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Das Regentalfest wird vermisst

Das Regentalfest wurde heuer wie viele Feiern abgesagt. Musikanten, Festgäste und Festwirte erzählen, wie sie damit umgehen.
Von Petra Schmid

Die Trachtenkapelle Regenstauf kann derzeit nicht aufspielen.
Die Trachtenkapelle Regenstauf kann derzeit nicht aufspielen. Foto: Petra Schmid/Petra Schmid

Ramspau.Seit der Corona-Pandemie ist das gesellschaftliche Leben stark eingeschränkt. Neben den alltäglichen Einschränkungen fällt dies nun, da normalerweise die Saison der größeren und kleineren Feste begonnen hätte, besonders auf. Bierzeltstimmung, Musik und zünftige Brotzeiten in geselliger Runde, davon können die Menschen derzeit nur träumen. Musiker, Veranstalter und Festwirte müssen nicht nur die oft anfallenden Kosten und finanziellen Einbußen verkraften, auch das soziale und gesellschaftliche Defizit muss verarbeitet werden.

Das erste große Bierzelt im Regental hätte am vergangenen Wochenende in Ramspau gestanden. Traditionell trifft sich am Pfingstwochenende eigentlich das ganze Regental in dem kleinen Ort und feiert vier Tage lang Regentalfest. Heuer fiel es der Corona-Krise zum Opfer. Festwirt Jürgen Karl, Musiker und Festgäste gaben freilich der Gesundheit den Vorrang, aber dennoch gestehen sie, dass ihnen etwas fehle.

Vorfreude auf nächstes Jahr

Festwirt Jürgen Karl, der schon von Kindesbeinen an beim Traditionsfest immer dabei war – sein Vater war bereits Festwirt – erklärt, dass es das Vernünftigste gewesen sei, das diesjährige Regentalfest 2020 abzusagen. „Wir haben bis zum Schluss gehofft, und bedauern diesen Schritt sehr, aber umso mehr freuen wir uns auf das kommende Jahr“, blickt er positiv voraus.

Was ihn bewegt, wenn er nicht voller Freude die letzten Vorbereitungen treffen konnte und nicht mit Freunden zusammen nach all der Arbeit nach einem gelungenen Regentalfest eine Maß Bier trinken konnte, fasst er so zusammen: „Ein Fest, ein Dorf, dem wir die Treue halten.“ Auf ins neue Jahrzehnt und den Start in die goldenen 20er Jahre, so sollte es ursprünglich werbewirksam heißen, sagt er leicht wehmütig. Er und das Team, das gemeinsam das Regentalfest Jahr für Jahr vorbereitet, sehen aber auch den positiven Aspekt: So sei die bereits geleistete Eigenarbeit keineswegs umsonst gewesen, sondern ein wichtiger Baustein und das Fundament für das kommende Jahr 2021. Karl sei deshalb zuversichtlich, das Fest nächstes Jahr noch effektiver, effizienter und erfolgreicher zu gestalten – unter dem Motto „aufgeschoben ist eben nicht aufgehoben“.

Das wäre geplant gewesen

  • Jubiläumsfeste:

    Die Trachtler wollten im April ihr 90. Gründungsfest feiern, nun soll es vielleicht im Herbst stattfinden. Auch die 850-Jahrfeier des Ortsteil Steinsberg fällt ins Wasser. Ersatztermine für die ausgefallenen Feste stehen noch nicht fest.

  • Volksfest:

    Der Markt Regenstauf lädt im Sommer die Bürger zu einem großen Fest ein. Im Wechsel finden das „Fest am Fluss“, das Bergfest oder ein Bürgerfest statt. Heuer wäre das Bürgerfest an der Reihe gewesen. Es iwurde auf 2021 verschoben.

  • Märkte:

    Im Jahr verteilt, finden in Regenstauf mehrere Marktsonntage statt. Heuer werden die Standbetreiber ihre Ware nicht mehr anbieten können, zumindest nicht in dieser Form. Straßen voller dicht gedrängter Besucher sind nicht möglich.

  • Christkindlmarkt:

    Ob der liebgewonne Vorweihnachtsmarkt rund um das Rathaus stattfinden kann, steht noch nicht fest. Die Verantwortlichen im Rathaus rechnen im Herbst mit einer Mitteilung, ob und in welchem Rahmen es einen Markt geben könnte.

Die Planungen beziehungsweise Organisationen würden nahtlos und routiniert für 2021 weiterlaufen. „Nach dem Fest ist vor dem Fest“, bringt es Karl auf den Punkt und ergänzt, er wünsche sich sehr, an die letzten erfolgreichen Jahre nahtlos anzuknüpfen und die Tradition so aufrechterhalten und weiterführen zu können. Auch der finanzielle Schaden halte sich in Grenzen. Das komme daher, dass sehr viel Arbeit in Eigenregie und durch ehrenamtliche Hände bewerkstelligt werde, hebt Karl hervor. Hier zeige sich vor allem die Stärke des Miteinanders, die Flexibilität des Vereins, und der gute Umgangston mit allen Musikkapellen, Lieferanten und Schaustellern all die Jahre, so Jürgen Karl.

Josef Schindler, der heuer neu gewählte Bürgermeister des Markts Regenstauf, hätte zu den Ehrengästen des Fests gezählt. Derzeit finde das gesellschaftliche Leben quasi nicht mehr statt und somit gebe es auch kein „gesellschaftliches Parkett“, um sich als frisch gebackener Rathauschef den Bürgern zu präsentieren. Die Möglichkeit, mit den Regenstaufern, die ihn freilich schon seit Jahren von seinem bisherigen kommunalpolitischen und ehrenamtlichen Engagement kennen, ins Gespräch zu kommen, gebe es momentan praktisch gar nicht. Auch die zahlreichen kleinen Vereinsfeste während der Sommerzeit gebe es derzeit nicht, bedauert er im Gespräch. Den Kontakt zu Bürgern und Vereinen versuche er unter Einhaltung der Auflagen wenigstens im Kleinen zu halten, versichert Schindler.

Zu denjenigen, welche die großen und kleinen Sommerfeste schmerzlich vermissen, gehören auch die Musikanten. Seit Monaten können sie nicht in der Gruppe musizieren und Menschen mit ihrer Musik unterhalten.

Sehnsucht nach Auftritten

Markus Islinger ist nicht nur ein waschechter Ramspauer, sondern auch der Vereinschef der Trachtenkapelle und leidenschaftlicher Musikant. Derzeit hat er quasi Freizeit im Überfluss, denn Auftritte mit seiner Musikkapelle sind ja nicht möglich. Alleine zuhause oder im Familienkreis den Defiliermarsch zu spielen, sei einfach kein Ersatz für das Erlebnis, wenn man vor Publikum spiele. Wehmut kehre bei ihm schon ein, wenn er daran denke, dass man ansonsten um die Zeit nahezu jedes Wochenende einen Auftritt gehabt hätte, versichert er. Man müsse die Vorgaben einhalten, aber die Blasmusikszene liege brach und es stehe noch nicht in den Sternen, wann man wieder im großen Kreis musizieren dürfe. Hausmusik und Video-Chats seien auf Dauer kein Ersatz für die direkte Rückmeldung, die ansonsten das Publikum gebe, erklärt er.

Das von der Trachtenkapelle Ramspau geplante Konzert im Herbst werde man voraussichtlich ins Frühjahr nächsten Jahres verschieben müssen, meint der Kapellenchef. Selbst wenn so eine Veranstaltung wieder möglich sei, werde der Zeitraum für die notwendigen Proben wohl nicht mehr ausreichen, meint der Musikant und blickt positiv auf 2021.

Bundestagsabgeordneter und Ramspauer Peter Aumer, der in den vergangenen Jahren Ehrenschirmherr des Regentalfestes war, setzt seine Hoffnungen darauf, dass im nächsten Jahr wieder Feste stattfinden könnten. Die Dorfgemeinschaft und überhaupt das ganze Regental würden darunter leiden, wenn man die Gesellschaft nicht mehr pflegen könne, sagt Aumer.

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