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Verabschiedung

Dieser Laaberer brachte Raser zur Räson

Friedrich Böhm war Polizist mit Leib und Seele. Im Ruhestand lässt er jetzt die Laufenten im Garten auf Streife gehen.
Von Peter Pavlas

Ende einer Dienstzeit: Friedrich Böhm freut sich über das Geschenk seiner ehemaligen Kollegen.  Foto: Peter Pavlas
Ende einer Dienstzeit: Friedrich Böhm freut sich über das Geschenk seiner ehemaligen Kollegen. Foto: Peter Pavlas

Laaber.Kann es sein, dass die berufliche Tätigkeit eines Menschen sich auch in seinen Haustieren abbildet? Wenn diese bekannt sind für ihre Agilität, ihre Wachsamkeit und ihre Verbundenheit mit dem Boden statt mit Wasser oder Luft? Und wenn sie dazu noch unwillkommende Besucher rund ums Haus unschädlich machen? So gesehen sind die Laufenten des Ersten Polizeihauptkommissar Friedrich Böhm keine üblen Gesellen für den Ruhestand des ehemaligen Polizisten, der 14 Jahre lang die Dienststelle der Verkehrspolizeiinspektion Amberg leitete. „Er war ein Verkehrler durch und durch“, würdigte ihn Polizeipräsident Norbert Zink. Allerdings hatte Böhm es in seiner aktiven Zeit nicht mit der Bekämpfung von Schnecken zu tun wie seine Enten in Edlhausen, sondern eher damit, unter anderem Raser zur Räson zu bringen.

Großer Bahnhof also am 17. September für den Polizisten aus dem Labertal bei dessen Verabschiedung in den Ruhestand. Leitender Polizeidirektor Robert Hausmann begrüßte beim Festakt im Großen Saal des Rathauses rund 80 Gäste aus Politik, Justiz, Behörden und Organisationen sowie die Leiter der umliegenden Polizeidienststellen.

80 Gäste begrüßte Robert Hausmann (r.), als Friedrich Böhm die Dienstgeschäfte an Tobias Mattes (Mitte) übergab. Foto: Franziska Haas
80 Gäste begrüßte Robert Hausmann (r.), als Friedrich Böhm die Dienstgeschäfte an Tobias Mattes (Mitte) übergab. Foto: Franziska Haas

Polizeipräsident Zink informierte zunächst über die vielfältigen Aufgaben der Verkehrspolizeiinspektion Amberg. Die ist zusammen mit der Autobahnpolizeistation Schwandorf für polizeiliche Aufgaben auf den Autobahnen A 6 und A 93 zuständig und führt beispielsweise Schwerlast- und Geschwindigkeitskontrollen in den Landkreisen Amberg und Schwandorf sowie der Stadt Amberg durch.

Mit 16 als Praktikant angefangen

Friedrich Böhm aus Brunn begann im Alter von 16 Jahren seine Laufbahn als Praktikant. „In meinem Jahrgang sind mindestens acht Kameraden zur Polizei gegangen, darunter auch Jakob Schels, der kürzlich pensionierte Leiter der Dienststelle Nittendorf“, erinnert sich Böhm. Architektur oder Bautechnik zu studieren hätte ihn auch gereizt. Nach seiner Ausbildung ging er im Juli 1978 zur VPI Regensburg und aufgrund seiner ausgezeichneten Leistungen folgte in den Jahren 1988 bis 1990 sein Studium für den gehobenen Polizeivollzugsdienst, welches er mit einem Spitzenergebnis abschloss. Als frisch gebackener Polizeikommissar wurde er im Juli 1990 Leiter der Überwachungsgruppe für Gefahrguttransporte im damaligen Polizeipräsidium Niederbayern/Oberpfalz.

Eine Ehre sei es gewesen, für 90 Menschen verantwortlich zu sein, sagte Böhm in seiner Abschiedsrede. Foto: Franziska Haas
Eine Ehre sei es gewesen, für 90 Menschen verantwortlich zu sein, sagte Böhm in seiner Abschiedsrede. Foto: Franziska Haas

Knapp drei Jahre später verschlug es Böhm ins damalige Polizeipräsidium Niederbayern/Oberpfalz, wo er im Sachgebiet E4 Ansprechpartner für sämtliche Verkehrsaufgaben war, bis er am 1.7.2005 zum Leiter der VPI Amberg bestellt wurde.

Bei Papstbesuch VIPs gelotst

Als Höhepunkt im Dienst wertet er die Lotsung von VIPs wie Ministerpräsident Stoiber oder Fürstin Gloria anlässlich des Papstbesuches in Regensburg. Überschattet wurde sein Beruf durch schreckliche Bilder von Unfällen oder durch die Notwendigkeit, Angehörigen von Unfallopfern Todesnachrichten zu überbringen.

In seiner Freizeit ist Böhm sportlich aktiv beim Radfahren und Walken. Im Garten hat er nun die Muße, zu Rechen und Spaten zu greifen statt zur rot leuchtenden Anhaltekelle. Mit Rat und Tat unterstützt er auch seinen Sohn bei der Hausrenovierung.

Böhm: Respekt vor Lebenden sowie Würde der Toten schwindet

„Es wird immer aggressiver gefahren, es wird rücksichtslos gedrängelt und rechts überholt“, resümiert Böhm seine Beobachtungen. „Die Einen rauschen mit 200 Sachen dicht am Unfall vorbei, andere schleichen, um möglichst grausame Bilder aufs Smartphone zu bekommen.“ Der Respekt vor Lebenden und der Würde von Toten schwinde, genauso wie die Einsicht von gestellten Übeltätern angesichts ihres Fehlverhaltens. Aber auch die andere Seite polizeilichen Wirkens ist ihm bekannt. „Wir Polizisten sind keine Heiligen, eine Handvoll Strafzettel wegen Schnellfahrens oder Falschparkens habe auch ich kassiert.“ Das passiert auch einem, der Pfarrgemeinderat in Frauenberg und Vorsitzender des Kapellenvereins Edlhausen ist.

„Wie die Vertikutierer“ durchpflügen Böhms Laufenten den Garten auf ihrer Suche nach unerwünschten Schnecken. Foto: Peter Pavlas
„Wie die Vertikutierer“ durchpflügen Böhms Laufenten den Garten auf ihrer Suche nach unerwünschten Schnecken. Foto: Peter Pavlas

„Auf seinem Bauernhof findet er mit der Haltung von Laufenten immer genügend Unterhaltung,“ prophezeite sein Präsident Norbert Zink. Wenn da nur nicht Gevatter Reinecke wäre ... der Fuchs holte einmal drei Tiere und ließ im Garten einen verstörten Erpel zurück, der hinter einem aufgestellten Schubkarren versteckt Zeuge des Massakers an seinen Gesellen wurde. Welcher Gendarm übernimmt diesen Fall?

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