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Das MZ-Duell von Aumer und Schweiger

Im MZ-Verlagshaus stellten sich die Landrats-Kandidaten Fragen zu Energie und Wirtschaft, Verkehr und der Zusammenarbeit mit der Stadt Regensburg.
Von Michael Jaumann, MZ

Peter Aumer und Tanja Schweiger gaben sich beim Kandidaten-Duell im MZ-Verlagsgebäude kräftig kontra. 160 Zuhörer ließen sich den Schlagabtausch nicht entgehen. Fotos: Lex

Regensburg.Das hätten sich Tanja Schweiger und Peter Aumer wohl nicht träumen lassen, als sie sich vor einigen Wochen im Regensburger Presseclub den Fragen von MZ-Reporter Christof Seidl stellten: Dass der erste Wahlgang der Landratswahl die Politikerin der Freien Wähler mit knappen Vorsprung vor dem CSU-Bewerber sah.

Am Sonntag müssen sich die beiden erneut dem Wählervotum stellen. Zuvor stand am Donnerstagabend jedoch im Verlagshaus der MZ eine weitere Fragerunde mit Christof Seidl an. Ihm zur Seite stand Martin Lindner vom Fernsehsender TVA, der das Geschehen live im Fernsehen übertrug.

Das Interesse am Kandidatenduell war groß. Die 160 Karten waren im Nu vergriffen. Unter die Zuhörer hatten sich etliche Kreis- und Landespolitiker gemischt. Dazu zählte auch Schweigers Lebensgefährte Hubert Aiwanger, Bundesvorsitzender der Freien Wähler. Dass die Sympathien im Publikum ziemlich gleich verteilt waren, stellte sich bald heraus, als die Kandidaten auf dem imaginären heißen Stuhl gegrillt wurden.

Wie er zur Kritik des Landrats an seinem Wahlkampf stehe, wollte Seidl von zunächst von Aumer wissen. Landrat Herbert Mirbeth sei von Anfang an in den Wahlkampf eingebunden gewesen, sagte Aumer. Daher sei die Kritik nicht angebracht gewesen. Den Besuch von Ministern im Landkreis verteidigte der CSU-Kandidat. Dies sei immer wichtig für den Landkreis gewesen. Er habe auch in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter stets versucht, Netzwerke zu knüpfen und sei damit erfolgreich gewesen. Dass die CSU zwei Sitze verloren habe, sei eher dem neuen Auszählungsverfahren geschuldet als einem schlechten Wahlkampf.

Sei ihr Argument, dass sie stets zu ihren Standpunkten gestanden habe, nicht Zeichen mangelnder Flexibilität, wollte Lindner hingegen von Schweiger wissen. Der Bürger wisse, dass ihr Breitbandausbau, dezentrale Energieversorgung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig seien, konterte die Kandidatin der Freien Wähler. „Die Bürger wissen bei mir, was sie bekommen.“ Das Wahlprogramm sei keineswegs dürftig geraten. Man wolle die Menschen nicht überladen, so Schweiger. Durch ihre Arbeit im Landtag sehe sie sich durchaus in der Politik vernetzt.

Schwerpunkte im Verkehr: Osttangente und Südspange

Zum Thema Fortführung der Osttangente in den Landkreis hinein forderte Schweiger, die Gemeinden mit ins Boot zu nehmen. Die sogenannte Südspange, die Kreisstraße R30, die nach mehr als siebenjähriger Planung weit von einer Realisierung entfernt ist, bezeichnete Aumer als große Herausforderung. Er sprach sich dafür aus, alle 20 Kläger gegen die Tasse mit ins Boot zu nehmen. Auch die Gemeinde Köfering habe Vorbehalte gegen den Anschluss an die Bundesstraße 15, über die noch einmal geredet werden solle.

Schwierige Zusammenarbeit:

Wie halten Sie es mit der Stadt?

Ob Wolbergs oder Schlegl, die Zusammenarbeit mit der Stadt Regensburg sei personenunabhängig, betonte Aumer. „Für die Region kann es nur ein Miteinander geben“. Diese Haltung habe auch seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter geprägt. Die Politik beginne mit der Betrachtung der Wirklichkeiten, sagte Aumer in Bezug auf den Streit zwischen Landkreis und Stadt über Donau-Übergänge. Die Zusammenarbeit mit der Stadt werde die große Herausforderung der nächsten Jahre, so Schweiger. Der Verkehr stoße an Grenzen. Hier habe Regensburg eine große Verantwortung für die ganze Oberpfalz. Großbetriebe könnten auch abwandern, wenn das Verkehrschaos um Regensburg nicht in den Griff zu bekommen sei, mahnte Schweiger. Einem übergeordneten Gremium, das Fragen von Stadt und Landkreis behandeln solle, standen beide nicht ablehnend gegenüber. Entscheidend sei aber der Wille zur Zusammenarbeit.

Die Energiewende:

Was kann der Landkreis tun?

Beim Thema Energie habe der Landkreis die einmalige Chance, regionale Wertschöpfung zu schaffen und von großen Anbietern unabhängig zu werden, so Schweiger. Wenn die Menschen frühzeitig eingebunden würden, seien sie auch für Projekte wie Windkraft zu gewinnen. Biogasanlagen in einer Größe von 5 Megawatt „passen nicht in unsere Struktur“, betonte die 35-Jährige. Bäuerliche Anlagen in einer Größe von 500 Kilowatt seien völlig ausreichend.

Die Erzeugung der Energie sei die größte Herausforderung der Energiewende, bekräftige Aumer. Er sprach sich für Energiegenossenschaften mit starken Partnern, etwa der Rewag, aus. Sobald der Bund bei den erneuerbaren Energien die Grundvoraussetzung geschaffen habe, gehe es darum, die Professionalisierung der Energieerzeugung voranzutreiben.

Die Wirtschaft: Fallen im

Landratsamt überhaupt Würfel?

Das Landratsamt spielt für Aumer eine zentrale Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Es sprach sich für eine stärkere Wirtschaftsförderung am Landratsamt aus und für eine interkommunale Zusammenarbeit mit der Stadt Regensburg. Der Landrat habe bei der Wirtschaftsförderung eine wichtige Aufgabe. Für Schweiger ist das Landratsamt als Anlaufstelle und zur Koordinierung wichtig. In Sachen Wirtschaft gelte es aber zu differenzieren. Wichtig seien nicht nur die Großbetriebe, sondern auch, dass kleinere Handwerksbetriebe bestehen könnten und Lehrlinge finden.

Eine Behörde mit 800 Mitarbeitern: Können Sie Landrat?

Dass sie sich als Landrätin Mehrheiten suchen müsste, ist für Schweiger nicht das große Problem. Die Freien Wähler seien gewohnt, mit allen zusammenzuarbeiten. Sie wolle mit allen 70 Kreisräten reden und alle einbinden, Eine Behörde mit 800 Mitarbeitern zu führen traue sie sich zu. Diese Herausforderung nehme sie gerne an.

„Verwaltung kann man lernen“, sagte Aumer zu diesem Thema. Wichtig für einen Landrat sei, im Wind stehen und Kritik aushalten zu können. Zusammen mit der SPD sei in den vergangenen sechs Jahren viel auf den Weg gebracht worden. Er werde als Landrat mit der SPD reden. Und er werde mit allen reden. Wichtig sei eine stabile Mehrheit im Kreistag, betonte der 37-Jährige.

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