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Prozess

Drogen versteckt: Angeklagter gesteht

Ein junger Syrer soll kiloweise Stoff in seiner Wohnung im Kreis Regensburg versteckt und beim Transport geholfen haben.
Von Marion von Boeselager

Der Angeklagte verbarg sein Gesicht hinter einem Ordner, hier mit dem Dolmetscher und Verteidigerin Narine Schulz. Foto: Boeselager
Der Angeklagte verbarg sein Gesicht hinter einem Ordner, hier mit dem Dolmetscher und Verteidigerin Narine Schulz. Foto: Boeselager

Regensburg.Ein 23-jähriger Friseur aus Damaskus soll in seinem Zimmer in einer Flüchtlingsunterkunft in Hainsacker über 15 Monate hinweg Marihuana und Haschisch im zweistelligen Kilobereich gebunkert haben. Seit Montag, 14. Januar, steht der Flüchtling aus Syrien wegen Drogenhandels in nicht geringer Menge in 17 Fällen vor dem Landgericht. Er legte ein Teilgeständnis ab.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 23-Jährigen vor, von Februar 2017 bis Mai 2018 bei 15 Gelegenheiten in seinem Quartier jeweils mindestens fünf Kilo Haschisch oder Marihuana aufbewahrt zu haben – im Auftrag des Chefs einer mehrköpfigen Gruppe aus Arabern und Deutschen. Für seine Dienste als „Bunkerhalter“ habe er mindestens 7000 Euro Lohn erhalten.

Der junge Syrer soll im Sommer 2017 zudem eine aktive Rolle im Drogengeschäft übernommen haben: Laut Anklage fuhr er mit dem Auto in Begleitung seines Auftraggebers sowie zwei weiterer Komplizen mit 20 Kilo Marihuana an Bord von Hannover nach Regensburg und deponierte das zum Weiterverkauf bestimmte Rauschgift erneut in seinem Zimmer. Im Oktober 2017 soll er, erneut im Auftrag des Chefs, 22 Kilo Marihuana aus Stuttgart in Empfang genommen und bei sich verwahrt haben, so die Vorwürfe weiter. Der Stoff wurde ihm von zwei Drogenkurieren übergeben. Die beiden Kuriere wurden bereits vor dem Regensburger Jugendschöffengericht rechtskräftig zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Verfolgungsjagd mit der Polizei

Kurz darauf erhielten die beiden Kuriere vom „Chef“ in Reinhausen den Auftrag, erneut nach Hainsacker zu fahren. Nun sollten sie mehr als fünf Kilo Marihuana beim Angeklagten abholen und nach München und Traunreut liefern.

Mit der heißen Ware im Kofferraum gerieten das bekiffte und alkoholisierte Duo sowie ein dritter Mann in Kumpfmühl jedoch in eine Polizeikontrolle. Nach einer Verfolgungsjagd mit dem Streifenwagen gab der damals 18-jährige Fahrer, ein Azubi aus den Landkreis Traunstein, jedoch in Pentling die Flucht auf.

Aus Angst geschwiegen?

Der Angeklagte gab in einer über seine Anwältin Narine Schulz vorgetragenen Erklärung an, er habe „aus Angst“ vor Drohungen seiner Auftraggeber bisher keine Angaben gemacht. Nun wolle er sein Schweigen brechen: 2017 habe er den Chef der Gruppe und Mittäter kennengelernt. Man habe ihm, zunächst kostenlos, Cannabis gegeben. Später habe er dann aber seine Drogenschulden „nicht mehr zurückzahlen können“. Da habe ihm der „Chef“ vorgeschlagen, er solle eine Tasche mit Gras bei sich aufbewahren. Ein Mittäter brachte ihm danach „einen Rucksack“ vorbei, der „leicht nach Cannabis roch“. Er habe ihn aber weisungsgemäß nicht geöffnet. „Sieben bis zehn Mal“ wurde er nach seinen Worten um so eine Verwahrung gebeten. Als Lohn habe er Cannabis, ab und zu Kokain und Lebensmittel erhalten „Geld aber nie!“

„Ich hatte Angst. Sie drohten, mich zu töten.“

Der Angeklagte vor Gericht

„Beim letzten Mal“ habe ihm ein Mann aber eine große Reisetasche gebracht. „Klamotten“ seien drin, habe er gemeint. Der Angeklagte will hineingeschaut haben: Der Inhalt war Cannabis. Das sei ihm zu viel gewesen. Er rief den Chef an und weigerte sich, eine so große Menge zu deponieren, so die Erklärung weiter. Es sei zum Streit gekommen. Dann habe der Chef die Tasche wieder abholen lassen. „Da war ich froh.“

Einige Tage später, die Drogenfahrt nach Oberbayern war inzwischen durch die Regensburger Polizei vereitelt worden, seien der Chef und zwei weitere Männer bei ihm auf der Matte gestanden. Sie hätten ihm vorgeworfen, er habe die anderen bei der Polizei hingehängt. Er sei bedroht worden: Die Männer hätten Schläge und sogar seinen Tod angekündigt. Danach sei der Kontakt abgerissen.

Die Teilnahme an der ihm vorgeworfenen Drogenfahrt aus Hannover bestritt der Angeklagte jedoch.

Zeuge belastete Angeklagten

Einer der bereits rechtskräftig verurteilten Drogenkuriere, ein 30-jähriger Landsmann des Angeklagten, belastete seinen früheren Kumpel jedoch schwer: Der 23-Jährige sei sehr wohl bei der Kurierfahrt aus Hannover dabei gewesen. „Ich war selbst dabei, wie ihm der Chef den Auftrag dazu erteilte.“ Der Angeklagte habe zudem Haschisch-Transporteure, die mit der Bahn aus Berlin anreisten, am Bahnhof abgeholt und beim Verpacken der Drogen geholfen, erklärte der von Justizvollzugsbeamten vorgeführte Zeuge, und für seine Dienste Geld vom Chef erhalten. Zeitweise hätten die mit den Drogengeschäften befassten Männer zu viert in dem neun Quadratmeter kleinen Zimmer des Angeklagten gewohnt, was dieser jedoch bestritt. Auf Vorhalt der Verteidigerin, der Hausmeister der Unterkunft hätte das doch nie erlaubt, winkte der Zeuge kopfschüttelnd ab.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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