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Versorgung

Dorfladen verkauft auch Menschlichkeit

Die Landtagsabgeordnete Tanja Schweiger (Freie Wähler) befasste sich mit Möglichkeiten der Nahversorgung. Es gibt im Landkreis positive Beispiele.

Dorfläden können funktionieren. Davon sind MdL Tanja Schweiger (links), Dorfladenexperte Wolfgang Gröll und Brennbergs Bürgermeisterin Irmgard Sauerer überzeugt. Foto: Hillebrand

Mintraching.Zukunft, Perspektive, Bürgerbeteiligung, Dorferneuerung - all das sind erst mal häufig verwendete, aber auch leere Wort-Blasen. Wie man sie mit Inhalten füllen kann, zeigte die Landtagsabgeordnete Tanja Schweiger (Freie Wähler) zusammen mit dem Unternehmensberater für Dorfläden Wolfgang Gröll und der Brennberger Bürgermeisterin Irmgard Sauerer in Mintraching. „Das lebendige Dorf“ war die vorerst letzte Station ihrer Themenreise durch den Landkreis.

Die Frage war, was getan werden muss, um einen Ort attraktiv und lebendig zu gestalten, damit er neue Bewohner und insbesondere junge Familien anzieht. Die Wunde, in die die Landratskandidatin der FW ihren Finger legte, ist gekennzeichnet von unzureichender Nahversorgung und davon, dass sich Einzelhändler und auch Gasthäuser in manchen Ortschaften oft nicht mehr halten können.

Allerdings sei es nicht damit getan, auf die Schwachstellen oder die Probleme hinzuweisen, betonte Schweiger. „Es ist wichtig, dass wir Beispiele suchen, wo es im Landkreis gut läuft, um damit Mut machende Beispiele zu präsentieren – wie eben die Dorfschänke in Mintraching mit einer „Geschichte, die zum Thema passt.“ Diese Geschichte trug Gemeinderat Johann Griesbeck vor, der zusammen mit weiteren Helfern die ehemalige Gaststätte in rund 1200 Arbeitsstunden renovierte – ehrenamtlich. Die Kommune übernahm die Materialkosten sowie die Verpflegung für die „Rentnerband“, wie Griesbeck erklärte.

Anschließend stellte Bürgermeisterin Sauerer das Brennberger Spital vor, ein ehemaliges Armenhaus, das heute als Mehrzweckhaus für verschiedenste Anlässe dient. 1974 war die letzte Familie ausgezogen. Die Kommune übernahm die Reparaturarbeiten, ohne eine konkrete Nutzung im Sinn zu haben. Mit der Leader-Förderung kam Bewegung in die Sache, allerdings sah sich die Gemeinde nicht in der Lage, die Restfinanzierung allein zu stemmen. Darauf gründeten Bürger eine Genossenschaft, die 40000 Euro zur Verfügung stellte. Das Spital gehört der Gemeinde, die Genossenschaft hat ein Nutzungsrecht für 20 Jahre. Sonntags sei regelmäßig geöffnet, erklärte Sauerer. Man wolle aber damit „unseren vier Wirten keine Konkurrenz machen“. Die Philosophie sei es, regionale Produkte zu vermarkten.

Der von Tanja Schweiger als Deutschlands „Dorfladenexperte“ vorgestellte Wolfgang Gröll erklärte, „wir haben kein Konzept“. Er habe festgestellt, dass ein Dorfladen vor allem dann erfolgreich installiert werden kann, „wenn jedes Dorf sein eigenes Konzept erstellen darf, das in die Situation vor Ort passt“. Der Genossenschaftsgedanke spiele dabei eine große Rolle.

Für viele der zahlreich erschienenen Besucher dürfte der Hinweis in Erinnerung bleiben, dass Deutschland, obwohl als Discount-Weltmeister bekannt, größtenteils als unterversorgt gilt. Andererseits werde ein Dorfladen nie die umliegenden Supermärkte ersetzen. Vielmehr müsse die Wirtschaftlichkeit eines Dorfladens „darauf aufgebaut werden, dass die Konsumenten immer noch zu 80 bis 90 Prozent woanders einkaufen“.

Die potenziellen Käufer teilt Wolfgang Gröll in drei Gruppen, wobei sich hinsichtlich des Sortiments und der Preisgestaltung zwei von ihnen „beißen“: zum einen die „Hab-ich-vergessen-Kunden“ und auf der anderen Seite die Bedürftigen. Während die Vergesslichen bereit seien, fast jeden Preis zu zahlen (siehe Tankstellen-Sortiment), müssten die Bedürftigen vor dem Kauf jeden Cent mehrmals umdrehen. Es habe sich gezeigt, dass Dorfläden dann Erfolg haben, wenn sie sich auf die dritte Kundengruppe konzentrieren, die das Besondere sucht. Dazu gehöre nicht zuletzt, dass das Sortiment von Frische und Regionalität geprägt sei. Hinzu komme ein freundliches und herzliches Auftreten der im Dorfladen Beschäftigten.

Als zweckmäßigste Organisationsform biete sich die „Bürgergesellschaft mit genossenschaftlichen Werten“ an - als da sind: Selbstverantwortung, Selbstbestimmung und Selbstverwaltung. Dabei ergebe sich bei Entscheidungen das Gewicht einer Stimme nicht aus der Menge der gezeichneten Anteile, sondern folge dem demokratischen Prinzip „gleiches Recht für alle“. In der „Sorge um die lokale Gemeinschaft“ dürfe es nicht darum gehen, Gewinn zu machen, sondern darum, die „regionale Versorgung sicherzustellen“, zog Wolfgang Gröll etwaigen Renditeinteressenten den Zahn.

Ein willkommener Nebeneffekt in den Kommunen mit florierenden Dorfläden sei der wieder zurückgekehrte „Dorfnachrichtendienst“. Und ein „Dorfladen verkauft das Lebensmittel Menschlichkeit“, ergänzte der am Starnberger See ansässige Unternehmensberater. Zweiflern diktierte er abschließend ins Notizbuch: „Ob eine Sache funktioniert oder nicht, erfährst du nicht, wenn du darüber nachdenkst, sondern wenn du es ausprobierst“. Selbstverständlich stehe er mit Rat und Tat zur Verfügung. Auf die Frage aus dem Publikum, in welche Höhe man in Vorleistung gehen müsse, um mit einem Dorfladen zu beginnen, erklärte Herr Gröll, dass ca. 4.000 Euro reichen, da es auch staatliche Zuschüsse für diesen Prozess gebe.

Tanja Schweiger verriet, dass bereits eine Gemeinde im Landkreis Regensburg in der Abstimmung des Prozesses mit Herr Gröll ist.

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