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Katastrophe

Die Wörther Jahrhundertflut schockte

Vor 65 Jahren wurden Wörther Bauern durch einen großen Dammbruch schwer geschädigt. Eine ganze Ernte wurde vernichtet.
von Walter Schiessl

  • Das einzige Foto, das das Jahrhunderthochwasser von 1954 zeigt, hat Sepp Schütz in Händen. Foto: Schütz:
  • Heute läuft die Wiesent, geschützt von zwei Dämmen. Foto:schießl

Wörth.Wenn Sepp Schütz an den Juli vor 65 Jahren zurückdenkt, dann sieht der ehemalige Wörther Kommunalpolitiker heute noch „rot“. Denn über Nacht war der Damm der Wiesent gebrochen, erzählt der damals gerade 16 Jahre alte Wörther, der das darauf entstandene Bild immer noch vor Augen hat. Die ganzen Donauauen seien komplett vollgelaufen gewesen, die Schäden, die den Bauern dadurch verursacht wurden, seien gewaltig gewesen, sagt das Original. Sepp Schütz lebte 1954 mit seiner Schwester auf dem elterlichen Hof an der Lerchenhaube. Vater und Mutter führten dort eine kleine Landwirtschaft, die Familie hatte auch einige kleine Felder in den Donauauen.

Was war geschehen? Der WiesentDamm, der wohl nach dem ersten Weltkrieg errichtet worden war, hielt dem Druck das Wassers nicht mehr Stand. Er brach auf einer Länge von 20 bis 30 Metern. Binnen kurzer Zeit strömten Unmengen von Wassermassen in die Donauauen. Der Bereich zwischen Tiefenthal und Kiefenholz war eine einzige Wasserfläche, verwüstet wurden viele Acker- und Feldflächen.

Massive Regenfälle

Und das zu einer Zeit, als es nach dem Krieg langsam wieder aufwärts ging, wie sich Sepp Schütz erinnert. Der damals junge Wörther gehörte zur Generation, die dann auch gleich kräftig mit anpacken musste. „Zum einen mussten wir in den Schreckenstagen Dammwachen halten“, sagt er heute, „und zum anderen waren dann die Aufräumarbeiten zu bewerkstelligen.“ Die Landschaft sah aus, als hätte der Blitz eingeschlagen, erinnert sich der spätere CSU-Fraktionsvorsitzende im Wörther Stadtrat. Bei den vielen Kleinbauern, die es damals noch gab, kamen schnell Existenzängste auf. Denn die Ernte, die gerade am Entstehen war, war für viele Bauern zerstört. „Es gab weder Kartoffeln, noch Getreide und auch kein Gras für die Tiere“, sagt Sepp Schütz, der sich gerade angeschickt hatte, eine Landwirtschaftsschule zu besuchen. Doch diese Schreckenstage ließen im jungen Burschen schon erste Zweifel aufkommen, ob dieser Beruf der richtige für ihn sei. Später strich Sepp Schütz dieses Ziel aus seinem Leben und wurde Hausmeister in der heutigen Kreisklinik.

Auch der frühere Wörther Bürgermeister Franz Beutl hat noch lebhafte Erinnerung an das riesige Hochwasser von 1954. „Es gab enorme Schäden für die Bauern“, sag der ehemalige Landratsstellvertreter, der heute 80 Jahre alt ist. Zwar habe es von Amts wegen Schätzungen für die Schadenshöhe gegeben, aber herausgekommen sei da nichts, sagt Franz Beutl. Die Bauern seien auf ihren Ausfällen sitzengebleiben.

Einzig von Seiten der Amerikaner habe es Sojalieferungen gegeben, sagt wiederum Sepp Schütz. Über die Verteilung dieses Getreides sei dann sogar ein leichter Streit unter den Betroffenen entstanden, sagt der Wörther weiter. So hätten nicht alle die gleichen Mengen erhalten, einige der Bauern hätten sich benachteiligt gefühlt.

Entstanden sei die Flut aufgrund massiver Regenfälle, die im Juni auf die Region niedergeprasselt seien. „Es hatte mehrere Wochen lang fast pausenlos geregnet“, sagt Sepp Schütz, die Abwassersituation sei nämlich noch eine ganz andere als später gewesen. Wörth und auch alle anderen Gemeinden hätten noch lange keinen Kanal gehabt. Man könne sich vorstellen, welches Bild die Aufläche nach dem Jahrhunderthochwasser abgab, sagt Schütz. Gestank und Schlamm seien entstanden, es habe monatelang gedauert, bis alles wieder verschwunden war. Ein Jahr lang habe fast Hungersnot geherrscht, und das im Jahr, in dem Deutschland gerade Fußball-Weltmeister geworden war.

Sepp Schütz, ein leidenschaftlicher Fotograf, hat nur ein einziges Foto, das das Hochwasser von 1954 zeigt. Es sei noch nicht die Zeit gewesen, dass jedermann eine Kamera zuhause hatte. Das sei alles erst viel später gekommen, sagt er.

Schlimme Stauzenplage

Was Sepp Schütz im Gedächtnis haften blieb, ist auch eine Staunzenplage, die die Folge des Hochwassers war. Man habe nur schlafen können, wenn man ein Fliegengitter vor dem Fenster gehabt habe. Draußen in der Fläche sei es für die Helfer eine Katastrophe gewesen. Ein dickes Lob zollt Sepp Schütz im Nachhinein dem damaligen Landrat Leonhard Deininger. Dieser habe die Verbesserung der Dämme so vollzogen, dass es später keine Probleme mehr gab. Die Deiche wurden massiv verstärkt, ein Dreiecksee wurde ausgehoben und die Situation allgemein verbessert. Für Sepp Schütz ist somit klar: Die Region Regensburg hat ihre Hausaufgaben schnell gemacht.

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