Waffen täuschend ähnlich sahen. Der 29-Jährige blieb während des Überfalls im Fluchtauto sitzen, so die Vorwürfe.

Nach intensiven Ermittlungen konnte die Polizei bereits Anfang November letzten Jahres vier Verdächtige festnehmen. Seitdem sitzen die Männer in Untersuchungshaft.

Der Prozess ist auf sechs Verhandlungstage angesetzt.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Mehr Prozessberichte aus dem Amts- und Landgericht Regensburg finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht