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Dieses Schloss inspirierte Künstler

Verlassene Orte: Komponist Mendelssohn-Bartholdy entspannte in Etterzhausen, Buchheim wollte die Anlage kaufen. Das Erbe wurde ein Streitfall.
Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Lothar-Günther Buchheim wollte das Schloss zum Museum machen.
  • Prachtvoll: Die freischwebende Treppe in der Eingangshalle.
  • Die Gemeinde ersteigerte diesen wertvollen Schrank von 1620.

Etterzhausen.Als der Maler und Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim in den 1990er Jahren nach Etterzhausen reiste, hatte er für den kleinen Ort an der Naab große Pläne. Das dortige Renaissance-Schloss wollte er zu einem Kunstmuseum machen, zu seinem Museum der Phantasie. Werke von Max Pechstein oder Emil Nolde sollten auf einer Fläche von 1700 Quadratmetern präsentiert werden. „Das wird ein Besuchermagnet“, dessen war sich der Gemeinderat Nittendorf bewusst, erinnert sich der frühere Bürgermeister Max Knott im Gespräch mit der MZ. Doch die Pläne scheiterten. Nicht an der Gemeinde Nittendorf und auch nicht an Buchheim. Der Kinderschutzbund München, dem der letzte Schlossbesitzer, Kommerzienrat Rüdiger Fromm, sein 40-Millionen-Mark-Vermögen vermacht hatte, stimmte dem Verkauf nicht zu.

Prachtvoller französischer Garten

Kunst, das hätte durchaus nach Etterzhausen und speziell in das Schloss gepasst, wenn man sich durch die Liste der früheren Besitzer arbeitet. Die Familie des berühmten Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy lebten zeitweise hier, auch der Komponist selbst war auf dem Anwesen zu Besuch, weiß der ehemaligen Bürgermeister und Heimatforscher Knott. Den französischen Schlossgarten – von dem die betagten Etterzhauser Bürger, die ihn noch sahen, bis heute schwärmen –, hat der reiche und kunstsinnige Regensburger Bankier Georg Friedrich von Dittmer 1801 anlegen lassen. Mit Adolf von Zerzog hatte auch ein Abgeordneter, der bei der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 mit in der Paulskirche saß, in dem Naabschloss seinen Wohnsitz.

Etterzhausen ist der älteste Ortsteil von Nittendorf. Bereits zwischen 863 und 885 fand die erste urkundliche Erwähnung statt. 977 erschien Etterzhausen als Station auf der Reise König Otto II. von Regensburg nach Allstedt. Ritter Babo von Etterzhausen besaß 1261 noch kein Schloss, sondern lebte im Waldstück Teufelsplan im sogenannten „alten Haus“, von dem heute noch Reste zu sehen sind. Das ursprüngliche Schloss entstand um 1590, daran erinnert bis heute ein Gedenkstein. Der Bau hielt gerade mal 40 Jahre, denn im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss 1634 niedergebrannt. In dieser Zeit wütete auch die Pest in der Gegend. Es dauerte lange, bis sich Etterzhausen von diesen schweren Jahren erholte. Das Schloss wurde neu aufgebaut und erhielt nach 1799 durch den damaligen Besitzer Friedrich Freiherr von Dittmer seine heutige klassizistische Überformung. Dabei wurde das Schloss auch erweitert. Das zweigeschossige Walmdachgebäude mit seinem markanten, achteckigen Turm, war nun weithin sichtbar. Aufgrund der vom derzeitigen Eigentümer vorgelegten baugeschichtlichen Forschungen ist das Schloss mittlerweile vom Bayerischen Wissenschaftsministerium als „überregional bedeutend“ eingestuft.

Neben dem Schloss ließ Freiherr von Dittmer 1804 eine Schule einrichten. Auch das benachbarte Brauhaus baute er wieder auf – samt einer Schlossschänke. 1883 gingen das Schloss sowie das Gut mit einer Fläche von fast 500 Hektar an Ernst Fromm, den Hüttenwerksdirektor der Maxhütte. Im Empiresaal, den man durch eine freischwebende Holztreppe, ausgeleuchtet mit wertvollen Leuchtern aus venezianischem Murano-Glas vom Empfangssaal aus erreichte, durfte die Gemeinde Etterzhausen ein Trauzimmer einrichten. Im Nordflügel wurde die Gemeindekanzlei untergebracht.

Als Ernst Fromms Enkel Rüdiger 1989 mit 61 Jahren starb, wurde das Schloss Etterzhausen nicht nur zum verlassenen Ort, sondern auch zum Streitobjekt. Denn Fromm hatte, entgegen seinen vorherigen Ankündigungen, wie Knott sagt, nicht die Gemeinde Nittendorf als Erben eingesetzt, sondern den Kinderschutzbund München.

Dieser hatte zunächst große Pläne: das Schloss sollte zu einer Tagungsstätte samt Fortbildungszentrum für Erwachsene werden. Vier Jahre nach dem Tod des letzten Besitzers machte der Kinderschutzbund das wertvolle Mobiliar zu Geld und legte die Umbaupläne auf Eis. Die Gemeinde sicherte sich einen hölzernen Schrank aus dem Jahr 1620, der heute mit einem Portrait von Kommerzienrat Fromm im Verwaltungsgebäude steht.

Mobiliar wurde versteigert

Als der Maler Buchheim Interesse an dem Schloss bekundete, blitzte er beim Kinderschutzbund ab. Man wolle den gesamten Besitz verkaufen, also mit dem Schloss auch das Gut mit Wäldern und Fischweihern. Da überlegte es sich Buchheim anders, sehr zum Bedauern der Gemeinde. Wenig später änderte der Kinderschutzbund erneut seine Pläne und fing nun doch an, das Erbe in Teilen zu veräußern.

Das Schloss wurde nach langem Kampf, in den sich bundesweit die Presse einschaltete weil sich die Vorsitzende des Kinderschutzbundes fürstlich für die Verwaltung des Frommschen Erbes entlohnen ließ, an einen Regensburger Kaufmann verkauft. Er saniert es bis heute fortlaufend und bewohnt einen Teil der Anlage selbst. Wie er der MZ sagte, will er in absehbarer Zeit, nach Abschluss der umfangreichen Instandsetzungsmaßnahmen – insbesondere im Empiresaal –, einen Teil der öffentlichen Nutzung zuführen.

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