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Fotografie

Der Kamera-Pionier des Landkreises

Max Schultze entdeckte vor über 100 Jahren die Landschaft um Regensburg. Seine Bilder schlummerten in Kisten und Kellern.
Von Michael Jaumann, MZ

Der Spitalanger des Marktes Laaber am Martinsberg war eine Gänseweide an der Schwarzen Laber. Foto: Max Schultze/Verlag Laßleben
Der Spitalanger des Marktes Laaber am Martinsberg war eine Gänseweide an der Schwarzen Laber. Foto: Max Schultze/Verlag Laßleben

Regensburg.Ein wahrer Schatz ist derzeit im Foyer und im Treppenhaus des Landratsamts zu sehen: Landschaftsaufnahmen des Architekten und Künstlers Max Schultze aus der Zeit um 1900, die bisher noch nie öffentlich zu sehen waren.

Den Namen Max-Schultze kennt in und um Regensburg fast jedes Kind. Ganze Generationen von Schülern sind bei Ausflügen auf dem Felsenpfad über dem Donautal südwestlich von Regensburg – dem Max-Schultze-Steig – schon gewandert. Das Grundstück hat Max Schultze 1906 erworben, um zu verhindern, dass die markanten Felstürme als Steinbruch dienten. Später schenkte er das zwölf Hektar große Areal der Stadt Regensburg, mit der Auflage, es dauerhaft zu erhalten. 1921 wurde es Naturschutzgebiet – das erste seiner Art in Bayern.

Seine Bauten kennt jeder

Diese Spende zeigt, wie sehr dem gebürtigen Oberbayern während seiner Berufsjahre in Regensburg die Landschaft in und um Regensburg und ihre Bewahrung am Herzen lag. Von 1872 bis 1913 stand Schultze als Hofarchitekt in Diensten des Fürstenhauses Thurn und Taxis. Er war unter anderem für den Bau des Südflügels des Regensburger Fürstenschlosses, das Jagdschloss Thiergarten, den Bau von Helenentor und Helenenbrücke und die Umgestaltung von Schloss Prüfening zuständig. Für Bayerns Märchenkönig Ludwig II. plante er zwei Jahre lang am nicht verwirklichten Schloss Falkenstein bei Pfronten.

Max Schultze unterwegs: Landschaftsmalerei per Kamera

Als „Apostel für die Schönheit der Umgebung“ bezeichnete sich der Fürstliche Hofarchitekt. Mit den bewusst malerisch angelegten Szenerien der Bilder von seinen Streifzügen wollte er den Mitmenschen die Augen für den Reiz des Regensburger Lands öffnen Wischen Sie sich einfach mit der Maus – oder mit dem Finger, wenn Sie ein Mobilgerät nutzen – durch die Bilder und Erklärungen – oder nutzen Sie die Knöpfe unterhalb (Fotos: Max Schultze/Verlag Laßleben, Paffrath, Küter) :

Max Schultze formte nicht nur als Modearchitekt Bauten für Adel und Bürgertum. Ihn begeisterte auch die geformte Landschaft. Sommers wie winters war er in den Alpen unterwegs und hielt alpine Landschaften in Zeichnungen und Gemälden fest. Schultze gehörte 1870 zu den Mitbegründern der Sektion Regensburg des Alpenvereins und war später dort Vorsitzender. Er finanzierte und plante die alte Regensburger Hütte im Grödnertal, die heute der Provinz Bozen gehört.

Max Schultze Foto: Sammlung Spangenberg
Max Schultze Foto: Sammlung Spangenberg

Auch in der Landschaft um Regensburg war Schultze unterwegs. Während seiner Wanderungen in der Oberpfalz bediente sich der Naturliebhaber auch der Kamera, um die Schönheit der Umgebung festzuhalten. Dabei entstanden Hunderte fotografischer Zeugnisse der Region in der Zeit um das Jahr 1900. Seine Fotografien von Flusstälern und Felsformationen, Märkten und Dörfern dienten Max Schultze nicht nur als Vorlage zu Zeichnungen und Gemälden, die teils für Buchillustrationen verwendet wurden. Er verfolgte mit seinen Aufnahmen auch pädagogische Zwecke, betont der Kulturreferent des Landkreises, Dr. Thomas Feuerer, der die Ausstellung im Landratsamt verantwortet.

Ein Gemeinschaftswerk

  • Die Ausstellung

    der Bilder von Max Schultze soll auch den Wandel der Kulturlandschaft rund um Regensburg im Lauf der letzten hundert Jahre zeigen. Dazu arbeiteten das Kulturreferat des Landkreises, der Landschaftspflegeverband Regensburg und die Lehrstühle für Ökologie und Naturschutzbiologie sowie Vergleichende Kulturwissenschaft zusammen.

  • Studenten

    der beiden Lehrstühle haben in einem interdisziplinären Projekt unter Anleitung der Professoren Dr. Peter Poschlod und Dr. Daniel Drascek zwölf Bildpaare ausgewählt. Anhand der Motive von Max Schultze aus der Zeit um 1900 und der aktuellen Fotos von Johannes Paffrath beschrieben sie die Veränderungen in der Landschaft aus ihrer Perspektive. (jn)

In Vorträgen gegen Ende seiner Regensburger Zeit schwärmte Schultze, der sich selbst als „Apostel für die Schönheit der Umgebung“ bezeichnete, von der Landschaft um Regensburg. Den Ausflüglern, die schon damals am Wochenende gerne die Gasthäuser der näheren Umgebung aufsuchten, predigte er: „Zweck eines Ausflugs darf nie das Wirtshaus an sich bilden.“ Die Oberpfalz, zumal die Gegend um Regensburg, biete zahlreiche Gelegenheiten, die Natur in ihrer Größe zu erleben, war Schultze überzeugt. Jeder könne diese Schönheit erkennen, wenn er nur entsprechend angeleitet würde. In seinen Vorträgen gab Schultze Anleitungen zum Sehen der Natur und gab Handreichungen, die auch heute noch gültig sind: Ausschnitte und Beschränkung auf markante und malerische Details erzeugen Stimmungen.

Vermächtnis in Kallmünz

Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer präsentiert historische Fotos von Max Schultze, ergänzt durch aktuelle Motive von Johannes Paffrath. Foto: Jaumann
Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer präsentiert historische Fotos von Max Schultze, ergänzt durch aktuelle Motive von Johannes Paffrath. Foto: Jaumann

Im Ruhestand kehrte Max Schultze in seinen Heimatort Partenkirchen zurück. Einige Jahre später vermachte er seinem Freund, dem Kallmünzer Verleger Johann Baptist Laßleben, eine umfangreiche Sammlung von Fotografien. Er hielt sie für geeignet, Laßlebens Zeitschrift „Die Oberpfalz“, die heute noch erscheint, zu illustrieren. Originalverpackt überdauerte die Schenkung im Verlagsarchiv das Jahrhundert.

Rund 80 Originalfotografien, Abzüge von Fotoplatten Schultzes, teils vom Fotografen beschriftet, lagerten zudem im Keller des Landratsamts. Sie waren in Vorgängerverwaltungen, den Bezirksämtern Regensburg und Stadtamhof, zum Zweck des Naturschutzes gesammelt worden, Beim Umzug anlässlich des Neubaus des Landratsamts entdeckte Josef Sedlmeier, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands den Schatz und zeigte ihn Kulturreferent Feuerer.

So kam ein mehrjähriger Prozess ins Laufen, an dessen Ende nun 30 großformatige Abzüge von Fotografien Max Schultzes in den Gängen im Foyer des neuen Landratsamts verteilt sind. Den sehr malerisch anmutenden Szenerien aus Regensburg und Umgebung stellte Fotograf Johannes Paffrath Aufnahmen beiseite, die die Motive in der Gegenwart zeigen. Paffraths Farbfotos sind eher dokumentarischer Natur und lassen durch ihren Verzicht auf ausgeprägte Stimmungen den Fotos von Max Schultze viel Raum.

Die Ausstellung ist bis 15. Oktober zu sehen.

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