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Donaustaufer Pfarrer mit grünem Daumen

Der Sulzbacher Ruhestandsgeistliche Albert Köppl ist begeisterter Gärtner – und unternimmt jedes Jahr eine Wallfahrt.
Von Peter Luft

Pfarrer Albert Köppl liebt seinen Garten.  Foto: Peter Luft
Pfarrer Albert Köppl liebt seinen Garten. Foto: Peter Luft

Donaustauf.„Er hätte auch Profi-Fußballer, Sänger oder Gärtner werden können“, beschrieb der Pfarrer Erich Renner seinen Vorgänger Pfarrer Albert Köppl vor fünf Monaten zum 85. Geburtstag des Ruhestandsgeistlichen. Seinen grünen Daumen stellt Köppl beim Besuch des MZ-Reporters eindrucksvoll unter Beweis. Beinahe akrobatisch balanciert der Geistliche über drei wackelige Steinstufen in sein Gartenparadies. Dort ist der Bischöflich Geistliche Rat in seinem Element und blüht mit den Blumen um die Wette. Nebenan im Gemüsebeet wurzeln tief die Roten Rüben, Endivienpflänzchen sprießen frech aus dem Boden. Schnittlauch und Porree stehen Spalier. Gelbe Rüben sind erntereif und auch die knallroten Tomaten warten darauf, gepflückt zu werden.

Die Dahlie ist hartnäckig

„Die Dahlie gehört zu meinen Lieblingsblumen. Sie ist sehr hartnäckig und blüht recht treu“, erzählt Pfarrer Köppl. Er kann im kommenden Jahr sein 60-jähriges Priesterjubiläum feiern. Momentan kämpft der Ruhestandsgeistliche mit einer Tomatenschwemme. „Ich war eine Woche mit 60 Pilgern auf Wallfahrt in Medjugorje. Da sind die roten Früchte reif geworden“, sagt Köppl beim Blick auf die prallen Stauden. Der Ruhestandsgeistliche weiß sich auch handwerklich zu helfen. Die Überdachung seines Tomatenbeetes hat er selbst gezimmert.

Der Wallfahrtsort Medjugorje

  • Auslöser:

    Am 24. Juni 1981 um 18 Uhr sahen sechs Jugendliche auf dem Berg bei Medjugorje eine weiße Gestalt mit einem Kind am Arm, die sie als Gottesmutter erkannten.

  • Seher:

    Am nächsten Tag zur selben Zeit fühlten sich vier Jugendliche stark zu dem Ort hingezogen und bildeten fortan die Gruppe der Seher, die tägliche Erscheinungen hatte.

  • Untersuchung:

    17 Ärzte, Theologen und Psychiater stellten Untersuchungen an. Eine Sinnestäuschung kann ausgeschlossen werden, lautete das Ergebnis.

Es war heuer Köppls 47. Wallfahrt nach Medjugorje. Es wird nicht seine letzte gewesen sein. „Denn ich habe mit der Gottesmutter einen Pakt geschlossen: Solange ich gesundheitlich kann, fahre ich jedes Jahr hin“, verspricht Albert Köppl. Bislang hat die Kirche das letzte Wort über den Marienwallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina noch nicht gesprochen. Aber es bewegt sich was. Papst Franziskus hat im Frühjahr 2019 Medjugorje als offizielle Wallfahrtstätte anerkannt, zu der wie nach Fatima und Lourdes ohne Einschränkung Pilgerwallfahrten durchgeführt werden dürfen.

Die Idee stammt von Gertraud Kestler. Seit 1986 organisiert sie mit Pilgern aus der Pfarrei Donaustauf und Umgebung die Pilgerreise nach Medjugorje. Kestler war schon bei Köppls Vorgänger, Pfarrer Hans Selch, in der Jugendarbeit der Pfarrei sehr engagiert. 33 Jahre lang war sie Albert Köppl als Pfarrsekretärin eine außerordentliche Stütze. Sie hatte in den 80er-Jahren vom Geschehen in Medjugorje erfahren und gehört, dass Jugendlichen dort die Gottesmutter erscheinen soll.

Die Kirche in Sulzbach: Hier wirkt der Ruhestandsgeistliche seit 15 Jahren.
Die Kirche in Sulzbach: Hier wirkt der Ruhestandsgeistliche seit 15 Jahren.

„Sie entschloss sich spontan: Da muss ich hin“, erinnert sich Köppl. Daraufhin unternahm sie mit ihrem Ehegatten Dr. Josef Kestler zunächst eine Vorausfahrt, auf die dann im Oktober die erste Fahrt mit einer größeren Gruppe folgte. Die ersten Jahre fuhren die Donaustaufer Pilger zweimal im Jahr nach Medjugorje im heutigen Bosnien und Herzegowina. „Es ist immer eine Erfahrung, dass es heute die Erscheinungen noch gibt“, sagt Köppl. Auch für ihn ist es ein Erlebnis, mit 700 Pilgern, 100 Priestern und zwölf Bischöfen aus allen Kontinenten zusammenzukommen. „Hier wird das Übernatürliche natürlich. Es ist zu Recht ein Ort des Friedens“, schwärmt Pfarrer Köppl.

Regime ging gegen Wallfahrt vor

Nach den ersten sieben Erscheinungen um das Jahr 1980 schritt das kommunistische Regime im damaligen Jugoslawien gegen die Wallfahrten ein und sperrte den Berg der Erscheinungen für die Öffentlichkeit. Den Pilgern wurden die Pässe abgenommen. Die Jugendlichen wurden verhört, bedrängt und in die Keller gesperrt, erzählt Köppl, der auch von Priesterkollegen weiß, die verhaftet wurden. Die Verehrung als Marien-Wallfahrtsort sollte damit verhindert werden – allerdings ohne Erfolg. „Die Erscheinungen gingen auf den Feldern und im Wald weiter und wurden schließlich von der Kirche sehr akribisch untersucht“, sagt der frühere Donaustaufer Pfarrer.

Der Bischöflich Geistliche Rat wirkt seit genau 48 Jahren in der Pfarrei. 33 Jahre wirkte er in St. Michael in Donaustauf. Seit 15 Jahren betreut er als Ruhestandgeistlicher die Filialgemeinde St. Martin und wohnt im Pfarrhof in Sulzbach. Zur Messe in der Wehrkirche muss er jeweils 30 Stufen hinaufsteigen. „Ich fühle mich hier gut aufgehoben. Es ist eine schöne Gemeinschaft. Sulzbach ist für mich so ein Zuckerl zum Ausklingen“, sagt Köppl über seine Gemeinde. Solange er die Kraft habe, werde er hier die seelsorgerischen Dienste weiter verrichten, verspricht er. „Ich will dem Menschen noch Halt im Glauben geben“, sagt der Geistliche. Hochzeitsmessen zelebriert er allerdings jetzt nicht mehr. Man kann im Alter nicht mehr alles mitmachen“, weiß er durchaus, wo seine Grenzen sind.

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