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Politik

Die Koalitionsfrage bleibt offen

Die Freien Wähler eröffneten in Bernhardswald den Wahlkampf. Tanja Schweiger und Hubert Aiwanger setzen auf soziale Bürgernähe, „ohne Wenn und Aber“.
Von Ralf Strasser, MZ

Die Kandidaten der Freien Wähler mit Landesvorsitzendem Hubert Aiwanger beim Wahlkampfauftakt in Bernhardswald Foto: Strasser

BERNHARDSWALD. Wahlkampfauftakt der Freien Wähler: Nicht in München, Augsburg oder Nürnberg, sondern an der Basis, „dort, wo unsere Wurzeln sind“, betonte Landesvorsitzender Hubert Aiwanger. In Bernhardswald fiel der Startschuss für die Urnengänge am 15. und 22. September. Der bayerische Defiliermarsch erklang beim Einzug des Landesvorsitzenden in die Gaststätte „Zur Hütt’n“.

„Der ist eigentlich für den Ministerpräsidenten gedacht“, erklärt Ortsvorsitzender Reinhard Brey. Aiwanger höchster Mann im Freistaat? So vermessen wolle man zwar nicht sein, schmunzelt Brey, aber schaden könne es auch nicht. Aiwanger präsentiert sein Wahlprogramm und hat dazu die Kandidaten für den Land- und Bezirkstag eingeladen, auch Sebastian Hopfensperger für den Bundestag.

„Wir wollen nach Berlin, denn gute kommunale Politik entscheidet sich auch im Mitreden in Berlin“, sagte Bezirksvorsitzende, MdL Tanja Schweiger beim Vorstellungs-Warm-up der Kandidaten. Die Frage „Wofür stehen die Freien Wähler“, beantwortete sie mit sozialer Bürgernähe „ohne Wenn und Aber“. Aber das kommunikative Miteinander, das die Freien Wähler zum Erfolgsrezept gemacht hätten, könne nur mit einer soliden Finanzausstattung der Kommunen funktionieren und deshalb sei das Mitregieren unabdingbar. „Auch Themen wie die erneuerbare Energie sind nur mit dem Bürger vor Ort lösbar.“

Nachdem sich auch Harald Stadler, Gerhard Bäumler, Michael Drindl und Sebastian Hopfensperger vorstellt hatten, krempelte Hubert Aiwanger die Ärmel nach oben, kämpferisch und mit „wadlbeißerischem“ Humor. „Endlich wieder Wahlkampf“, freute sich Aiwanger und gab mit 15 Prozent bei den Landtagswahlen schon mal die Richtung vor. Er gab auch gleich ein Wahlversprechen ab: „Wenn wir in der Regierung sein sollten – egal mit wem – dann wird es einen Runden Tisch geben, um Ideen, Visionen und Ziele abzugleichen, über Parteigrenzen hinaus.“

Dort gäbe es vermutlich viel zu besprechen, denn die Ziele der Freien Wähler füllen Wahldossiers und große Visitenkarten, die der „Chef“ selbst verteilte. Sie reichen vom Menschen, den man ernst nehmen muss, bis hin zum Ausbau des Hochwasserschutzes, dazwischen solide Finanzpolitik, Energiewende, schnelles Internet, die Forderung endlich wahlweise wieder das neunjährige Gymnasium zuzulassen oder der Bahnlückenschluss bei Neufahrn auf dem Weg zum Flughafen. Ein paar „Neins“ gibt es auch, darunter die dritte Startbahn im Erdinger Moos oder die Pkw-Maut. Aiwanger haderte: über Ideen, die die Freien Wähler auf den Weg gebracht haben und von der CSU schamlos vereinnahmt wurden. Das Nein zu den Studiengebühren oder die Trinkwasserverordnung seien nur zwei davon.

„Vom Nichtraucherschutz in Bayern will ich gar nicht reden.“ Viel ist von sozialer Kompetenz die Rede, vom Miteinander und von der Besonnenheit in der Politik. „Es muss uns möglich sein, mit allen demokratischen Parteien vernünftig zu reden. Doch die Betonung liegt dabei auf vernünftig.“ Bayern müsse wieder demokratisch werden und dürfe keine Parteibuchlandschaft bleiben.

Aiwanger ist einer, der die Distanz nicht sucht. Im Gegenteil. Das „Du“ ist keine aufgesetzte Freundlichkeit, von Kluft zwischen dem Spitzenkandidaten und der Basis ist nichts zu spüren. An der CSU arbeitet er sich ab, lässt kein gutes Haar an ihr. Die SPD erwähnt er nur in einem Nebensatz und die FDP streift er nur. Die Kernfrage, mit wem man koalieren wolle, ließ Aiwanger offen. „Das entscheiden unsere Mitglieder nach der Wahl.“ Doch die müsse man erst einmal erfolgreich bestehen, doch daran zweifelte im Saal niemand.

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