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Hochwasser

Der Polder-Dialog löst neue Zweifel aus

Landkreis und Gegner des Mammutprojekts befürchten, dass Argumente nicht fruchten. Experte vermutet weiteres Leck im Damm.
Von Christof Seidl, MZ

Professor Andreas Malcharek „malt“ aus Hochwasserdaten Bilder, die zeigen, wie sich der Grundwasserspiegel durch den Donauausbau verändert hat.
Professor Andreas Malcharek „malt“ aus Hochwasserdaten Bilder, die zeigen, wie sich der Grundwasserspiegel durch den Donauausbau verändert hat. Foto: Seidl

Regensburg.Seit rund einem Jahr läuft der Dialogprozess zu den geplanten Flutpoldern Eltheim und Wörth an der Donau. Ein Großteil der überregionalen und regionalen Workshops hat bereits stattgefunden. Das Landratsamt lud deshalb Vertreter der Interessengemeinschaft gegen Flutpolder im Landkreis Regensburg (IG), der betroffenen Gemeinden und der Kreispolitik zu einem Runden Tisch ins Landratsamt ein. Das Ziel: eine Bilanz über den Dialog aus Sicht des Landkreises.

Harald Hillebrand, der im Landratsamt für Polder-Fragen zuständig ist, fasste die wichtigsten Fakten aus den verschiedenen Veranstaltungen zusammen – Expertenaussagen, die aus Sicht des Landkreises den Nutzen von Flutpoldern im Raum Regensburg infrage stellen. Als wesentliche Punkte nannte Hillebrand unter anderem die große Entfernung dieser Polder zu den nächsten Hochwasserbrennpunkten, die Unsicherheiten bei der Vorhersage von Hochwasserspitzen sowie Aussagen von Wissenschaftlern, dass dezentrale Rückhaltemaßnahmen an den Zuflüssen der Donau in der Summe durchaus eine Absenkung der Hochwasserscheitel bewirken können.

„Viel Wissen präsentiert“

IG-Sprecher Markus Hörner vermisste eine solche Zusammenfassung und Auswertung der verschiedenen Argumente vonseiten des Moderationsteams, das den Dialogprozess begleitet. „Es wurde viel Wissen präsentiert, aber der Dialog macht keinen Sinn, wenn dieses Wissen nicht aufbereitet und eingeordnet wird.“ Erst im März sei ein weiteres Treffen geplant, ob dann solche Ergebnisse vorliegen werden, sei nicht klar.

„Sehr erbost und stinksauer “ ist die IG laut Hörner, weil das Wasserwirtschaftsamt Regensburg (WWA) bereits die Objektplanung für die Polder auf den Weg gebracht hat. Das Argument des WWA, dass diese Planung nötig sei, um das Grundwassermodell berechnen zu können, ist nach Hörners Ansicht vorgeschoben.

„Damit ist jede konstruktive Zusammenarbeit infrage gestellt“

IG-Sprecher Markus Hörner

Auch andere Teilnehmer an dem Runden Tisch bestätigten, dass zuvor stets zugesagt worden sei, dass erst die Grundwassersituation geklärt werde, bevor irgendwelche anderen Planungen gestartet werden. Hörner: „Damit ist jede konstruktive Zusammenarbeit infrage gestellt.“

Harsche Kritik übten Hillebrand und der vom Landkreis beauftragte Grundwasserexperte Prof. Andreas Malcharek am Wasserschifffahrtsamt Regensburg (WSA). Die Bundesbehörde ist für den Donauausbau und dessen Folgen zuständig. Malcharek verwies auf seine Auswertung der Grundwasserdaten, die klar zeige, dass es in der Nähe der Staustufe Geisling auf Geislinger Seite ein Leck in der Dammabdichtung gebe. Dies sei der Öffentlichkeit seit dem Aufstau der Donau 1986 aber nie mitgeteilt worden. Malcharek: „Da steckt Sprengstoff drin.“

Kampf gegen Flut-Polder im Kreis Regensburg

Mittlerweile streite das WSA dieses Leck nicht mehr ab. Gleichzeitig werde aber behauptet, dass es wegen der nachträglich geschaffenen Zusatzmaßnahmen (Binnenentwässerung, Pumpwerk bei Auburg) keine negativen Auswirkungen habe. Laut Genehmigung müsse der Grundwasserspiegel „etwa“ gleich bleiben und das sei der Fall. Malcharek sagte, „etwa“ sei ein sehr dehnbarer Begriff. Seine Daten würden zeigen, dass der Grundwasserspiegel im Bereich des Pumpwerks tatsächlich niedrig sei, nicht aber im Bereich des Lecks. Die Kommunikation mit WSA-Leiter Rolf Diesler bezeichnete Malcharek als „desaströs“.

Weiteres Leck bei Frengkofen?

Der Grundwasserexperte hat mittlerweile auch die Daten auf der anderen Donauseite genauer unter die Lupe genommen und vermutet, dass es dort in Höhe von Frengkofen ein weiteres Leck gibt. Er könne dies aber noch nicht ganz sicher sagen.

Argumente und Forderungen

  • Hochwasser:

    Die Kappung von Hochwasserspitzen ist ein Glücksspiel. Deshalb ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Flutpoldern zweifelhaft.

  • Schutzmaßnahmen:

    Die IG fordert einen durchgehenden Schutz auf Basis eines hundertjährlichen Hochwassers anstelle von Flutpoldern. Gefährdete Bereiche sollen nicht mehr bebaut werden (Stichwort Flutpolderdemenz).

  • Effekt:

    Die große Entfernung der geplanten Flutpolder Wörthhof und Eltheim zu den nächsten Hochwasserbrennpunkten verringert den Nutzen.

  • Alternativen:

    Dezentrale Hochwasserschutzmaßnahmen bewirken in der Summe mehr als Flutpolder. Eine Staustufenregelung bietet ebenfalls Möglichkeiten zur Kappung von Hochwasserspitzen.

Landrätin Tanja Schweiger bedankte sich bei den Mitgliedern der IG, die sehr viel Zeit in das Dialogverfahren investiert hätten. Die CSU-Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer erklärte, sie habe nach dem Bekanntwerden der Objektplanungen den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer kontaktiert. Er habe ihr gegenüber seine Zusage erneuert, dass die beiden Polder nicht realisiert werden, sollte das Grundwassermodell belegen, dass Beeinträchtigungen für die Bürger entstehen. Eine gleichlautende Antwort hat Schweiger auch auf ihre Anfrage erhalten.

Als nächste Schritte nannte Hillebrand eine Veranstaltung, bei der es um die Wörther Trinkwasserbrunnen gehen soll, und eine Veranstaltung mit der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf, die derzeit im April geplant ist. Das Grundwassermodell soll bis zum Jahresende vorliegen.

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