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Betreuung

Das KoAla-Nest lebt die Inklusion

Die Krippe in Köfering kümmert sich vorbildlich um den kleinen Simon. Dafür gab es eine Auszeichnung vom Down-Syndrom-Center.
Von Michael Jaumann

Simon entdeckt in der Krippe des Koala-Nests die Welt. Unser Bild zeigt den Dreijährigen mit Heilerziehungspflegerin Theresa Scherer. Foto: Jaumann
Simon entdeckt in der Krippe des Koala-Nests die Welt. Unser Bild zeigt den Dreijährigen mit Heilerziehungspflegerin Theresa Scherer. Foto: Jaumann

Köfering.Christiane Engel ist hin und her gerissen über die Auszeichnung des Deutschen Down-Syndrom-Info-Centers für ihr KoAla-Nest. Eigentlich will sie kein großes Aufhebens darum machen, dass ihre Kinderkrippe mit dem dreijährigen Simon ein Down-Syndrom-Kind vorbildlich betreut. Das Zusammensein von behinderten und nichtbehinderten Kindern soll ja schließlich etwas Selbstverständliches sein, findet sie.

Auszeichnung für das KoAla-Nest: Heilerziehungspflegerin Theresa Scherer mit Simon, Gruppenleiterin Sabrina Koch, Leiterin Christiane Engel, Simons Schwester Emily und Mutter Anne Westerman (von links) Foto: I. Meier
Auszeichnung für das KoAla-Nest: Heilerziehungspflegerin Theresa Scherer mit Simon, Gruppenleiterin Sabrina Koch, Leiterin Christiane Engel, Simons Schwester Emily und Mutter Anne Westerman (von links) Foto: I. Meier

Andererseits tut ein Lob für die eigene Arbeit schon gut. Es sei Zeichen dafür, dass die Eltern im KoAla-Nest zufrieden sind. Zumal in diesem Fall die Eltern selbst die Verursacher der Auszeichnung sind. Simons Mutter, Anne Westerman, hatte die Einrichtung der Diakonie ohne deren Wissen vorgeschlagen, um sie zu überraschen. Ohne Wenn und Aber habe das KoAla-Nest Simon akzeptiert, lobt die Alteglofsheimerin. „Wir fühlen uns dort gut angenommen“, sagt sie über die interkommunale Einrichtung der Gemeinden Köfering und Alteglofsheim, mit der sie sehr zufrieden sei.

Betreuerin ist immer dabei

Seit September vergangenen Jahres geht Simon in die Krippe im Koala-Nest. „Wir hätten der Einrichtung gerne Bedenkzeit eingeräumt“, berichtet seine Mutter Anne. Schließlich bringt ein Kind mit Down Syndrom wegen der speziellen Betreuung ein bisschen Wirbel mit in eine Gruppe. So wird Simon ständig von Heilerziehungspflegerin Theresa Scherer begleitet. Zusätzlich kommen einmal in der Woche eine Logopädin und zweimal eine Physiotherapeutin ins Haus, um mit ihm zu arbeiten.

„Es tut Simon gut und es tut uns gut!“

Leiterin Christiane Engel

Die Einrichtung benötigte aber keine Bedenkzeit. Am Ende des Elterngesprächs hat sich die Leitung „sofort darauf eingelassen“, lobt Anne Westerman. Und sie ist froh darüber. Denn Simon, der noch eine ältere Schwester hat, verfügt in der Krippe über ganz andere Bezugspersonen. „Seine Welt wird hier größer“, sagt die Mutter.

„Wir hängen die Inklusion nicht an die große Glocke“, erzählt Leiterin Engel. „Wenn ein Kind mit Behinderung kommt, wird es aufgenommen.“ Die Einrichtung sieht dies als Vorteil für alle Seiten: „Die Kinder haben die Chance, als normal zu empfinden, dass jemand anders ist oder anders spricht“, sagt die Leiterin. Die Kinder hätten auch kein Problem damit. Vor zwei Jahren, so erinnert sich die Leiterin, sei ein Kind in der damals noch jungen Einrichtung betreut worden, das mit einer Hand nicht greifen konnte. „Dann haben die Kinder ihm Sachen halt in die andere Hand gegeben.“

40 Kinder werden derzeit in der Krippe in drei alters- und geschlechtsgemischten Gruppen betreut. Hinzu kommen 25 Kinder im angehängten Kindergarten. 14 Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen kümmern sich um die Kleinen. Und Heilerzieherin Scherer, die sich um Simon kümmert, nimmt auch schon mal ein paar Kinder mit raus, wenn sie mit ihrem Schützling in den Garten geht.

Täglich von 7 bis 8.30 Uhr ist in der Krippe Bringzeit für die Kinder. Anschließend formen sie einen Morgenkreis, in dem das Thema des Tages besprochen wird und schon geht es ab zum gemeinsamen Frühstück.

Einkaufen im Supermarkt

Simon scherzt mit seiner Betreuerin. Foto: Jaumann
Simon scherzt mit seiner Betreuerin. Foto: Jaumann

Die Kinder dürfen so lange essen, wie sie wollen. Sie dürfen mal bei den anderen probieren, sie dürfen sitzenbleiben und miteinander kommunizieren. Einmal die Woche gehen sie zum nahegelegenen Supermarkt und kaufen mit Hilfe von Bildkärtchen für ein gemeinsames Frühstück ein. Das wird dann zusammen angerichtet.

Von 9.30 bis 11 Uhr wollen manche noch ein Weilchen schlafen. Die anderen tun, was Kinder in dem Alter gerne tun. Sie pritscheln mit Wasser, dürfen mit Rasierschaum matschen oder mit Fingerfarben auf dem Tisch malen. Um 11 kommen die Gruppen noch einmal zusammen, ehe es in Richtung Mittagessen geht. Das ist nicht verpflichtend, aber alle nähmen daran teil, sagt Engel. Mittags werden die ersten Kinder abgeholt, manche sind auch bis 17 Uhr da. Aber kein Kind ist an fünf Tagen bis 17 Uhr gebucht.

Von den Betreuerinnen abgesehen, hat Simon keine Sonderbehandlung. Er liebt dieselben Rasseln, Autos oder Bauklötze wie die anderen Kinder auch. Und jeder bringt ein Stückchen zum gemeinsamen Werk mit ein, sagt Leiterin Engel. Die Inklusion im KoAla-Nest funktioniere wegen der guten personellen Ausstattung und „weil Simon gut reinpasst“. Engels Fazit: „Es tut ihm gut und es tut uns gut!“

Wie es Simon selbst gefällt, sagt er nicht. Er spricht noch nicht. Sein Lachen, wenn er mit seiner Betreuerin spielt, ist aber Antwort genug. „Er geht gerne in die Krippe“, weiß seine Mutter.

Hintergrund

  • KoAla-Nest:

    Das KoAla-Nest ist eine interkommunale Kinderkrippe der Gemeinden Köfering und Alteglofsheim im Süden von Köfering. Der Neubau mit großem Garten wurde 2013 eröffnet. Seit 2015 gibt es in der Einrichtung zudem in einem eigenen Anbau eine Kindergartengruppe der Gemeinde Köfering.

  • Down-Syndrom Info-Center:

    Das Info-Zentrum wurde Ende 1998 in Lauf gegründet. Träger ist die Selbsthilfegruppe für Menschen mit Down-Syndrom und ihre Freunde. Dieser Verein kümmert sich seit 1988 um die Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Down-Syndrom in Deutschland. (jn)

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