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Forstwirtschaft

Dieser Wald ist fit für die Zukunft

Die Familie Liedl aus Laaber-Großetzenberg schafft einen vorbildlichen Wald. Dafür gab es einen Staatspreis.
Von Paul Neuhoff

  • Vater und Sohn Liedl pflanzen Jungbäume, die ohne Umzäunung groß werden können. Foto: Paul Neuhoff
  • Treffen in der Naturverjüngung (v.l.: Lisa Büsing, Försterin, Anton Reil, Jäger, Maria Ulmann, Jägerin, FD Cornelius Bugl, Liedl Jakob sen., Liedl Jakob jun., Josef Achhammer, WBV Hemau, Michael Jobst, Jagdgenossenschaft, Hans Schmid, Bürgermeister.

Laaber.Klimawandel, Borkenkäferplage, Waldumbau – das sind Stichworte, die derzeit fast täglich in den Medien auftauchen und Politik und Waldbesitzer umtreiben. Gerade in diesem Jahr waren massenhaft absterbende Fichten ein sichtbares Zeichen, dass auch in unseren Wäldern etwas aus den Fugen geraten ist.

Jakob und Marianne Liedl aus Großetzenberg haben schon vor zwanzig Jahren die Zeichen der Zeit erkannt und begonnen mit viel Energie ihre ererbten Waldflächen naturnah so umzubauen, dass diese zukunftsfähig sind. Ihr Sohn Jakob zieht seit ein paar Jahren mit seiner Familie am gleichen Strang. Weil inzwischen schon bemerkenswerte Erfolge sichtbar sind, wurden die Liedls vergangene Woche in der Münchner Residenz durch Forstministerin Michaela Kaniber mit weiteren Waldbesitzern mit dem „Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung“ ausgezeichnet. Wie die Ministerin bei der Verleihung der Staatsmedaille betonte, haben die ausgezeichneten Waldbesitzer sich den Herausforderungen des Klimawandels gestellt und wesentlich dazu beigetragen, den Artenreichtum zu fördern.

„Vorbildliche Waldbewirtschaftung“: (von links nach rechts) Waldkönigin Kerstin Seitz, Ministerin Michaela Kaniber, Astrid Liedl, Anna Liedl, Jakob Liedl jun., Jakob Liedl sen., Marianne Liedl, Anton Reil, Hans Schmid und Waldprinzessin Elisabeth Hegelberger Foto: Warmuth/StMELF
„Vorbildliche Waldbewirtschaftung“: (von links nach rechts) Waldkönigin Kerstin Seitz, Ministerin Michaela Kaniber, Astrid Liedl, Anna Liedl, Jakob Liedl jun., Jakob Liedl sen., Marianne Liedl, Anton Reil, Hans Schmid und Waldprinzessin Elisabeth Hegelberger Foto: Warmuth/StMELF

Wald ist Gemeinschaftswerk

Die Mittelbayerische hat sich mit Vater und Sohn Liedl und weiteren Beteiligten in einem Waldstück der Familie umgesehen. Mit von der Partie waren Vertreter der Kommune, der Regensburger Forstbehörde, der Jagdgenossen, der Waldbauernvereinigung sowie der Pächter des Jagdreviers. Alle hatten in irgendeiner Weise am Gemeinschaftswerk mitgewirkt und so zum Erfolg beigetragen.

Forstdirektor Cornelius Bugl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Regensburg betonte die generationsübergreifende Bedeutung der Wälder. Man müsse den Wald nicht nur als Objekt der Gewinnmaximierung, sondern in seiner Gesamtheit als Ort der Artenvielfalt wahrnehmen. Die Familie Liedl hätte dies gut umgesetzt und bei der Bewirtschaftung auch auf die gesamte Lebensgemeinschaft, etwa durch die Belassung von Totholz, Rücksicht genommen.

Liedl baute Bestände früh in Mischwälder um

Weiter habe Jakob Liedl sen. schon früh erkannt, dass das „Zeitalter der Fichte“ zu Ende gehe. Liedl habe konsequent gehandelt und begonnen, seine Bestände beharrlich in gemischte, klimatolerante Mischwälder umzubauen. Der Familie Liedl sei es auch wichtig, „neue“ Baumarten, wie Baumhasel, Eslbeere oder Schwarzkiefer zu erproben. Ein ganz wesentliches Element sei für die Waldeigentümer ein ausgewogenes Wald-/Wildverhältnis, um vor allem Verbissschäden ohne Einzäunung von Jungflächen zu minimieren. Als besonders positiv hob Bugl die bisherige verantwortungsvolle und fruchtbare Zusammenarbeit der Waldeigentümer mit den Forstbehörden, der Waldbauernvereinigung, der Jagdgenossenschaft und dem Jagdpächter hervor.

Der Staatspreis

  • Art:

    Alle zwei Jahre verleiht das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den „Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung“. Das Ministerium würdigt damit herausragende Leistungen von Waldbesitzern.

  • Empfänger:

    Es werden nicht nur Großgrundbesitzer, Kommunen oder Stiftungen ausgezeichnet, sondern auch kleine Nebenerwerbsbetriebe.

  • Dotierung:

    Die Auszeichnung ist mit 1000 Euro Preisgeld dotiert.

  • Vorschlag:

    Der Bereich Forsten des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Regensburg hat den Betrieb Liedl vorgeschlagen und den Vorschlag aus fachlicher Sicht ausführlich begründet.

  • Jury:

    Eine unabhängige Jury hat heuer aus 63 Kandidaten zwei Preisträger pro Regierungsbezirk ausgewählt. Kriterien sind etwa naturnahe, wirtschaftliche Waldbautechnik, standortgemäße Baumarten, das Beschreiten neuer Wege oder eine kreative Betriebsführung.

Anton Reil, der auch die Liedlschen Flächen im Revier Großetzenberg II bejagt, betonte, dass ein Jäger Zeit, Können und den Willen zur Veränderung mitbringen müsse, um den Wildbestand in Einklang mit einer naturnahen Waldbewirtschaftung zu bringen, ohne das Wild „auszurotten“. Dies sei im vorliegenden Fall gelungen. Revierförsterin Lisa Büsing, die die Arbeit der Familie vor Ort fachlich begleitet, sieht es als bemerkenswert an, dass im vorliegenden Fall der gewünschte Umbau mit viel Naturverjüngung auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche gelungen sei. Die Fachfrau sieht diesen Erfolg auch als Ansporn für die Eigentümer gleichartiger Flächen.

Ziel: Wald für nächste Generation erhalten

Auch Jakob Liedl jun. sieht, neben den eigenen Anstrengungen, die Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten als wichtigen Baustein an. So wird schon seit Jahren unter dem Dach der örtlichen Waldbauernvereinigung mit ihrem Vorsitzenden Josef Achhammer ein eigener Kurs für die Vorbereitung zur staatlichen Jagdprüfung angeboten. An den Kursen, die Liedl jun. leitet, besteht immer ein großes Interesse. Jakob Liedl sen. denkt bei seiner vielfältigen Arbeit im und für den Wald vor allem an die nachfolgenden Generationen. „Es geht nicht in erster Linie darum, Geld zu verdienen, sondern etwas für unsere Kinder zu erhalten.“ Liedl will auch weiterhin mit neuen Baumarten experimentieren und plant Bäume wie Atlas- oder Libanonzeder, Hybridnuss oder Edelkastanien zu pflanzen und zu hegen.

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