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Gemeinde

Der „Toni“ aus Indien in Pfatter

Pfarrer Anthony ist vier Wochen lang Urlaubsvertretung in Pfatter und Geisling. Der baierische Dialekt hat es ihm angetan.
von Hans Biederer

Pfarrer Anthony hilft derzeit in den Pfarreien Pfatter und Geisling aus. Fotos: Hans Biederer
Pfarrer Anthony hilft derzeit in den Pfarreien Pfatter und Geisling aus. Fotos: Hans Biederer

Pfatter.„Servus, komm‘ eini“, begrüßt mich der indische Pfarrer Anthony Joseph beim Treffen im Pfarrhaus mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Ihm gefällt der baierische Dialekt. Immer wieder baut er bereits Gelerntes in das Gespräch mit ein und freut sich immens über seinen durchaus schon reichen Wortschatz. Mit seinem offenen Wesen, seiner zugänglichen, charmanten Art gepaart mit Witz und Verve und stets bester Laune hat er die Gläubigen im Sturm erobert.

Pfarrer Anthony betreut die Pfarreien Pfatter und Geisling bis zum 3. Oktober. Vier Wochen vertritt er Pfarrer Dr. Jean-René Mavinga Mbumba. Sowohl beim Sonntagsgottesdienst in Pfatter, als auch beim Festgottesdienst in Geisling anlässlich des Patroziniums stellt sich der 40-Jährige mit den Worten vor: „Hier in Bayern heiße ich Toni.“ So möchte er am liebsten angesprochen werden.

Deftiges und Dialekt

Gerne nimmt er die Einladung von Pfarrgemeindesprecher Albin Zirngibl an und gesellt sich unter die Besucher des Pfarrfestes. Bratwürstl mit Sauerkraut sind seine Wahl beim Mittagessen. „Die sind sehr gut“, sagt er und fragt, ob es die auch außerhalb Bayerns gibt. Man kommt sofort ins Gespräch und es fällt nicht schwer, sich mit ihm zu unterhalten. Er fragt jeden nach seinem Namen. Als er zur Antwort „ I bin da Georg – Schorsch“ erhält, blitzen seine Augen verstehend und er sagt: „Bei uns bist du der George.“ Er bringt die Runde immer wieder zum Lachen. Kaum zu glauben, dass er die Sprache bereits so gut beherrscht, denn für seine Urlaubsvertretungen hat er lediglich vor zwei Jahren in Bonn einen zweimonatigen Intensivkurs Deutsch besucht.

Die Kirchen in der Pfarrei Pfatter

  • Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt:

    Saalbau mit eingezogenem Chor; abgewalmtes Satteldach; Westturm mit Zwiebelhaube.

  • Expositur Kirche St. Georg in Gmünd:

    Saalbau mit eingezogenem Chor; Westturm mit Achtort und Zwiebelhaube, 17. Jhd.

  • Pfarrkirche Maria Geburt:

    denkmalgeschützt; im Kern ein gotischer Saalbau; der Westturm ist 1724 erbaut worden.

Anthony Joseph hat allerdings den Anspruch sein Deutsch zu perfektionieren. Mit Hilfe von Youtube und verschiedenen Videos verbessert er fortlaufend seine Sprachkenntnisse. Besonders hat es ihm aber der baierische Dialekt angetan und er gibt auch die Erklärung dazu preis: „In meiner Muttersprache Tamil klingen manche Wörter ähnlich. Außerdem freut es mich, wenn ich die Leute auf bairisch ansprechen kann.“ „Basst scho“ kann er sagen und „kimm‘ her“. Immer wenn er ein neues bayrisches Wort aufschnappt, notierte er sich dieses auf seinem Handy.

Anthony Joseph stammt aus Tamil Nadu, das zur südindischen Diözese Chingleput gehört, die erst im Jahr 2002 neu gegründet wurde. Er hat einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester. „Ich war als Kind durch meine Eltern immer in der Pfarrgemeinde miteingebunden und war auch Minis-trant. Mit 14 Jahren durfte ich auch ein Sommercamp der Pfarrei besuchen. So war es das Natürlichste für mich, nach dem Besuch der kirchlichen Schule in das Priesterseminar einzutreten“, erzählt er.

150 Priester betreuen in seiner Heimat etwa 150 000 katholische Christen in 106 Pfarreien. „Zeitgleich mit mir wurden damals 90 junge Priester ausgebildet“, sagt er. Am 22. April 2007 wurde er in Indien zum Priester geweiht. Es folgten Einsätze als Kaplan im Dom in Chingleput sowie im Sekretariat des Bischofs. Nach dem Erwerb des Masters in Kirchenrecht wurde ihm das Amt des Kanzlers in der Diözese übertragen. „Vor drei Jahren hat mir dann mein Bischof gesagt: Toni, du kannst den Doktortitel in Kirchenrecht machen und er sandte mich deshalb nach Rom.“ Am 28. Mai dieses Jahres wurde ihm die Doktorwürde verliehen.

Natur an der Donau

Die Semesterferien nutzt Toni, um als Urlaubsvertretung seine Priesterkollegen in Deutschland zu unterstützen. Sowohl im letzten, als auch in diesem Jahr erhielt er von der Diözese Regensburg jeweils vierwöchige Zuweisungen in Amberg. „Ich freue mich hier auf meine Aufgabe. Ich bin so herzlich aufgenommen worden“, betont er. „Gestern durfte ich einem Jubilar in Griesau zu seinem 85. Geburtstag gratulieren. Ich habe schon so viele nette Leute kennengelernt.“ Auch die Umgebung hat er in den wenigen Tagen seit seiner Ankunft schon erkundet. Die Gegend gefällt ihm sehr, besonders die Natur zur Donau findet er wunderschön. Die Urlaubsvertretungen seien für ihn eine angenehme Abwechslung zum vielen Lernen in Rom. Nach seiner Rückkehr stehen bereits weitere Schulungen an. Später soll er in den Priesterseminaren als Referent tätig werden. Daneben lernt er Kirchenrecht. „Servus, mach’s guad“, verabschiedet er sich am Ende gekonnt.

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