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Mittsommer

Die Schönheit des Himmeltals

Hundert Wanderer zogen durch die kleinstrukturierte Naturlandschaft. Unterwegs spielten Musikanten auf.
Von Resi Beiderbeck

Das Interesse für den Schutz des Himmeltals ist groß. Das zeigte sich bei der Mittsommerwanderung, an der 100 Menschen teilnahmen. Foto: Beiderbeck
Das Interesse für den Schutz des Himmeltals ist groß. Das zeigte sich bei der Mittsommerwanderung, an der 100 Menschen teilnahmen. Foto: Beiderbeck

Brennberg. Bei der Mittsommerwanderung im Himmeltal bestaunten hundert Menschen die vielfältige Natur. Man lernte, was da an seltenen Pflanzen wächst und was es an wertvollen Lebensräumen gibt. Es kamen aber auch die großen Sorgen zur Sprache, die Anwohner, Naturschützer und Gemeinde umtreiben: Hier eine Mega-Stromtrasse durchziehen? „Undenkbar“ fanden die Teilnehmer.

Die kleinräumige, unter dem Einfluss der Mönche entstandene Landschaft zwischen Altenthann und Frauenzell ist Mittelpunkt der künftigen „Kulturachse Ost“. Musikgenuss im Klosterhof, dann beschwingtes Wandern zu vielfältigsten Schätzen der Natur, schließlich noch ein Sonnenuntergangs-Imbiss mit Direktvermarkter-Spezialitäten auf einer Altheu-Wiese über dem Tal: Dass sich Menschen heutzutage von einem solchen Land-Programm magnetisch angezogen fühlen, zeigte die starke Resonanz auf die Einladung zur „Mittsommerwanderung“. Tatsächlich versammelten sich hundert Naturliebhaber und Naherholungs-Suchende, um zu hören, zu fühlen und zu sehen, was Förster Franz Löffl im Himmeltal an Naturschätzen herzeigen kann.

Gesang in der „kleinen Hölle“

Der Thymian wächst im Himmeltal recht üppig. Foto: Beiderbeck
Der Thymian wächst im Himmeltal recht üppig. Foto: Beiderbeck

Zauberhaft umgesetzt wurde die Idee, den Wanderern unterwegs Musikgenuss zu bieten. „Muck and his swinging buddies“ alias Markus Kotz und Stephan Brandl brachten gleich zum Auftakt ein Ständchen. Später, als man gerade einen ehemaligen Kohlenmeiler und ein Waldstück passiert hatte, tauchten sie plötzlich wieder auf, inszeniert auf einem mächtigen Felsen direkt über jenem archaischen Fleck, den Insider als „kleine Hölle“ kennen. Der Waldboden wurde zur Natur-Tribüne mit Buchenblätterdach, und den Wanderern lief eine kleine Gänsehaut über den Rücken, als die Musiker „What a wonderful world“ anstimmten. Eben diese wunderbare Himmeltal-Welt ist bedroht, wie während der Exkursion in Erinnerung gerufen wurde. „SüdOstLink“ lautet die Schreckensvision, das Gleichstromkabel zur Stromversorgung Bayerns.

Bürger, Gemeinde, Jagdgenossen, Landwirte, Naturliebhaber und Anwohner bangen um diese einzigartige, kleinstrukturierte Kulturlandschaft. Von Trockenstandorten bis zum anstehenden Fels reicht der kaum vorstellbare Reichtum an Lebensräumen. Feuchte und nasse Standorte wechseln sich auf engstem Raum ab.

Naturnahe Waldränder, Hecken und Feldgehölze zeichnen den „Hotspot“ der Artenvielfalt aus. Schalensteine etwa zwischen Fischbehälter und Vogelloch, und „Wollsäcke“ am Eichlberg machen das Gelände zusätzlich interessant. Wollgras, verschiedene Seggen, Blutweiderich und Mauerpfeffer sind selten gewordene Pflanzenarten, die hier wachsen. Oft noch rarer sind die von ihnen abhängenden Insektenarten.

Mittendrin im Tal liegt der Himmelmühlweiher, der als Energielieferant und Fischwasser von Nutzen ist. „Dieser Natur-Schatz darf nicht durch eine Stromtrasse zerstört werden“, fordert Franz Löffl auch in seiner Eigenschaft als Vizebürgermeister mit Nachdruck. Für Löffl und für die Gemeinde Brennberg ist die Stromtrasse ein ungeheuerlicher Plan, der verhindert werden muss, zumal damit auch der „Kulturachse Ost“ die Grundlagen entzogen würden. Als Vorsitzender des „Freundeskreises des ehemaligen Benediktinerklosters Frauenzell e.V.“ kämpft Dr. Hermann Reidel, der nach der Wanderung höchstpersönlich bei der Bewirtung mithalf, gegen das Stromtrassenprojekt. Auch Landwirt Josef Zierer will von einer Stromautobahn durch das Himmeltal nichts wissen. Die Leberwurst aus eigener Produktion, mit der sich die Wanderer stärkten, spendierte er großzügig, um damit die „Klosterfreunde“ in ihrem Protest zu unterstützen. Gemeinderat Alois Jobst stellte seinen Holunderblütensirup ebenfalls gratis dazu, so dass die Gäste eine besonders feine Sektmischung genießen konnten.

Umweltprüfung am PC

Die Freunde des Himmeltals sind überzeugt davon, dass die im Auftrag der Bundesnetzagentur durchzuführende Umweltprüfung eine Unmöglichkeit der Trassenführung feststellen wird. Schützenswerte Güter wie Mensch, Tier, Pflanze und Wasser werden dabei unter die Lupe genommen. „Aber wann ist diese Prüfung nun und wann kommen die Prüfer ins Himmeltal?“, fragten sich die Wanderer.

Unsere telefonische Nachfrage bei Projektleiterin Dr. Silke Rendigs bringt verblüffende Fakten zutage: Untersucht wird nicht vor Ort, sondern am PC anhand von vorhandenen Daten und Luftbildanalysen. Beauftragt hat TenneT mit dieser Arbeit ein Konsortium von mehreren Gutachter-Büros. Für Brennberg zuständig ist dem Vernehmen nach die TNL Umweltplanung Weiden.

Von dort aus wird man den Duft des üppig wachsenden Thymians aber nicht wahrnehmen können, sorgen sich die Himmeltalfreunde.

Thema Wasser

  • Rückhaltefunktion:

    Es gibt für Franz Löffl noch einen weiteren Grund, weshalb eine Stromtrasse durch das Himmeltal auf keinen Fall Realität werden darf. Das sind die wichtigen Retentionsräume mit ihrer Rückhaltefunktion für Wasser. Die Gemeinde Brennberg hat hier Grundstücke für Ausgleichsflächen aufgekauft und einen Bach renaturiert. „Hochwasserschutz beginnt nicht unten an der Donau, sondern hier“, sagt Löffl.

  • Versorgung:

    Der skizzierte Korridor tangiert zudem die Wasserversorgung der Gemeinde Brennberg, die in letzter Zeit mit großem Kapitaleinsatz ertüchtigt wurde. (lbi)

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