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Auftakt

Der Fasching ist ohne sie unmöglich

Ein Leben für die fünfte Jahreszeit. Wir stellen Menschen vor, die für den Frohsinn im Landkreis sorgen – oft ganzjährig!
von Anna Gebhard und Nora Jahn

Zum 11.11. schlüpfen die Narren im Landkreis wieder in ihre Kostüme. Dann beginnt die „fünfte Jahreszeit“. Foto: Michael Jaumann
Zum 11.11. schlüpfen die Narren im Landkreis wieder in ihre Kostüme. Dann beginnt die „fünfte Jahreszeit“. Foto: Michael Jaumann

Beratzhausen.Als der Beratzhausener Christian Eglmeier 1993 auf einer Party gefragt worden ist, ob er Hofnarr bei der Prinzengarde werden möchte, sagte er rasch zu. Eglmeier war schon immer ein Faschingsfan. Doch damals ahnte er noch nicht, welche Karriere er einmal bei der Prinzengarde hinlegen würde. Heute ist er Präsident der Faschingsgesellschaft in Beratzhausen und mit Herzblut dabei. „Es ist wie eine Familie bei uns“, meint Eglmeier.

Zu der „Familie“ zählen circa 80 aktive Mitglieder sowie Eltern, Freunde, Helfer und Ehemalige, die eine starke Truppe ergeben. Besonders die Heiterkeit beim Tanzen und die Gemeinschaft im Verein begeistern Eglmeier. Ein Highlight für ihn ist die jährliche Prunksitzung am Rosenmontag. Dafür hat er sogar schon einmal die Buchnesia Garde aus Nürnberg engagiert, die Deutsche Meister im karnevalistischen Tanzsport ist. Dass er das geschafft hat, macht ihn stolz.

Christian Eglmeier war schon immer Faschingsfan. Foto: Anna Groß
Christian Eglmeier war schon immer Faschingsfan. Foto: Anna Groß

Eglmeier ist als Präsident für alles Organisatorische zuständig. Dazu gehört die Planung des Inthronisationsballs Ende November, bei dem das alte Prinzenpaar verabschiedet und das neue ernannt wird. Dieser Moment ist für den Beratzhausener immer der erste Höhepunkt der Saison. Diesmal wird der Abend spezieller sein: Denn Eglmeier hört nach Ende der Saison als Präsident auf. In den vergangenen zehn Jahren war es immer sein Ziel, Beratzhausen wieder zu einer Faschingshochburg zu machen. Dafür hat er viel gekämpft.

Mit sieben Jahren zur Garde

Eva Dost aus Diesenbach ist ein Profi-Garde-Mitglied. Mit sieben Jahren wurde sie von Lari-Fari Diesenbach in der Grundschule rekrutiert. Sie tanzte sich dann von den Bambinis über die Jugend- bis in die Prinzengarde. Erst nach ihrem Kreuzbandriss im Jahr 2017 musste die 29-Jährige „die Gardestiefel nach 22 Jahren an den Nagel hängen“.

„Nach dem Fasching ist vor dem Fasching.“

Eva Dost

Die gelernte Erzieherin ist aber schon seit 2006 Trainerin der ganz Kleinen. Die Bambinigarde ist für Kinder zwischen drei und neun Jahren der Start in die Gardelaufbahn. Dabei zeigt sich: Je früher die Kinder anfangen, umso besser. Bei den Bambinis beginnt die Vorbereitung für den Fasching schon früh im Jahr. „Nach dem Fasching ist vor dem Fasching“, sagt Dost.

Eva Dost trainiert die ganz Kleinen. Foto: Thomas Kneitschel
Eva Dost trainiert die ganz Kleinen. Foto: Thomas Kneitschel

Vier bis sechs Wochen nach Ende der einen Faschingssaison planen die Trainer die nächste: das Motto, die Choreographien und die Kostüme. Dann beginnt das Training. Die Bambinis treffen sich einmal in der Woche. Dabei studiert Dost mit ihnen die Schritte spielerisch und ohne Druck ein. Das sei sehr wichtig, damit die Kinder Spaß am Tanz entwickeln. Ein reiner Mädchensport sei der aber nicht ganz: Auch heuer trainiert wieder ein Junge bei den Bambinis mit.

In unserer Tabelle finden Sie eine Übersicht aller Faschingstermine im Raum Regensburg. Ihre Veranstaltung ist nicht dabei? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an regensburg@mittelbayerische.de und wir nehmen diese gerne mit auf:

Eva Dost kümmert sich bei Lari-Fari auch um die Öffentlichkeitsarbeit. Damit gehört sie zu den Hofmarschallen, dem innersten Kreis. Rechnet sie die Zeit hoch, die sie von ihrer Freizeit für den Verein aufwendet, kommt Dost auf mehr als acht Stunden pro Woche. „Für mich ist das wie ein zweiter Job.“

Der „beste Faschingszug“

In Hemau organisiert die Stadtverwaltung den Faschingszug. Die Prinzengarde der Stadt ist aber sein Aushängeschild. Präsident Wolfgang Langbein freut sich schon auf den nächsten am 3. März 2019. Beim Zug in Hemau ist immer viel los. „Jedes Jahr wird heftig diskutiert, wer den schönsten Wagen hat“, erzählt er. Die Prinzengarde begleitet während des Zugs die Kutsche des Prinzenpaares. Neben der Garde nehmen jedes Jahr circa 70 weitere Gruppen mit geschmückten Wagen teil. „Letztes Jahr war sogar eine aus Hamburg dabei“, berichtet Langbein. Dass der Hemauer Faschingszug in deutschlandweit bekannt ist, macht ihn stolz. „Das Besondere an unserem Faschingszug ist, dass er für jedermann offen ist“, sagt Langbein. 2018 haben die MZ-Leser den Hemauer Zug sogar zum Besten in Stadt und Landkreis Regensburg gekürt.

Wolfgang Langbein ist Präsident in Hemau. Foto: Maria Zirzlmeier
Wolfgang Langbein ist Präsident in Hemau. Foto: Maria Zirzlmeier

Am Tangrintel ist am Tag des Faschingszuges immer Ausnahmezustand. Manche Hemauer Ortsteile wirken dann wie leer gefegt, da alle Bewohner selbst mitlaufen oder zuschauen. Das bunte Treiben startet am Volksfestplatz. Danach ziehen die Wagen in die Regensburger Straße. Beschwerden von Anwohnern wegen Lärmbelästigung gibt es laut Langbein aber eigentlich nie, da der Faschingszug in der Region sehr positiv aufgenommen werde. Wenn sich der Zug dann nach drei Stunden Marsch auflöst, geht das Feiern auf dem Stadtplatz weiter. Ein DJ legt auf und die Stimmung ist ausgelassen. Langbein wird dann wieder ganz vorne mit dabei sein.

Fasching ist hier Alltag

Katharina Brückl ist in einer Faschingsdynastie aufgewachsen. Ihr Vater Karl ist der Gründungspräsident des Saturnalia-Faschingsvereins in Neutraubling. Ihr Bruder Karl-Michael Brückl ist Zeremonienmeister und ihre Mama, die ebenfalls Katharina heißt, Hofdame. In der Familie Brückl ist Fasching das ganze Jahr über ein Dauerthema: Was ist das Thema für die nächste Saison und wie könnte man es umsetzen? Was könnte man einmal im Programm ausprobieren? Und was könnte man noch besser machen als im vergangenen Jahr? Fasching bedeutet hier einfach Normalität. Alltag.

Tochter Katharina begann ihr erstes Jahr in der Garde, in der Saison 1996/1997, gleich als Kinderprinzessin. Ihr Kinderprinz war ihr Bruder. Damals war Katharina fünf Jahre alt. Da konnte es schon mal passieren, dass sie das „R“ aus ihrem Vornamen spiegelverkehrt auf ihre Autogrammkarte schrieb.

Katharina Brückl wuchs mit dem Fasching auf. Foto: Graggo
Katharina Brückl wuchs mit dem Fasching auf. Foto: Graggo

Doch nach ihrer Saison als Kinderprinzessin machte Brückl erst einmal circa zehn Jahre Pause. Da spielte sie lieber Handball, bis sie wieder in den Gardesport einstieg. In der Saison 2008/2009 war sie erneut Prinzessin, ihr Bruder war wieder der Prinz. Jedoch war das damals eine noch größere Nummer für sie: Der ehemalige Ministerpräsident Horst Seehofer empfing sie und ihren Bruder. Grund der Einladung war das 22-jährige Vereinsjubiläum der Saturnalia – ein spezielles Jahr, deshalb, weil Faschingsgesellschaften Schnapszahlen-Geburtstage besonders feiern. Das war definitiv eines ihrer Highlights, sagt Katharina Brückl.

„Unser Training und die Proben werden leider sehr oft unterschätzt.“

Katharina Brückl

Heute ist sie als Tänzerin in der Prinzengarde, als Trainerin der „Jungen Wilden“ und auch als Schriftführerin des Präsidiums tätig. Besonders das Training in der Prinzengarde nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. „Unser Training und die Proben werden leider sehr oft unterschätzt“, meint Brückl. „Ohne die vielen Stunden Training pro Woche würden Kondition und Beweglichkeit sehr schnell verlorengehen.“

Denn in der Dimension, in der die Neutraublinger trainieren, fällt der Tanz längst unter die Kategorie Leistungssport. Das bedeutet für die Prinzengarde sechs Stunden Training pro Woche. Hinzu kommt alle vier bis sechs Wochen der sogenannte „Trainingssonntag“. Dann werden von morgens bis abends Hebefiguren, Schritte und Abläufe bis zur Perfektion trainiert. Dabei haben die Tänzer an sich selbst den größten Anspruch. Jede Saison arbeiten sie daran, sich zu steigern.

Zusätzlich trifft sich das Präsidium regelmäßig mit allen Trainern und Organisatoren. Wenn dann endlich die Saison startet, sind die Saturnalia-Mitglieder quasi im Dauereinsatz: Sie fahren von Ball zu Ball, von Umzug zu Umzug und besuchen andere Garden in der Region auf deren Veranstaltungen. Wenn die Saison zur Neige geht, sind irgendwann alle traurig. Denn wie Brückl sagt, gibt es bei der Saturnalia ein großes „Gemeinschaftsgefühl“. Doch kaum haben sie sich von den anstrengenden Faschingstagen erholt, treffen sie sich schon wieder: zum gemeinsamen Training, zu Organisationssitzungen oder zu Ausflügen. Und die Familie Brückl ist immer dabei.

Wagner macht die Musik

Christian Wagner war schon immer ein großer Faschingsfan. Als Showtänzer ist er einst zu Sari Wari, der Faschingsabteilung des SV Sarching, gekommen. Nach einiger Zeit fühlte sich der 34-Jährige für die Auftritte aber „einfach zu alt“. So begann er im Hintergrund mitzuhelfen. Am Anfang fotografierte er für den Verein noch die Auftritte, schuf bleibende Erinnerungen an schöne Faschingsabende. Das Hobby hat er vor vier Jahren dann zum Beruf gemacht: Inzwischen ist er selbstständiger Hochzeitsfotograf.

Im Verein ist er nun vor allem für die Musik der Auftritte zuständig. Zuerst überlegen sich die Trainer gemeinsam mit den Tänzern ein Motto und suchen passende Lieder heraus. Dann ist es Wagners Aufgabe, die Songs zusammenzuschneiden. Das dauert insgesamt rund zwei Tage lang – und ist manchmal gar nicht so einfach. Denn bei den circa sechs bis acht Liedern müssen sowohl Takt, Tonlagen und auch Lautstärke aufeinander abgestimmt sein, damit die Übergänge harmonieren.

Christian Wagner mixt die Musik für die Show. Foto: Christian Wagner
Christian Wagner mixt die Musik für die Show. Foto: Christian Wagner

„Zum Glück habe ich einmal Keyboard gespielt und deshalb ein gutes Taktgefühl, sonst wäre das für mich wahrscheinlich wesentlich schwieriger“, sagt Wagner. Es entsteht ein Musikmix, der dann für die circa 12- bis 15-minütige Show der Gardetänzer von Sari-Wari benutzt werden kann.

Hat Christian Wagner seinen Mix fertiggestellt, hat er erst einmal Pause. Das Gesamtergebnis, die Choreographie zu seiner geschnittenen Musik, sieht er erst beim Inthronisationsball.

Noch einmal Prinzenpaar werden

Anna Beck und Josef Amring waren beide zehn Jahre alt, als sie zum FG Frohsinn Narradonia in Wörth an der Donau gekommen sind. Beide stammen aus Triftlfing bei Aufhausen. Heute sind sie zwölf Jahre alt. Anna besucht die siebte Klasse der Mittelschule Alteglofsheim. Josef geht in Regensburg in die sechste Klasse der Piendl-Realschule. Als die beiden vor zwei Jahren von Freunden der Eltern gefragt worden sind, ob sie das Kinderprinzenpaar der Saison 2016/2017 werden wollten, war schnell klar: Sie trauen sich die Aufgabe zu.

Kurz darauf begannen die beiden mit dem Training. Auf jedem Ball sollten sie gemeinsam einen Walzer präsentieren und als Zugabe einen Discofox zeigen. Einfach war das nicht. Schritte und Hebefiguren mussten solange geübt werden, bis alles perfekt saß. Nach vielen Trainingseinheiten durfte sich Anna dann ein schönes Ballkleid aussuchen. Ihre Tante passte es noch an. Für Prinz Josef I. gab es den dazu passenden Anzug.

Als Kinderprinz und Kinderprinzessin traten die beiden Triftlfinger Schüler auf verschiedenen Bällen auf und verliehen Orden. Teilweise waren sie jedes Wochenende unterwegs. Zum Abschluss der Saison waren sie auch noch ins Landratsamt eingeladen, um auch dort noch vorzutanzen. All diese Aufgaben und Events machten Anna und Josef so viel Spaß, dass die beiden in der darauffolgenden Saison 2017/2018 unbedingt noch ein weiteres Jahr ihre Posten füllen wollten.

Anna und Josef wollen noch einmal Prinzenpaar werden – aber bei den Großen. Foto: Jasmin Fuchs
Anna und Josef wollen noch einmal Prinzenpaar werden – aber bei den Großen. Foto: Jasmin Fuchs

Doch dann mussten Anna I. und Josef I. das Zepter wieder abgeben. „Das ist schon schade, weil es war ja eine sehr schöne Zeit“, meint Anna. Dafür hat sie jetzt wieder etwas mehr Zeit für ihre vielen anderen Hobbys: Sie liebt es zu malen oder sich mit Freunden zu treffen.

Doch auch nach ihrem Amt als Kinderprinzessin bleibt Anna ihrem Verein treu: Inzwischen ist sie festes Mitglied der Jugendgarde in Wörth. Josef möchte seine freie Zeit für die Schule, seinen Fußball- und und den Angelverein nutzen. Denn für ihn gibt es im Moment keine Möglichkeit, in der Garde aktiv zu sein – für die Kindergarde ist er zu alt, für das Männerballett noch zu jung. Doch eines Tages möchte er gemeinsam mit Anna noch einmal Prinzenpaar werden. Dann wollen die beiden aber nicht mehr Kinderprinzenpaar sein, sondern die „Richtigen“, die „Großen“.

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