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Gedenken

Die Erinnerungstafel rückt näher

Am Kulturhaus Sinzing soll der Arbeiterbewegung gedacht werden.
Von Gertraud Pilz

Mit-Initiator Klaus Nebl mit einem historischen Dokument  Foto: Elisabeth Angenvoort
Mit-Initiator Klaus Nebl mit einem historischen Dokument Foto: Elisabeth Angenvoort

Sinzing.In der September-Gemeinderatssitzung wurde der Bürgerantrag von Klaus Nebl und weiteren 79 Bürgern auf Anbringung einer Erinnerungstafel am Kulturhaus Sinzing als zulässig bezeichnet. Das heutige Jugend- und Kulturhaus in der Ortsmitte Sinzings beherbergte nach dem Ersten Weltkrieg, ab 1922 bis 1933, die Gaststätte Pommer. Hier formierten sich unter anderem die ortsansässigen Arbeiter innerhalb des in den Nachkriegsjahren stattgefundenen regen politischen Lebens vor Ort, zur einer starken Gruppe örtlicher Sozialdemokraten. Inhaber des Wirtshauses war Georg Pommer. Dieser wurde in Sinzing im Jahre 1929 zum Bürgermeister gewählt. Vor der Machtergreifung der Nazis weigerte sich Pommer, den Wirtshaussaal für Propagandaveranstaltungen von NSDAP und SA zur Verfügung zu stellen. Nach der Machtergreifung Hitlers und der NSDAP ließ die SA, den Überlieferungen zufolge, niemanden mehr in die Wirtschaft von Georg Pommer. Dieser musste seinen gesamten Grundbesitz mit Wirtshaus und Metzgerei unter Wert verkaufen und verließ Sinzing. Protokolle aus dem Gemeindearchiv besagen, dass Georg Pommer auf Drängen der NSDAP im März 1933 des Amtes als 1. Bürgermeister enthoben wurde. Diese Maßnahme traf auch den Stellvertreter Pommers, Christian Kirchberger.

In Erinnerung an diese Vorkommnisse haben sich 80 Bürger zusammen mit Klaus Nebl entschlossen, im Gedenken an den Widerstand gegen die Nazis, die Anbringung einer Gedenktafel bei der Gemeinde zu beantragen. Wie der Geschäftsleiter der Gemeinde, Michael Schaller, im Gemeinderat berichtete, wurden die Listen mit den 80 Unterschriften gemäß der formellen und materiellen Rechtmäßigkeit nach den Vorgaben der Gemeindeordnung geprüft. Laut Verwaltung sei der Bürgerantrag „Anbringung einer Erinnerungstafel an das Jugend- und Kulturhaus (ehemals Gaststätte Pommer)“ zulässig. Danach bestätigte auch der Gemeinderat die Zulässigkeit des Antrages.

Dies hat zur Folge, dass der Bürgerantrag nach den Vorgaben der Gemeindeordnung bis spätestens 25. Dezember inhaltlich zur behandeln und zu bewerten und dem Gemeinderat zur endgültigen Beschlussfassung, ob Anbringung einer Erinnerungstafel oder nicht, vorzulegen ist. Bürgermeister Patrick Grossmann sicherte zu, die geschichtlich-inhaltliche Bewertung und Aussagekraft der historischen Unterlagen zu diesem Thema an einen Historiker umgehend zu beauftragen, damit über die Anbringung einer Erinnerungstafel baldmöglichst und fristgerecht entschieden werden kann. (lpe).

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