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Die Angst um das Idyll am Regen

In Pielmühle soll ein Wasserkraftwerk gebaut werden. Umwelt- und Fischereiverbände sind nicht begeistert von dem Projekt.
Von Stefan Wallner

Hier soll das geplante Wasserkraftwerk Pielmühle in Zukunft stehen. Foto: Luise Selle
Hier soll das geplante Wasserkraftwerk Pielmühle in Zukunft stehen. Foto: Luise Selle Foto: Luise Selle

Lappersdorf.Josef Paukner, Sprecher der Donau-Naab-Regen-Allianz, Christian Hauner, Bürgermeister der Marktgemeinde Lapersdorf, und zahlreiche Vertreter der Fischerei und des Naturschutzes stehen vor den Betonstufen, die hinab zum Regen führen. Vor ihnen rauscht der Fluss, der über das Pielmühler Wehr strömt – hinter ihnen die Autobahn, versteckt hinter ein paar Büschen und Bäumen.

Sie haben sich getroffen, um Tobias Gotthardt – für die Freien Wähler im bayerischen Landtag – zu erklären, warum sie sich „mit aller Entschiedenheit“, wie es Paukner formuliert, gegen das hier geplante Wasserkraftwerk wehren. Gotthardt ist gekommen, weil er „beide Seiten hören“ und mit einem „Paket an Argumenten“ zurück in den bayerischen Landtag gehen will, wo nächste Woche am 26. Juni im Umweltausschuss über das Projekt entschieden werden soll.

„Die Situation erinnert mich an Wackersdorf. Gegen den Willen der Bevölkerung wird das Kraftwerk durchgesetzt“, sagte Paukner. Seit er 2014 ins Amt gekommen sei, habe sich der Marktgemeinderat mehrmals einstimmig gegen das Kraftwerk ausgesprochen, stimmt Bürgermeister Hauner zu. Auch eine Unterschriftenaktion mit mehr als 2000 Teilnehmern, nach Angaben der Organisatoren, gab es bereits.

„Hierher kommen viele Menschen, die entspannen können und gleichzeitig haben wir hier einen Hotspot der Artenvielfalt“, sagte Paukner. Vor allem Fischarten, die früher in der Donau beheimatet waren und heute aufgrund der menschlichen Eingriffe dort selten geworden sind, würden heute hier ihre einzige noch verbliebene Zuflucht finden. Das würde durch ein Wasserkraftwerk gefährdet.

Betreiber widerspricht

Dieses Argument lässt Thomas Liepold – Geschäftsführer der Bayerischen Landeskraftwerke GmbH, die das Kraftwerk bauen und betreiben will – im Telefongespräch mit der Mittelbayerischen nicht gelten. In dem geplanten Wasserkraftwerk sollen sogenannte „Very-Low-Head“-Turbinen (VLH) eingesetzt werden. „Wir betreiben bereits solche Anlagen in Au an der Iller und in Baierbrunn an der Isar.

Sehen Sie hier ein Video zum Protest gegen das geplante Wasserkraftwerk:

Video: Luise Selle

Dadurch gibt es bereits Erkenntnisse zur Fischverträglichkeit der Kraftwerke.“ Speziell das Kraftwerk an der Iller zeige, dass dort deutlich weniger Schaden am Fischbestand entstehe, als bei konventionellen Anlagen. Das kommentiert der Naturschutzbeauftragte des Landesfischereiverbands Lukassek allerdings nur trocken: „Sie würden auch keinen Gehweg bauen, an dem jeder Dritte überfahren wird.“

Zudem liege das geplante Wasserkraftwerk in einem sogenannten Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) und sei deshalb besonders schützenswert, sagen die Gegner. Das sei berücksichtigt und Ausgleichsmaßnahmen in die Planung aufgenommen worden, hält Liepold dem entgegen. Insgesamt sehe die GmbH die Vereinbarkeit mit dem FFH-Gebiet als gegeben. „Zudem sollte nicht der Eindruck erzeugt werden, das Gebiet sei ein völlig unberührtes Idyll. Dort wurde bereits stark in den natürlichen Flusslauf eingegriffen. Beispielsweise wurde er im Zuge des Autobahnbaus begradigt“, sagte Liepold.

Im Zuge des Autobahnbaus wurde den Lappersdorfern das Bade- und Freizeitareal mit dem Wehr als Ausgleichsmaßnahme zugesagt. Die Gemeinde sei stolz auf das Naherholungsgebiet und habe viel Geld investiert, sagte Hauner. Nun habe er Angst, dass es verschlamme und so die Bademöglichkeit verschwinde.

Wirtschaftlichkeit fraglich?

Zumal die Gegner das Kraftwerk für nicht wirtschaftlich halten. Zum Einen würden längere Niedrigwasserverhältnisse den Betrieb des Kraftwerks für längere Phasen unmöglich machen. Zum Anderen verweisen sie auf eine Einschätzung des emeritierten Professors Reichmann (OTH), nach der die Wirtschaftlichkeit eines Wasserkleinkraftwerks zu bezweifeln sei.

Beide Vorwürfe weist Liepold zurück: „Wenn man die Betriebsdauer und die geringen Betriebskosten über die lange Nutzungsdauer von Wasserkraftanlagen mit einbezieht, ist die Wirtschaftlichkeit durchaus gegeben.“ Auswertungen langjähriger Abflussmessungen des Landesamtes für Umwelt ließen zudem keinen Rückgang der Abflüsse in den bayerischen Flüssen oder längere Niedrigwasserphasen erkennen.

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