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Initiative

Der Verschenk-Schrank kommt an

Die Pfadfinder haben das Projekt in Wenzenbach in die Hand genommen. Erste Reaktionen auf den Schrank sind sehr positiv.
Von Ralf Strasser

Pfarrer Johann Babel, Bastian Beck und Bürgermeister Sebastian Koch freuen sich über den Erfolg des Verschenkschranks. Foto: Ralf Strasser
Pfarrer Johann Babel, Bastian Beck und Bürgermeister Sebastian Koch freuen sich über den Erfolg des Verschenkschranks. Foto: Ralf Strasser

Wenzenbach.Über die Wenzenbacher Facebook-Gruppe ließe sich so manches sagen. Gegründet wurde sie für Ratsch und Klatsch, für Hinweise auf Gutes oder Missstände. Mitunter entstehen aber auch Ideen im örtlichen Netzwerk. „Gesehen in Regensburg, warum nicht auch in Wenzenbach“, schrieb so etwa ein User in der Gruppe. Gemeint war ein sogenannter Verschenkschrank. Ein öffentlich und für jeden zugänglicher Schrank, der neue oder gebrauchte Gegenstände zur kostenlosen Mitnahme bereitstellt. Man kann etwas hineinstellen, aber auch entnehmen.

Nur an der Umsetzung haperte es. Wer macht was? Die Gemeinde? Gute Idee, meinte Bürgermeister Sebastian Koch, und doch landete der Vorschlag erstmal in einer Rathausschublade – nur vorübergehend. Aufgemacht und gekümmert haben sich die Pfadfinder. „Wir suchen im Rahmen der 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ein Projekt“, so Bastian Beck und fragte im Rathaus nach. Der Vorsitzende der Pfadfindergemeinschaft Stamm Wenzenbach orientierte sich dabei an der Leitlinie des Gründers der Pfadfinderbewegung, Lord Robert Baden-Powell, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als man sie vorfindet.

„Wir haben da was“, meinte der Bürgermeister auf die Anfrage Becks. Ein Verschenkschrank, den Koch als sozial und lebensorientiert einstufte. „Passt genau ins Profil“, freute sich Beck. Das Profil ist in der Sozialaktion des BDKJ umschrieben: Nachbarschaftstreffen organisieren, Partnerschaften zu Asylunterkünften entwickeln, Klettergerüste aufbauen und sich engagieren im eigenen Sozialraum.

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Nachhaltig und sozial

Der Kreativität der Aktionsgruppen sind bei den Projekten keine Grenzen gesetzt. „Wichtig ist es, Solidarität mit anderen zu zeigen und mit vollem Einsatz dabei zu sein.“ Beim Verschenkschrank stimmen Nachhaltigkeit und die soziale Sicht. Also setzten sich die Pfadfinder in zahlreichen Gruppenstunden zusammen und feilten mit einer Werkstatt vom Verein „Transition Regensburg“ an der Umsetzung. Ein Konzept wurde erstellt, Holz sortiert, bearbeitet, abgemessen und gesägt. Stück für Stück entstand so ein Schrank, der dem Leitbild der Pfadfinderbewegung schon sehr nah kommt. „Wichtig war uns die Umsetzung der individuellen Ideen aus den Gruppenstunden, um ein Unikat herzustellen und unsere Ideen sowie Vorstellungen in das Projekt einfließen zu lassen“, betont Bastian Beck.

„Meine Erwartungen wurden übertroffen. Toller Standort, durchdachtes Konzept, robuster Schrank und ganz viel Engagement von jungen Leuten.“

Bürgermeister Sebastian Koch

Den Feinschliff gab es Mitte Juni: Die Lasur ging eine wetterschützende Liaison mit dem Holz ein, der Innenausbau wurde fertiggestellt und in Kleinarbeit Hinweisschilder mit Acrylfarben und Brandeisen gestaltet, damit der Schrank eine persönliche und individuelle Note erhält. Auch der Standort wurde mit Bedacht gewählt und mit Pfarrer Johann Babel eng abgestimmt: am nördlichen Treppenaufgang zum Kirchplatz. Dort steht er seit dem Pfarrfest. Schon beim Aufbau gab es erste Hinweise für den späteren Erfolg: „Wir sind von einigen Interessierten angesprochen worden und es wurden sogar Patenschaften angeboten.“

Erstes Fazit sehr positiv

Seitdem ist der Verschenkschrank fast schon zum anerkannten Selbstläufer geworden. Ein erstes Fazit: „Der Schrank wird sehr gut angenommen und die gut erhaltenen Artikel verbleiben nur sehr kurz im Schrank“, so der Eindruck der Pfadfindergruppe, die den Schrank zwei- bis dreimal pro Woche inspiziert und immer wieder kleine Optimierungen einfließen lässt, etwa individuell anpassbare Regalböden, eine Box mit Deckel für Kleidung, eine Schachtel für „Kleinkram“, ein „Schwarzes Brett“ oder ein Kontaktschild mit Daten für konstruktive Kritik. Auch für Bürgermeister Koch ist es eine Erfolgsgeschichte. „Nach anfänglicher Skepsis, die sich auf die Betreuung bezog, entwickelt sich das Projekt mittlerweile prächtig. Und die Pfadfinder sind in der Tat ein sehr verlässlicher Partner“, lobt Koch. „Meine Erwartungen wurden übertroffen. Toller Standort, durchdachtes Konzept, robuster Schrank und ganz viel Engagement von jungen Leuten.“

Das Projekt

  • Sozialaktion:

    Die BDKJ setzt mit ihrer 72-Stunden-Aktion das Motto „Die Welt ein Stückchen besser machen“ um. Teilnehmende Gruppen setzen sich konkret vor Ort ein.

  • Hilfe:

    Die Gemeinde half mit und unterstützte mit dem Bauhof sowie einer kleinen finanziellen Spende.

  • Ideen:

    Für konstruktive Hinweise befindet sich ein Schild mit Kontaktdaten im Schrank.

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