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Digitales Singen

Der Kirchenchor unter Resi Dinauer probt jetzt virtuell über Video.
Von Ingrid Kroboth

Chorprobe am Bildschirm – besser als nichts.  Foto: Helmut Pomplun
Chorprobe am Bildschirm – besser als nichts. Foto: Helmut Pomplun Foto: Helmut Pomplun

BERATZHAUSEN.Chorgesang ist in Zeiten von Corona ein schwieriges Thema. Kirchenmusikerin Resi Dinauer hat sich deshalb für die Sängerinnen und Sänger ihrer vier Chöre etwas einfallen lassen. Erst ganz vorsichtig, inzwischen schon recht professionell, lädt sie regelmäßig zur digitalen Chorprobe per Video-App Zoom ein. Die Noten für den Kirchenchor, etwa für das „Largo“ von Georg Friedrich Händel oder das „Magnificat“ von Alan Wilson, hatte Dinauer nach Stimmlagen sortiert im Chorraum zur Abholung ausgelegt. Dort konnten die Noten nach Anmeldung und selbstverständlich unter Einhaltung des Sicherheitsabstands abgeholt werden.

Ausprobiert hatte Dinauer die Technik erstmals mit den „Choryphäen“, dem etwas jüngeren Ensemble, das es mittlerweile auch schon gut 40 Jahre gibt. Erst im zweiten Schritt wagte die Chorleiterin die digitale Chorprobe auch mit dem Kinderchor und den Jugendlichen der „Schiefen Töne“. Bei den Kleinen säßen dann oftmals auch die Geschwister mit am Computer und trällerten vermutlich kräftig mit, freut sich Dinauer.

So genau weiß die Kirchenmusikerin das aber nicht, denn wie viele Sängerinnen und Sänger in ihren vier Wänden die Töne falsch oder richtig treffen, kann sie über die Zoom-App tatsächlich gar nicht hören. Es dürfte also so eine Art „Corona-Freistil“ sein, was die Chormitglieder aus dem machen, was Resi Dinauer – wiederum bei sich zu Hause – auf dem Klavier vorspielt und singt. Denn sobald die Einzelstimmen geprobt sind und sich dann alle auf ihre Noten konzentrieren, ist die Übertragung stumm geschaltet. Die Sängerinnen und Sänger hören zwar ihre Chorleiterin, doch nicht sich selbst, und auch nicht ihre anderen Chorkolleginnen und -kollegen. Und doch singt keiner allein vor sich hin, denn man sieht ja die anderen auf dem Bildschirm – hingebungsvoll schmetternd – fast so, als säßen alle im Probenraum im Rückgebäude des Pfarrhauses.

Und wer ist am aktivsten mit dabei? Nicht die Jungen und auch nicht die Jüngsten. Im Gegenteil, es ist der eigentlich an Überalterung leidende Kirchenchor, der seit 125 Jahren besteht, und der nun schon seit Wochen jeden Freitag ab 19.30 Uhr Marienlieder und kirchliche Chorliteratur probt. Bei der jüngsten Runde saßen 17 Sängerinnen und Sänger an den Bildschirmen und freuten sich über das mediale Wiedersehen. Ein 80-jähriges Chormitglied kaufte sich gezielt für die Zoom-Proben ein Tablet, andere nutzen den Computer der Kinder oder eben den eigenen. Positiver Effekt dieser alternativen Art von Chorprobe: Man lenkt sich gegenseitig nicht mit schiefen Tönen ab und gewinnt dadurch möglicherweise sogar an Selbstvertrauen. Und doch fehlt etwas: Gemeinschaft und die vertraute Stimme von nebenan.

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