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Geständnis

Chef zweigte fast 530 000 Euro ab

Der Geschäftsführer einer Immobilienfirma im Kreis Regensburg soll bei 112 Gelegenheiten Unternehmensgelder veruntreut haben.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte (rechts) mit seinem Verteidiger Martin Hutzler. Foto: Boeselager
Der Angeklagte (rechts) mit seinem Verteidiger Martin Hutzler. Foto: Boeselager

Regensburg.Der Geschäftsführer einer Immobilienfirma aus dem westlichen Landkreis, die unter anderem den Erwerb und Weiterverkauf von 140 Wohneinheiten in einer Landkreisgemeinde betrieb, stand gestern wegen Untreue in 112 Fällen vor dem Schöffengericht für Wirtschaftsstrafsachen. Der 66-jährige Unternehmer, der nach Angaben seines Verteidigers „Zeit seines Lebens in der Immobilienbranche tätig war“ soll „ohne Anspruch oder Rechtsgrundlage“ erhebliche Vermögenswerte der GmbH abgezweigt haben: insgesamt 529158,66 Euro. Er legte ein Geständnis ab.

Laut Anklage entnahm der Firmenchef, der eigentlich dazu verpflichtet war, die Vermögensinteressen des Unternehmens wahrzunehmen, die Gelder den Firmenkonten in bar und führte eine Vielzahl von Umbuchungen auf seine privaten Bankkonten durch. Der Umfang der illegalen Entnahmen in den Jahren 2014 und 2015: 214380 Euro. Weitere hohe Summen ließ er einer Familie aus dem südosteuropäischen Raum zukommen.

Deal mit dem Gericht

Nach langem Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen machte das Gericht unter Vorsitz von Richter Sebastian Stitzinger dem Angeklagten einen Vorschlag: Bei einem umfassenden Geständnis könne er mit einer Bewährungsstrafe zwischen einem Jahr und sechs Monaten und einem Jahr und zehn Monaten rechnen, plus einer Geldstrafe von 250 bis 350 Tagessätzen zu je 160 Euro. Solche Deals und Kombinationsstrafen sind häufige Praxis in Wirtschaftsstrafsachen.

Der Angeklagte gab sein Okay und räumte die Tatvorwürfe ein. Sein Anwalt Martin Hutzler gab in seinem Namen eine Erklärung ab: Anzeige gegen den Geschäftsführer hatte danach dessen Mitgesellschafter erstattet, der aber selbst nicht in das operative Geschäft eingebunden war.

Die Männer kannten sich schon lange geschäftlich, waren aber nach einem Streit um ein Geschäft in Paraguay getrennte Wege gegangen. Danach wollte der Angeklagte einen Freizeitpark entwickeln und investierte viel Geld in das Projekt. Dabei lernte er den Profiteur eines Großteils der Geldüberweisungen kennen: Einen schillernden Geschäftsmann aus Südost-Europa, der Interesse zeigte, in den Park zu investieren. Doch das Projekt scheiterte, unter anderem da der Angeklagte bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wurde und für immer gehandicapt bleiben wird.

Später wollte er „wieder einen Fuß in die Tür“ der Immobilienbranche bekommen, so Hutzler. Die Chance dazu sah er darin, als Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter in die Firma seines früheren Partners – des Anzeigeerstatters – einzusteigen. Er konnte einen Teil der Wohnungen veräußern. Doch dann wurde ein neuer Investor benötigt. Der Angeklagte stellte seinem Mitgesellschafter den Mann aus Südeuropa vor, „eine schillernde Figur“, so Hutzler. Denn der hatte plötzlich Finanzprobleme. Teile seines Vermögens waren „konfisziert“.

Transfers ohne Sicherheiten

Um ihn doch als Investor an Land zu ziehen, will der Angeklagte ihn und seine Familie lange Zeit mit Firmengeldern gestützt haben – über den Kopf des Anzeigeerstatters hinweg und ohne Gesellschafterbeschlüsse. „Die Transfers ins Ausland erfolgten ohne Sicherheiten“, sagte der Verteidiger. – „ ein großer Fehler.“

Der Angeklagte bekundete sein Bedauern. Einen Teil der Gelder habe er auch für sich selbst entnommen. Da er nicht vorbestraft und gesundheitlich angeschlagen ist und den Schaden ersetzen will – unter anderem durch Provisionen aus einem Casino-Projekt im Mittelmeer – kam er mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr acht Monaten plus einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je 160 Euro davon. Zudem wird die Summe seiner Privatentnahmen – 214318 Euro – eingezogen.

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