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Umwelt

Die Gärtner auf vier Pfoten

Vierbeinige Bewohner sind am Burgberg in Kallmünz eingezogen. Sie erhalten das Gelände buschfrei und bereichern die Region.
Von Andrea Leopold

Die Thüringischen Waldziegen sind am Burgberg angekommen.  Foto: Andrea Leopold
Die Thüringischen Waldziegen sind am Burgberg angekommen. Foto: Andrea Leopold

Kallmünz.Man tritt aus dem Wald auf die freie Fläche des Burgbergs und hört schon von weitem das Gemecker. Um die Ecke sieht der Wanderer eine gemischte Ziegenherde, die eifrig die Sträucher abknabbert. Die Tiere haben eine hell- bis dunkelschokoladenbraune Färbung sowie eine schwarz ausgeprägte, weiße Gesichtsmaske und sehen sehr putzig aus. Mehrere kleine Jungtiere stolpern unbeholfen hinter ihrer Mutter her. Sie sind erst im März geboren worden.

Seit zwei Wochen sind die Tiere am Burgberg eingezogen. Gemeinde, Bergverein und die Ziegenzüchter Johann und Beate Graml haben das Projekt „Landschaftspflege durch gefährdete Tierrassen“ ins Leben gerufen. Heute finden sich Interessierte aus der Umgebung zusammen, um die Ziegen in ihrem neuen Zuhause willkommen zu heißen.

Züchterin Beate Graml: „Die Tiere bleiben circa zwei Wochen im Zaun. Die Ziegen knabbern die Rinde, die Sträucher, die Blätter und die Triebe an. Für das Wasser haben wir einen Container oben stehen.“ Jeden Tag muss Beate Graml den Zaun kontrollieren, nach den Tieren schauen und Wasser auffüllen. Der Bergverein hatte zuvor jahrzehntelang den Burgberg durch Landschaftspflege maschinell und manuell freigestellt. Die Bäume sollen am Besten gar nicht erst zum Wachsen kommen.

Keine Chance für Gebüsche

„Ich muss jeden Tag nach den Ziegen schauen, eine hatte sich das Euter aufgerissen. Wir kontrollieren den Zaun und zählen die Tiere ab. Alle Kleinen sind im März geboren, alle trinken bei der Geiss. Die Kleinste – Mimi – bekommt ein Flascherl, weil sie am Anfang krank war und Medikamente nehmen musste“, erzählt Beate Graml den Besuchern auf der Wiese.

Patricia Krickl vom Lehrstuhl für Naturschutz und Ökologie an der Uni Regensburg begleitet das Programm wissenschaftlich. Krickl: „Wir vergleichen Kuh, Ziege und Schaf über ihre Ausbreitungsmöglichkeiten von Samen, über das Fell und den Kot über große Distanzen. Die Ziegen entlauben das Areal sehr gut und verhindern, dass sich Gebüsche ausbreiten.“ Laut dem Vorsitzenden Mayer ist die Thüringische Waldziege vom Aussterben bedroht. Mayer: „Die Ziegen sollen uns ein Vorbild sein, die Ziege ist genügsam, sie ist ein ruhiges, aber auch heiteres Tier und lädt zum Verweilen ein.“ Für die Ziegen kann Jedermann sofort eine symbolische Patenschaft übernehmen. „Wo man sich sonst an den Geräuschen stört, heute ist das Gemeckere Musik in unseren Ohren“, schwärmt der Vorsitzende.

Der Historiker Charly Söllner betrachtet das Projekt aus kulturhistorischer Sicht: „Wir stehen hier vor dem historischen Einzeldenkmal mit großer Bedeutung. 1000 v. Chr. ist der Wall erbaut worden. Es gibt einen äußeren Wall, der noch 400 Jahre älter ist. In früherer Zeit waren einmal Holzpalisaden drum herum zum Schutz vor Angriffen. Als die Bäume noch da waren, sah man den Wall gar nicht mehr.“

Die Thüringer Waldziege wurde 1935 als eigenständige Ziegenrasse anerkannt. Sie ist eine stark gefährdete Nutztierrasse und wird seit 1993 auf der Roten Liste der GEH geführt. Schon zu Zeiten der DDR wurde die Thüringer Waldziege als bedrohte Rasse anerkannt und ihre Zucht unterstützt.

Hilfe für bedrohte Rassen

Angepasst an das raue Klima des Thüringer Waldes zeigt die Thüringer Waldziege eine hohe Widerstandsfähigkeit und ist sehr gut zur Landschaftspflege geeignet.

Mayer geht auf die Motivation des Vereins ein: „Der Bergverein hat sich 1885 gegründet, da haben die Kallmünzer die Burg noch als Steinbruch benutzt. Ein paar Leute haben sich für die Erhaltung der Burg eingesetzt. Der Verein hat damals schon Kulturarbeit gemacht. Das Hauptziel ist, auf die Bedeutung des Burgbergs und dieses Alleinstellungsmerkmal für die Stadt Kallmünz hinzuweisen.“

Nach der Begrüßung der Waldziegen durch den Vorsitzenden Mayer darf „Mimi“, das Dreimonats-Zicklein, raus zu den Besuchern und lässt sich streicheln. Sehr wohl scheinen sich die Tiere am Burgwall zu fühlen.

Rotes Höhenvieh

  • Neuansiedlung:

    Die alte Rinderrasse „Rotes Höhenvieh“ wird demnächst am Burgberg angesiedelt. Der Ursprung dieser Rinder in Europa reicht bis ins Altertum zurück (sog. Keltenvieh). Namen wie z.B. „Gasthaus zum Roten Ochsen“ weisen heute noch auf die rotfarbigen Rinder hin.

  • Schutz:

    Im Jahr 1997 wurde das Rote Höhenvieh zur „Gefährdeten Haustierrasse des Jahres“ erklärt.

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