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Geschichte

Dörfer und Pfarrei zogen 1938 um

Zum Pfarrfest in Wolfskofen werden bei manchen Bewohnern Erinnerungen wach – an die alte Heimat auf dem heutigen Truppenübungsplatz Grafenwöhr.
Von Karl Matok, MZ

  • Vermutlich zum letzten Mal stellten sich die Wolfskofener Pfarreiangehörigen vor der Kirchenruine Pappenberg zum Gruppenfoto. Foto Matok
  • Die prächtige Inneneinrichtung der Kirche Pappenberg wurde in die neu gebaute Kirche in Wolfskofen integriert. Foto: Matok

WOLFSKOFEN. Pfarreiangehörige und Neubürger der Pfarrgemeinde Wolfskofen feiern morgen am Fest „Mariä Himmelfahrt“ das Patrozinium ihrer Pfarrkirche. Dabei können sie in ihrer Feierlaune am 75. Jahrestag auf ihre Umsiedlung von der früheren Pfarrei Pappenberg im heutigen Truppenübungsplatz Grafenwöhr nach Wolfskofen zurückblicken.

Zum 1. April 1938, vor 75 Jahren, galt es für über 3500 Bewohner aus 17 politischen Gemeinden mit 58 Ortschaften und Weilern wegen Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr Abschied von der angestammten Heimat zu nehmen und sich in der Fremde eine neue Heimat aufzubauen. Darunter waren auch 25 Landwirtsfamilien aus dem Raum Pappenberg, Leuzenhof, Haag, Hermannshof, Hopfenohe, Höhenberg, Braunershof, Walpershof, Langenbruck, Kittenberg und Eschenbach in der Oberpfalz, die Haus und Hof verlassen mussten und heute in Wolfskofen, Roith, Allkofen, Auhof und Gengkofen eine neue Heimat fanden.

Neue Hofstellen auf dem fürstlichen Gut

Die Neuansiedlung der Landwirtsfamilien erfolgte über die Reichumsiedlungsstelle (RUGES) Berlin, Außenstelle Schwandorf, die auf dem ehemaligen 1300 Tagwerk großen fürstlichen Gut Wolfskofen mit den Hofaußenstellen Auhof und Roith landwirtschaftliche Hofstellen errichten ließ. Die Familien stammten aus den drei Pfarreien Pappenberg, Haag, Hopfenohe und aus der Expositur Langenbruck, die ebenso wie deren politische Gemeinden aufgelöst wurden.

Mit den Familien ging auch der damalige letzte Pfarrer von Pappenberg, Wolfgang Ederer, mit, der die gesamte Einrichtung der denkmalgeschützten Pfarrkirche Pappenberg nach Wolfskofen transferieren ließ. In der ab 1939 erbauten Kirche Wolfskofen steht im nüchternen Raum eine feine, fränkisch-barocke Ausstattung mit nicht weniger als fünf Altären. Die Kirche ist die einzige, die die Nationalsozialisten trotz vieler Baueinstellungen für die Umsiedler erbauen und bezahlen mussten, da die Nazis die Pfarrpfründe in Pappenberg vereinnahmten.

Schule und Gemeinde aufgelöst

Am 29. Mai 1949 erfolgte die Einweihung der Kirche durch Erzbischof Michael Buchberger. Erst 1947 wurde den engagierten Umsiedlern ein Schulunterricht in Wolfskofen unter großen Schwierigkeiten genehmigt. Der Schulhausbau erfolgte erst 1950. Dies alles ist heute Vergangenheit. Die Schule wurde zum 31. Juli 1974 aufgelöst, die Gemeinde Rosenhof-Wolfskofen wurde im Rahmen der Gebietsreform zum 1. Mai 1978 nach Mintraching eingegliedert.

Bestand hat noch die kleine Pfarrei mit fast 700 Seelen, die aber keinen eigenen Pfarrer mehr hat. Der letzte Ruhestandsgeistliche Adolf Ritzinger verstarb am 21. Dezember 2009 in Wolfskofen. Heute ist eine Vielzahl der älteren Umsiedler bereits verstorben. Die damaligen Kinder und Jugendlichen haben heute bereits das 75. Lebensjahr überschritten. Jedoch sind bei den noch über 15 lebenden Nachkommen viele Erinnerungen wach geblieben. Als älteste Pfarrangehörige und Umsiedlerin darf die 92-jährige Anna Schreglmann aus Auhof genannt werden.

Nur an wenigen Tagen zugänglich

Wegen Gefahren und der Lage in den Schießbahnen, am Rande des Artillerie-Zielgebiets (Impact Area) seien die ehemaligen Dörfer, heute Wüstungen, nur an wenigen Tagen im Jahr zugänglich. Über die Heimatvereine Eschenbach und Grafenwöhr konnten bereits viele Fahrten und Besuche zu den ehemaligen geschichtsträchtigen Dorfstellen unternommen werden. 2010 hielt Weihbischof Reinhard Pappenberger, ein gebürtiger Grafenwöhrer, vor der Kirchenruine Pappenberg eine Andacht mit Segnung eines Gedenkkreuzes. Auf die einst stattlichen Dörfer weisen nur noch wenige Grundmauern hin. „Mächtig und stark trotzen die Mauern der einst prachtvollen Marienkirche von Pappenberg dem Verfall.

„Möcht noch einmal dorthin kommen, wo einst stand die traute Stätte, wo zur Schule ich gegangen, meine Kindheit ich erlebte“. So lautet eine Strophe des Gedichts „Heimweh“ vom „alten Dohler“, dem Haager Heimatdichter Erhard Trummer.

Vermutlich die letzte Fahrt

Bundeswehr-Oberstleutnant Georg Schreglmann aus Roith, dessen Vorfahren und Vater aus Höhenberg, Landkreis Eschenbach, stammen, ermöglichte im März 2011 für die heutigen Nachkommen vermutlich die letzte Fahrt zu den ehemaligen Dorfstellen auf dem Truppenübungsplatz, die die Kinder und Enkelkinder nach der Umsiedlung nicht mehr betreten haben bzw. noch nie gesehen hatten. Der Besuch der früheren Heimat und Geburtsstätte der Großeltern und Eltern erfüllte die Nachfahren mit Wehmut, andererseits aber auch mit Dankbarkeit, nochmals in das gesperrte Gebiet kommen ui dürfen.

Das Kirchenpatrozinium war früher in Wolfskofen ein großer Festtag im Kirchenjahr. So ist 1949 schriftlich in den Pfarrunterlagen festgehalten, dass bereits um 7 Uhr eine Messe war. Um 9 Uhr erfolgte die Kräuterweihe, Predigt und der Pfarrgottesdienst zum Hauptfest der Marianischen Männer-Kongregation (MMC) mit Generalkommunion der Sodalen, des Burschenvereins und der Jungfrauen-Kongregation. Um 14 Uhr erfolgte noch eine Prozession durch das Dorf.

Das Programm zum Pfarrfest

Um 9 Uhr Festgottesdienst mit Pfarrer Anton Dinzinger aus Scheuer. Die Landfrauen verkaufen Kräuterkränzchen und -buschen. Danach Pfarrfest im Garten der Gaststätte „Alte Schule“.

Ab 11 Uhr Mittagstisch, ab 13 Uhr Kaffee und Kuchen durch den Pfarrgemeinderat mit Verabschiedung von Pfarrer Anton Dinzinger.

Den Kindern werden interessante Rätsel und Spiele geboten, hierzu gibt es schöne Preise. Die Landjugend bastelt mit Kleinkindern, die Ministranten überraschen mit einem Sketch.

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