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Der rote Bau auf der grünen Wiese feiert

Vor knapp zehn Jahren wurde die Realschule Obertraubling eröffnet. Der Bau der „gehobenen Einfachheit“ zählt 542 Schüler.
Von Michael Jaumann

Schon 2012 verließen die ersten Absolventen die Realschule Obertraubling. Am Anfang gehörte sie nämlich noch zur Realschule Neutraubling. Fotos: Jaumann
Schon 2012 verließen die ersten Absolventen die Realschule Obertraubling. Am Anfang gehörte sie nämlich noch zur Realschule Neutraubling. Fotos: Jaumann

Obertraubling.Knapp zehn Jahre ist es her, dass eine als resolute Raumkosmetikerin gewandete Schülerin in der Aula der gerade fertig erbauten Realschule Obertraubling den Besen schwang. Die damaligen Honoratioren der Einweihung wie Oberbürgermeister Hans Schaidinger, Staatssekretär Bernd Sibler und Landrat Herbert Mirbeth mussten für sie verblüfft die Beine in die Höhe schwingen. Frisch und ein wenig frech kam die Schule im Oktober 2008 als neuester Schulbau des Landkreises den Gästen der Einweihung damals daher.

Unkonventionell war die Schule schon, bevor sie gegründet wurde. Sie war zunächst ein lebhaftes Provisorium, das als damaliger Ableger der Realschule Neutraubling 2006 in den Räumen der Grundschule Obertraubling Unterschlupf fand.

Von der Stadt aufs Land

Ein hochmotiviertes kleines Lehrerteam, kaum älter als die damals 77 Schüler, nahm mit einem selbst erarbeiteten pädagogischen Konzept den Unterricht auf. Auf Theater, Chor und Werken legten die Pädagogen besonders Wert.

Zehn Jahre Realschule Obertraubling

Ungewöhnlich war auch, dass Schüler aus Burgweinting etwa plötzlich von der Stadt aufs Land fahren mussten, wenn sie eine Realschule besuchen wollten. Das hat für manche Irritation bei Städtern gesorgt, was inzwischen schon genauso in Vergessenheit geraten ist, wie die keineswegs große Begeisterung beim Landkreis, mit dem Neubau auf der grünen Wiese in Obertraubling eine neue Schule zu errichten. Als Bauwerk der „gehobenen Einfachheit“, wie Mirbeth damals als Zielsetzung ausgab, wurde im Sommer 2008 schließlich die Schule bezogen. Aus Sparsamkeitsgründen hatte man sie mit finanzieller Beteiligung der Stadt Regensburg direkt neben Sportgelände und Sporthalle der Gemeinde Obertraubling platziert.

Die leuchtend rote Holzfassade im Gewerbegebiet wirkte damals ebenfalls unkonventionell. Zehn Jahre später blättert die Farbe. Und während Schüler einerseits bundesweite Aufmerksamkeit bekommen, weil sie in einem selbst initiierten Projekt Tausende von Euro für einen Elektrorollstuhl sammeln, mault ein anderer im Internet, dass das Gebäude heruntergekommen wirke. Er kritisiert angebliche schmutzige Gänge und veraltete technische Ausstattung. Und Lehrer würden angeblich versuchen, den Schülern „ihre eigene politische Meinung in die Köpfe einzubrennen“. Mit solcher Kritik aus dem Internet muss man leben, erklären Schulleiterin Monika Müller-Sperl und ihr Stellvertreter Bernd Namislo im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Sie sehen die Werteerziehung an der Schule anders.

Kontakt zu Flüchtlingen

Die Erziehung an der Realschule ziele darauf ab, die jungen Leute zu toleranten, selbstbewussten, sozialen und leistungsbezogenen Menschen heranwachsen zu lassen, Und dazu gehört für die Schulleiter, dass man sich als Schule gegen Rassismus positioniert oder dass sie mit Jack Terry einen lebensbejahenden Menschen einlädt, der als Junge das Konzentrationslager Flossenbürg überlebt hat. Die Schule pflegt auch den Austausch mit Schülern in Tschechien und Spanien und sie nimmt auch an einem Erasmus-Projekt zum Thema „Flüchtlinge“ teil.

Den Kontakt zu Flüchtlingen pflegte die Schule auch, als die Mehrzweckhalle Obertraubling vorübergehend Erstaufnahmeeinrichtung war. Es sei an der Schule noch nie jemand geärgert worden, weil er aus einer anderen Kultur stamme, freut sich die Schulleiterin. Die Schüler sind dennoch keine Engel. Mobbing gebe es wie überall, sagt Müller-Sperl. Deswegen sei die Schulsozialarbeiterin auch so wichtig.

Die besonderen Stärken der Schule sehen Müller-Sperl und Namislo in der Vernetzung mit der regionalen Wirtschaft bei der beruflichen Orientierung, der Suchtprävention und im musischen Bereich durch die Vernetzung mit der Gemeinde Obertraubling.

Zusammen mit den aktuell 542 Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern will die Realschule am Donnerstag das zehnjährige Bestehen des neuen Schulgebäudes feiern. Von 17 bis 20 Uhr sind dabei viel Informationen geboten und viele Aktionen. Dazu zählt auch Unkonventionelles wie eine „kreative Haarwerkstatt.“

Ein Interview zur Zukunft der Realschule Obertraubling finden Sie hier

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