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Wirtschaft

Deutsche Technoplast setzt auf Wörth

Das Wörther Unternehmen steckt rund 1,8 Millionen Euro in den Standort. So will es die Konkurrenz aus China abwehren.
Von Jan-Lennart Loeffler

Die Automatisierungszelle mit dem neuen Sechs-Achs-Roboter ist das Kernstück im neugestalteten Formenbau.
              Fotos: Loeffler
Die Automatisierungszelle mit dem neuen Sechs-Achs-Roboter ist das Kernstück im neugestalteten Formenbau. Fotos: Loeffler

Wörth.Automation ist das Schlagwort, unter dem sich die Investitionen bei der Deutschen Technoplast GmbH zusammenfassen lassen. Der Mittelständler aus Wörth hat viel Geld in die Hand genommen, um der Konkurrenz einen Schritt vorauszubleiben. In den Jahren 2017 und 2018 hat die Firma rund 1,8 Millionen Euro investiert. „Wir stehen im Wettbewerb mit chinesischen Formenbauern, die in drei Schichten an sieben Tagen in der Woche das ganze Jahr produzieren können“, sagt Birgit Maria Groitl.

Groitl ist Geschäftsführerin des von ihrem Vater im Jahr 1968 gegründeten Unternehmens aus der Spitzgrussbranche. Es produziert unter anderem Präzisions-Formteile aus thermoplastischem Kunststoff. Zu den Kunden der Deutschen Technoplast gehören Unternehmen wie Krones, Siemens, Bosch, Knorr-Bremse und Osram.

Die Firma beschäftigt circa 300 Mitarbeiter. Rund die Hälfte davon arbeitet am Hauptsitz in Wörth.
Die Firma beschäftigt circa 300 Mitarbeiter. Rund die Hälfte davon arbeitet am Hauptsitz in Wörth.

Die Investitionen sind kein Schnellschuss: Bereits 2016 wurde mit entsprechenden Planungen begonnen. Die Führungs- und Fachkräfte schauten sich bei Unternehmen in Deutschland und im europäischen Ausland um. Der Sechs-Achs-Roboter, der für den Formenbau angeschafft wurde, stammt beispielsweise von einem Schweizer Unternehmen.

Beim Pressetermin führt Groitl gemeinsam mit Herbert Griesbeck, Bereichsleiter Formenbau, durch die Werkhallen und stellt die neuen Maschinen vor. Kernstück der neuen Produktion im Formenbau ist die sogenannte Automatisierungszelle.

„Es geht für die Mitarbeiter weg von der Maschine.“

Herbert Griesbeck, Bereichsleiter Anwendungstechnik und Formenbau, Deutsche Technoplast

Manuelle Dateneingabe und das ständige Wechseln von Werkzeugen gehören der Vergangenheit an. So werden einerseits Fehler bei der Datenübertragung in die Maschine verhindert. Andererseits geht das Ganze auch schneller. Und Zeit ist auch bei der Deutschen Technoplast ein entscheidender Faktor. Bisher waren die Lieferzeiten des Unternehmens nach eigener Aussage „wachstumshemmend“ und „nicht mehr zeitgemäß“.

Von der Maschine an den PC

Die Investitionen in neue Technik wirken sich auch auf die Arbeitsabläufe aus. „Das ist ein großer Schritt für die Mitarbeiter“, sagt Griesbeck beim Blick auf fünf neue eingerichtete Computerarbeitsplätze zwischen den Werkhallen. „Es geht für die Mitarbeiter immer mehr weg von der Maschine und in den Programmierraum.“ Computer-aided Manufacturing, kurz CAM nennt sich das Verfahren, das sich mit „rechnerunterstützte Fertigung“ übersetzen lässt.

Dem Konkurrenzdruck versucht man vor allem mit einer verstärkten Automatisierung zu begegnen.
Dem Konkurrenzdruck versucht man vor allem mit einer verstärkten Automatisierung zu begegnen.

Vor allem für langjährige Mitarbeiter sei die Umstellung enorm, erklärt Griesbeck. „Daher haben wir alle von den Veränderungen betroffenen Mitarbeiter mit einbezogen.“ Die Umstellung ist noch voll im Gang. Bis zum Dezember 2018 wird die Neugestaltung des Formenbaus mit Schulung, Integration und Standardisierung abgeschlossen sein.

Dann soll das Ziel erreicht sein, die Bearbeitungsabläufe an den Maschinen in einer Schicht so zu programmieren, dass dann mit sogenannter „mannloser Fertigung“ in den Spät- und Nachtschichten produziert wird. Dieses Vorgehen ist auch dem zunehmenden Fachkräftemangel geschuldet. Auch die Deutsche Technoplast sucht Mitarbeiter und Auszubildende. Vor vier Jahren sah es noch anders aus. Im Herbst 2014 verkündete das Unternehmen einen drastischen Auftragsrückgang und musste Mitarbeiter entlassen.

Bereits Krisen überstanden

Noch fünf Jahre vorher war man relativ glimpflich durch die globale Wirtschaftskrise gekommen. Sogar einen ehemaligen Konkurrenten konnte man damals aus der Insolvenz übernehmen – den heutigen Standort in Schwabach – und das eigene Portfolio erweitern. Lediglich ein halbes Jahr Kurzarbeit war im Jahr 2009 erforderlich gewesen.

„2014 war eine Sondersituation“, sagt Groitl. „Wir hatten lange Jahre lang Wachstum mit einem Kunden. Dann hat der Kunde eigene Kapazitäten und Konkurrenz zu uns aufgebaut.“ Inzwischen schaut die Firma, die zu den größten Arbeitgebern in Wörth gehört, wieder nach vorne.

Im Werkzeugbau ist auch noch Handarbeit angesagt. Ebenso wie in der gewerblichen Ausbildung.
Im Werkzeugbau ist auch noch Handarbeit angesagt. Ebenso wie in der gewerblichen Ausbildung.

Mit welchen weiteren Schritten sie das Unternehmen fit für die Zukunft machen wird, lässt Groitl noch offen. Über weitere Standorte oder eine Veränderung der Unternehmensform, bisher eine Gruppe aus drei selbstständigen Gesellschaften, möchte sie nicht spekulieren. Am Standort fühlt man sich wohl. Groitl freut sich über die gute Erreichbarkeit aus Richtung Cham und Roding, von wo auch viele ihrer Fachkräfte kommen.

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