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Leidenschaft

Der Vater des Turms tritt ab

Franz Kastenmeier holte den Chinesischen Turm wieder nach Donaustauf. Nun gibt er den Vorsitz des Fördervereins ab.
Von Petra Schmid

Der Chinesische Turm Foto: Michael Jaumann
Der Chinesische Turm Foto: Michael Jaumann

Donaustauf.Sein Name ist wohl für immer mit dem Chinesischen Turm verbunden. Franz Kastenmeier ist quasi der Vater des Turms im Fürstengarten. Vor 25 Jahren hat das begonnen, was für Kastenmeier zu einer Leidenschaft fürs Leben wurde. Damals, im Sommer des Jahres 1994, entdeckte der Donaustaufer mit ausgeprägtem Hang zur Heimatgeschichte in seiner historischen Bildersammlung auf einer farbigen Ansicht aus dem Jahr 1825 den Turm.

Kastenmeier, dem es zu verdanken ist, dass der Turm, der im Schloss Prüfening dem Verfall preisgegeben war, gerettet und wieder nach Donaustauf gebracht wurde, tritt nun aus der ersten Reihe zurück und legt die Führung des Fördervereins Chinesischer Turm nun in andere Hände. Die Ära „Kastenmeier“ geht zwar als Vorsitzender zu Ende, jedoch „seinem“ Turm ist er nach wie vor zugeneigt. Der Turm werde ihm immer am Herzen liegen, denn er sei neben seinen beiden Kindern sein drittes Kind, versicherte der scheidende Turm-Chef. Jetzt gelte es für ihn: „Time zu say good bye“, sagte er mit etwas Wehmut. Nach mehr als 20 Jahren als Vorsitzender des Fördervereins wolle er sich nun aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen zurückziehen, erklärte Kastenmeier.

Das neue Vorstandsteam des Fördervereins Chinesischer Turm mit Bürgermeister Jürgen Sommer  Foto: Petra Schmid
Das neue Vorstandsteam des Fördervereins Chinesischer Turm mit Bürgermeister Jürgen Sommer Foto: Petra Schmid

In den mehr als zwei Jahrzehnten seit Vereinsgründung im Jahr 1998 und mehr als 100 Veranstaltungen schließe sich nun der Kreis als Vorsitzender. Franz Kastenmeier ist seit jeher Fan von Schnittmengen – so ist es nicht verwunderlich, dass er zu diesem Ereignis eine historische Verbindung herstellen konnte. Denn heuer könnte auch der erste Chinesische Turm, dessen Fundamente vor einigen Jahren im Fürstengarten freigelegt wurden, 200. Geburtstag feiern. Im Juli 1819 seien nämlich 11000 Schindeln für das Dach des Turms angeliefert worden, erzählte er. Er könne den Verein schuldenfrei übergeben. Seit einigen Jahren seien sowohl die Sanierungskosten als auch die Anschaffungskosten für den Zaun getilgt, hob er hervor.

Die mehr als 100 Veranstaltungen in den vergangen zwei Jahrzehnten hätten allerdings auch Geld gekostet, denn er habe immer einen gewissen Anspruch zugrunde gelegt, betonte Kastenmeier. Ziel der neuen Vorstandsmannschaft des Fördervereins sei nun die Rücklagenbildung, denn in den kommenden Jahren stünden verschiedene Maßnahmen des Gebäudeunterhalts an. Er wünsche deshalb seinem Nachfolger Peter Einhell, der von den Versammlungsmitgliedern zum Vorsitzenden gewählt wurde, viel Begeisterung und Kraft.

Der nächste Termin am Turm

  • Ausstellung:

    Bis Sonntag, 11. August, ist die Ausstellung unter dem Motto „Wilde Räume“ im Chinesischen Turm im Fürstengarten zu sehen. Herbert Grabe und Kirsten Wesemann zeigen Fotografie, Skulpturen, Zeichnung und Objekte.

  • Literatur:

    Freitag, 19. Juli, um 19 Uhr heißt das Thema „Literatur und Musik zur Wildnis“. Die Schauspielerin Elke Wollmann liest aus Literaturen zu Wildnis, Musiker Heinz Grobmeier vertont sie. Der Abend beginnt am Turm und wird im Innenhof der Bücherei fortgesetzt. Eintritt: 10 Euro.

  • Ausklang:

    Am Sonntag, 11. August, um 19 Uhr ist die letzte Möglichkeit für Besucher die Ausstellung zu sehen, die Verantwortlichen lassen mit einer Finissage die Ausstellung „Wilde Räume“ im Chinesischen Turm ausklingen.

  • Öffnungszeiten:

    Die Ausstellung ist immer am Sonntag von elf bis 18 Uhr und (auch kurzfristig) nach Vereinbarung zu besichtigen. Auch eine Führung durch die Ausstellung ist möglich. Info und Anmeldung unter Telefon 0170 2931011 oder 017656746064.

Für die nächsten drei Jahre wurde als Einhells Stellvertreter Joachim Gutthann gewählt. Schrittführerin bleibt Ernestine Kastenmeier und Kassenverwalterin Roswitha Noerl. Beisitzer sind Dr. Christoph Schulze, Stefan Weger, Christian Schmid, Wolfgang Ertl und Jenö Mihalyi. Die Versammlungsmitglieder beschlossen, Franz Kastenmeier aufgrund seines Engagements für den Turm und als Vorsitzender des Fördervereins zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen. In seiner Laudatio hatte der neue Vereinschef die Verdienste und das große Engagement Kastenmeiers hervorgehoben und ihm anschließend ein Geschenk überreicht. Dabei handelte es sich um ein von König Ludwig I. verfasstes Buch zu den in der Walhalla ausgestellten Büsten. Das Buch stammt aus dem Jahr 1847 und er habe es Kastenmeier quasi um eine Nasenlänge weggeschnappt, da auch dieser bei dem Antiquariat Interesse bekundet habe, verriet Einhell schelmisch.

Zuvor hatte sich der neue Vorsitzende für die Wahl bedankt und betonte, dass die Erhaltung des Turms und eine lebendige Einbindung in das Leben in Donaustauf seine primären Ziele seien.

Bürgermeister Jürgen Sommer würdigte ebenfalls die Leistung Kastenmeiers in Bezug auf den Chinesischen Turm und überreichte Gläser mit Donaustaufer Motiv. Der Rathauschef räumte ein, dass man im Laufe der Jahre durchaus seine Meinung ändern könne, denn damals, als Kastenmeier darum kämpfte, den Turm zurück nach Donaustauf zu holen, sei er im gegnerischen Lager gewesen. Der Turm habe sich aber zu einem Aushängeschild und Kleinod der Marktgemeinde entwickelt, sagte Sommer.

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