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Engagement

„Bufdi“, das geht in jedem Alter

In der Regenstaufer Umweltstation läuft nichts ohne ehrenamtliche Helfer. Der Staat fördert auch den Einsatz von Älteren.
Von Sabine Norgall

Julia Broll und Corinna Poss halfen nicht nur der LBV-Umweltstation Regenstauf, sie profitierten auch persönlich von ihrer Arbeit als Bundesfreiwillige. Jetzt würden sie gerne ihre Nachfolger einarbeiten. Foto: Sabine Norgall
Julia Broll und Corinna Poss halfen nicht nur der LBV-Umweltstation Regenstauf, sie profitierten auch persönlich von ihrer Arbeit als Bundesfreiwillige. Jetzt würden sie gerne ihre Nachfolger einarbeiten. Foto: Sabine Norgall

Regenstauf.Sie päppeln Jungvögel auf, die von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefüttert werden müssen, spülen deren Hinterlassenschaften aus Volieren, betreuen Besuchergruppen, halten Vorträge in Schulen oder bringen verletzte Vögel zum Tierarzt. Für Christoph Bauer, LBV-Bezirksgeschäftsführer und Leiter der Umweltstation in Regenstauf, lässt sich der Einsatz der Bundesfreiwilligen in einem einfachen Satz zusammenfassen: „Ohne Bufdis wären wir aufgeschmissen.“ Aktuell übernehmen Corinna Poss (18) und Julia Broll (19) all diese Aufgaben. Seit Abschaffung des Zivildienstes in Deutschland soll der Bundesfreiwilligendienst dadurch entstehende Lücke schließen.

Zumeist bewerben sich Schulabgänger um die Bufdi-Stellen. Sie nehmen sich eine Auszeit vor einem Studium, um sich über ihre Berufswünsche klar zu werden. Bufdi kann man aber nicht nur als junger Mensch ab 16 Jahren werden. Hier werden generell alle Altersgruppen angesprochen.

„Ohne Bufdis wären wir aufgeschmissen.“

Christoph Bauer

Aktuell arbeitet der 55-jährige Pettendorfer Walter Steinbeck in der Umweltstation. Wie Steinbeck erklärt, ermöglicht es der Gesetzgeber Mitarbeitern von Post-Nachfolgeunternehmen, mit 55 Jahren in den versorgungsabschlagfreien Ruhestand zu gehen. Bedingung für den „engagierten Ruhestand“ ist der ehrenamtliche Einsatz. Der künftige Ruheständler muss ein Jahr lang oder insgesamt 1000 Stunden, verteilt auf drei Jahre, als Bufdi arbeiten. Die Nachfrage für den engagierten Ruhestand ist laut Steinbeck bei seinen ehemaligen Kollegen allerdings viel höher als das Angebot.

Ein Modell ohne Lohn

Steinbeck ist seit über 30 Jahren Mitglied beim Bund Naturschutz. Deshalb wollte er sein Engagement im Bereich Naturschutz ableisten. Da Steinbeck sein gefordertes Engagement innerhalb eines Jahres einbringen wollte, brauchte er einen Anbieter, bei dem er die volle Stundenzahl ableisten kann. Die Stelle bei der Umweltstation in Regenstauf kam ihm da gerade recht. Die Arbeit des 55-Jährigen ist im Prinzip die gleiche wie die von Corinna Poss oder Julia Broll. Während die jungen Frauen jedoch vom Bund einen Monatslohn von 395 Euro bekommen, erhält Steinbeck dafür in seinem Ruhestandsmodell kein Geld. Er bezieht ja bereits Pension.

Auch „ältere Semester“ sind willkommen. Walter Steinbeck (links) arbeitet im „engagierten Ruhestand“. Manfred Seltmann ist fast täglich vor Ort. Foto: Norgall
Auch „ältere Semester“ sind willkommen. Walter Steinbeck (links) arbeitet im „engagierten Ruhestand“. Manfred Seltmann ist fast täglich vor Ort. Foto: Norgall

Das Programm des engagierten Ruhestands ist auch für die Umweltstation Neuland, „aber für uns eine ganz wertvolle Unterstützung“, sagt Christoph Bauer. Steinbeck mag seine Arbeit. Eine gewisse Neigung zu Tieren und die Bereitschaft, sich auch mal dreckig zu machen, hält er jedoch für wichtig: „Früher saß ich acht Stunden im Büro, jetzt sitze ich so gut wie nie.“

Umwelt

Umweltstation: Ohne „Bufdis“ gehts nicht

Bundesfreiwillige kümmern sich um kranke Vögel, päppeln Jungtiere auf, arbeiten mit Kindern und lernen selbst viel dabei.

Aktuell mäht Steinbeck zusammen mit Manfred Seltmann, der sich ganz ohne Programm und rein ehrenamtlich fast täglich in der Umweltstation engagiert, die Wiese hinter der Station. Dort schwingt er die Sense, da die Wiese naturnah und schonend bewirtschaftet werden soll.

Vielfältige Aufgaben

  • Aufgabe:

    Die Arbeit in der Umwelt- und Vogelstation ist vielfältig. Neben der Pflege der Tiere, deren Annahme oder dem Saubermachen der Käfige gibt es viele weitere Aufgaben.

  • Schulen:

    Die Bufdis halten Vorträge an Schulen, unterstützen bei Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene oder betreuen Kindergeburtstage in der Umweltstation.

  • Führerschein:

    Auch wenn Tiere zum Tierarzt müssen, sind die Bufdis als Chauffeure gefragt.

  • Taschengeld:

    Für 39 Wochenstunden erhalten die Bufdis 395 Euro im Monat.

  • Kontakt:

    Telefon ( 0 94 02) 7 89 95 70; E-Mail: oberpfalz@lbv.de ; Homepage: oberpfalz.lbv.de/umweltstation

Auch die Biologin Dr. Magdalena Schneider kam im vergangenen Jahr als Bufdi in die Umweltstation. Sie hielt, wie die meisten ehemaligen Bufdis, den Kontakt nicht nur. Zusammen mit Konstantin Czak gründete und leitet sie die Regenstaufer Kindergruppe im LBV. Das Engagement als Bundesfreiwilliger, sagt Bauer, sei auch eine Chance für Berufstätige, die etwa wegen eines Burnouts in ihrem Beruf pausieren. Bufdis sind sozialversichert, das Engagement wirkt sich positiv auf die Rente aus.

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Auch den Vortrag vor Schülern lernen die Bufdis während ihres Einsatzes. Foto: Norgall
Auch den Vortrag vor Schülern lernen die Bufdis während ihres Einsatzes. Foto: Norgall

Wer sich für die Arbeit als Bufdi interessiert, sollte sich schnell melden. Zumeist findet der Wechsel im September statt, damit die erfahrenen Absolventen die Neulinge einweisen können. Ein Einstieg ist aber jederzeit möglich. Christoph Bauer legt Wert darauf, dass die Bufdis nicht nur für die Mindestzeit von sechs Monaten, sondern für ein ganzes Jahr, mindestens in einer Halbtagsstelle, in der Umweltstation arbeiten: „Sonst sind sie wieder fort, kaum dass man sie eingearbeitet hat.“ Da die Bufdis auch mit Vorträgen an Schulen unterwegs sind oder kranke Tiere zum Tierarzt bringen, nimmt die Umweltstation Bewerber ab 18 Jahren, die einen Führerschein haben.

Die Regensburgerinnen Corinna Poss und Julia Broll bewerten jetzt, da sich ihr Einsatz dem Ende entgegen neigt, diesen Einsatz als positiv. Für beide kristallisierten sich während ihres Einsatzes Studienziele im Bereich Biologie oder Forstwirtschaft heraus. Sie lernten, frei vor Gruppen zu sprechen, vor Klassen zu stehen und mit Kindern zu arbeiten. Auch Selbstbewusstsein haben sie getankt. Bauer: „Junge Erwachsene, die mit Kindern arbeiten, die finden die Kinder einfach cool.“

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