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Hochwasser

Deftiger Streit um Flutpolder

Bei einer Info-Veranstaltung prallten die Meinungen mit Wucht aufeinander. Regensburger und Deggendorfer stritten heftig.
Von Melanie Bäumel-Schachtner

Mit vielen Protestschildern machten die Teilnehmer aus dem Raum Regensburg an der Infoveranstaltung zu den Flutpoldern ihrem Ärger schriftlich vor der Straubinger Stadthalle Luft. Fotos: Melanie Bäumel-Schachtner
Mit vielen Protestschildern machten die Teilnehmer aus dem Raum Regensburg an der Infoveranstaltung zu den Flutpoldern ihrem Ärger schriftlich vor der Straubinger Stadthalle Luft. Fotos: Melanie Bäumel-Schachtner

Regensburg.Lautstark haben die Gegner der beiden Flutpolder im Raum Regensburg ihrem Unmut bei einer Informationsveranstaltung am Montagabend in Straubing Luft gemacht. Erstmals trafen sich die Befürworter – die Donauanrainer der Landkreise Straubing-Bogen, Deggendorf und Passau – zusammen mit den Gegnern aus dem Landkreis Regensburg an einem gemeinsamen Infoabend. Die Fronten prallten heftig aufeinander. Das Motto lautete „Flutpolder: überflüssige Monsterbauten oder überfällige Lebensretter?“. In der Straubinger Stadthalle wurde miteinander diskutiert, und zwar größtenteils auf sehr emotionaler Ebene. Im Verlauf der mehrstündigen Diskussion mit rund 1000 Teilnehmern gab es kaum eine Annäherung.

Deggendorfs Landrat im Visier

Vor der Joseph-von-Fraunhofer-Halle standen große Plakate. Ein Protest auf Papier gegen die Flutpolder im Landkreis Regensburg, die zwar laut Koalitionsvertrag gestrichen worden sind, die aber noch nicht endgültig vom Tisch sind – aufgrund massiver Proteste der niederbayerischen Landkreise, die an der Donau liegen. Mit zahlreichen Bussen waren die Regensburger nach Niederbayern gekommen und waren nicht gewillt, sich die Informationsveranstaltung schweigend anzuhören. Schon auf den Filmbeitrag am Anfang gab es heftige Reaktionen.

Auch bei der Diskussion machten die Protestler keinen Hehl daraus, wen sie verantwortlich dafür machen, falls die beiden Polder bei ihnen doch gebaut werden würden: Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter. Laute Buhrufe begleiteten ihn auf die Bühne, Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger dagegen bekam minutenlangen Beifall. Schweiger machte klar, dass die Donauanlieger in ihrem Landkreis heftig unter dem Donauausbau zu leiden hätten: „Die Donau wurde um sieben Meter angestaut. Wer früher an der Donau lebte, lebt heute unter der Donau.“ Durch den kiesigen Boden sei das Grundwasser zudem angestiegen, viele Menschen hätten dadurch Wasser im Keller. Durch die Polder würde das Problem potenziert.

Diskutierten auf der Bühne (v.l.): Markus Hörner, Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger, Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter, der Fischerdorfer Landwirt Herbert Pfeffer und die Wasserbau-Professoren Peter Rutschmann und Andreas Malcherek.
Diskutierten auf der Bühne (v.l.): Markus Hörner, Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger, Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter, der Fischerdorfer Landwirt Herbert Pfeffer und die Wasserbau-Professoren Peter Rutschmann und Andreas Malcherek.

Bernreiter erklärte, nach dem verheerenden Hochwasser 2013 sei in München der bestmögliche Hochwasserschutz versprochen worden. „Plötzlich heißt es im Koalitionsvertrag, drei Polder werden gestrichen. Dagegen wehren wir uns.“ Die Wirksamkeit von Poldern ist für ihn „kein Fantasiegebilde“. Es sei erwiesen, dass die Polder einige Zentimeter ausmachen, und diese seien entscheidend. Die Dramatik in der Region sei groß: „Die Menschen sind traumatisiert, es gab Selbstmordversuche.“ Herbert Pfeffer, Landwirt im Deggendorfer Stadtteil Fischerdorf, der 2013 stark durch Hochwasser zu Schaden kam, appellierte: „Lasst doch alle 50 Jahre mal ein paar Felder fluten, bevor eine Stadt absäuft“ – die Regensburger rebellierten gegen diese Aussage.

Bauen im Hochwassergebiet

Für Markus Hörner, Sprecher der „Interessensgemeinschaft gegen Flutpolder Wörthhof und Eltheim“, sind viele Probleme in Niederbayern hausgemacht. Er warf den politischen Vertretern vor, die Hausaufgaben beim eigenen Hochwasserschutz nicht gemacht zu haben und zudem in Hochwassergebieten zu bauen. Wo ein sogenannter HK100-Schutz gegen Hochwasser gebaut wurde, dürfe man auch bauen, erwiderte Bernreiter und erklärte, Niederalteich sei zum Beispiel eine Keimzelle Bayerns seit vielen Jahrhunderten: „Sollen wir die Leute plötzlich alle umsiedeln?“ Er forderte Solidarität. Diese Solidarität habe man bei verschiedenen Maßnahmen durchaus gezeigt, erklärten viele Wortbeiträge in der Diskussion. „Die Situation bei uns ist Oberkante-Unterlippe“, machte Hörner deutlich. „Es ist unmöglich, dass bei uns noch einmal fünf, sechs Meter Wasser draufkommen. Man kann Wasser nicht stapeln.“ Und fügte hinzu: „Auf Staatskosten sollen hier Polder gebaut werden, damit die Deggendorfer weiter in ihre Hochwassergebiete hineinbauen können.“

Landrätin Schweiger forderte, weg von der reinen Polderdiskussion zurück zu einer breiteren Hochwasserdiskussion zu kehren und dabei auch andere Maßnahmen wie Deichrückverlegungen und Staustufenmanagement im Hochwassergebiet zu berücksichtigen. Bernreiter wies dies nicht von sich: „Wir warten auf das Gutachten, das gerade erstellt wird. Wir sind nicht auf eine Lösung festgelegt.“

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