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Landwirtschaft

Drescherfest zeigte alte Tradition

Das Fest in Matting zog viele Interessierte an. Eindrucksvoll zeigten die Arbeiter die schweren Techniken von früher.
Von Josef Eder

Der Roggen wurde vor mehreren Wochen mit den Sensen gemäht. Foto: Josef Eder
Der Roggen wurde vor mehreren Wochen mit den Sensen gemäht. Foto: Josef Eder

Pentling.Nach sechs Jahren veranstaltete der Krieger- und Reservistenvereins Matting wieder sein Drescherfest. Viele Besucher kamen am Sonntagnachmittag auf die Festwiese zwischen der Donaufähre und der katholischen Pfarrkirche St. Wolfgang. Moderiert hat die Veranstaltung Alois Eisvogel. Eine Neuerung hatten die Mattinger: Der neunjährige Wallach namens Hades zog den Erntewagen, auf dem das Roggengetreide aufgeschichtet war, auf den Platz. Seine Besitzer Stilla und Werner Krammel aus Bad Abbach führten den Rappen. Stilla Lammel erzählte, dass das Pferd aus dem österreichischen Pongau stammt. Es ist als Kutsch- und Reitpferd ausgebildet. Im Winter wird es auch zum Holzrücken im schwerzugänglichen Gelände eingesetzt.

Roggen mit Sensen gemäht

Georg Appoltshauser an der Windmühle: Wie in einer Zentrifuge fallen hier die schwereren Körner nach unten. Foto: Josef Eder
Georg Appoltshauser an der Windmühle: Wie in einer Zentrifuge fallen hier die schwereren Körner nach unten. Foto: Josef Eder

Der Roggen wurde vor mehreren Wochen mit den Sensen gemäht, aufgesammelt und ökologisch mit auf dem Felde hergestellten Strohhalmbändern gebündelt. Neun Garben bildeten ein Kornmandl, durch das der Wind pfeifen und es trocknen konnte.

Zuerst wurde das Drischeldreschen von Frauen und Männern im Viererteam vorgeführt. Das Schwierigste dabei ist nicht nur den Dreschflegel zu schwingen, sondern den Takt zu halten. Man muss sachte aufschlagen, damit das Getreidekorn aus der Ähre fällt, und darf nicht zu stark schlagen, damit es nicht zerstört wird. Zuvor wurden die Ähren auf der Tenne aufgelegt. Dann hieß es im Viervierteltakt schlagen. Als die Männer mit mehr Kraft bei der Sache waren, riss das Befestigungsleder eines Drischels – schnell wurde es ausgewechselt und weiter ging es. Der Rhythmus ist wichtig, damit man nicht dem anderen eine draufhaut. Staubig war die Arbeit. Durstig und hungrig machte sie allemal. „Daher der Ausspruch: Essen wie ein Scheunendrescher“, kommentierte Eisvogel, der das alles in seiner Jugend mitgemacht hat.

Das ausgedroschene Stroh wurde mit einer Gabel angehoben. Ein Häufchen Körner war zu sehen. Die Körner wurden zusammengekehrt. Dann ging es in die Windmühle. Wie in einer Zentrifuge fielen die schwereren Körner nach unten. Alles andere wurde ausgeblasen. Kleinere Kinder holten sich Körner. „Die schmecken lecker, sind aber mit den Zähnen schwer zu knacken und staubtrocken“, meinte ein Sechsjähriger. Die restlichen Körner schob er in seine Hosentasche. „Die bekommen unsere Hühner oder die Tauben. Vielleicht mahlt sie Oma mit ihrer alten Kaffeemühle zu Mehl“, überlegte er und schob noch eine Kinderhand voll in die Tasche. Günther Tschage ein Mittsiebziger war an der Windmühle mit Begeisterung dabei.

Dann war es soweit. Der alte Lanzbulldog wurde gestartet. Knatternd mit einigen Aussetzern nahm er Fahrt auf. Die Zuschauer hinter der Absperrung staunten. Der Bauer Josef Grammel war auf der Dreschmaschine. Er führte die Halme in den Schlund der Maschine ein. Sohn Josef spießte vom Wagen die zusammengebundenen Garben auf die Plattform der alten hölzernen Dreschmaschine. Rita Wolf nahm sie entgegen und ihre Tochter Anna gab sie an den Bauern weiter. Zuvor schnitt sie sie mit einem Messer auf. Die getrockneten Halme waren scharf und so zogen sich viele Beteiligte kleine Schnittwunden zu.

Arbeitsgeräte beim Dreschen

  • Dreschflegel:

    An einem hölzernen Stiel befindet sich der sogenannte Flegel, ein circa sechs bis acht Zentimeter dicker, grob bearbeiteter Holzprügel aus Hartholz.

  • Windmühle:

    Ein Kasten wird per Handkurbel angetrieben. Mit Propeller und Rüttelsieb fallen Körner in einen Behälter. Spelzen werden vom Wind davongetrieben.

  • Dreschmaschine:

    Die Maschine löst die Körner aus den Ähren heraus. Früher zog die Maschine ab Herbst von Bauernhof zu Bauerhof. Um 1960 wurde sie vom Mähdräscher abgelöst.

Mattinger reagierten flexibel auf Probleme

Plötzlich ein Knall, der innere Riemen war gerissen – Maschine aus. Die flexiblen Mattinger reagierten schnell. Ein neuer Riemen wurde geholt, denn der viermal gerissene Riemen war nicht schnell zu reparieren. Mehr als eine Stunde später ging es weiter. All das tat dem Interesse keinen Abbruch.

„Wenn der Bauer keine Pause machen wollte, haben wir eine erzwungen“, lachte ein Mitsiebziger aus Großprüfening. Sein Gegenüber erzählte von listigen Knechten, die den Schalter an der elektrischen Anlage entsicherten. Meist wurde die Maschine mit einem transportablen Motor angetrieben. Grund war, dass den Männern die übervollen Getreidesäcke zu schwer wurden. Die Säcke, die mehr als einen Doppelzentner (100 Kilo) wogen, auf den Getreideboden über mehrere enge Treppen zu bringen, war eine harte, schweißtreibende Arbeit. Zeitgleich mussten noch das Ohm (die Getreidehülsen) weggeschafft sowie das leer gedroschene Stroh in die daneben liegenden Viertel eingebracht werden.

Ein gelungenes Fest war es wieder in Matting, das jedoch nur alle sechs oder sieben Jahre stattfindet. Die Dorfgemeinschaft des 300 Einwohner zählenden Ortes half zusammen. Jetzt freuen sich alle auf Samstag, 25. August, wenn ab 17 Uhr das Brotzeitfest der Feuerwehr vor deren Bootshaus stattfindet.

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