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Brauchtum

Ein Abend ganz so wie früher

Bei der Herbstsitzweil in Hemau lebten uralte Traditionen wieder auf. Dabei gab es auch ungewöhnliche Instrumente zu hören.
Von David Santl

Die alten bayerischen Instrumente sorgen auch heute noch für einen wohltuenden Klang. Foto: David Santl
Die alten bayerischen Instrumente sorgen auch heute noch für einen wohltuenden Klang. Foto: David Santl

Hemau.Samstagabend im Gasthof Ferstl-Bruckmeier in Hemau: Der Saal ist gut gefüllt. In der Mitte, wo eigentlich die Tanzfläche ist, stehen Tische nebeneinander. An ihnen sitzen verschiedene Musikgruppen, die immer abwechselnd aufspielen: ruhige bayerische Hausmusik auf der Zither und anderen traditionellen Instrumenten. Heutzutage wissen viele Menschen oft gar nicht mehr, wie gemütlich die Zeit früher war. Doch bei der traditionellen Herbstsitzweil des Gebietes Süd vom Oberpfälzer Gauverband der Trachtenvereine am Samstag konnten es die Besucher zumindest erahnen.

Kein Fernsehen, keine laute Partymusik und schon gar kein „Freizeitstress“: all das braucht ein echter Trachtler bei einer Sitzweil nicht. Und genau das macht den Reiz aus: Gemütlich beisammensitzen und den vielen Gruppen beim Musizieren lauschen – ganz wie früher eben. Ein bisschen hielt die moderne Technik aber doch Einzug an diesem Abend: Aber auch nur, um die Auftritte der Gruppen mit dem Handy zu filmen. Ansonsten hätten die Szenen im Bruckmeier-Saal genauso vor 100 Jahren stattfinden können.

Volle Bandbreite der Volksmusik

Die Gäste erlebten die volle Bandbreite an Volksmusik. Eins war aber besonders auffällig: Anders als es bei geselligen Runden vielleicht üblich ist, wird bei einer Sitzweil kaum geredet. Alle lauschen ruhig den Musikgruppen. „Absolutes Redeverbot gibt es natürlich nicht, aber zum Ratschen sind eher die Pausen da. So sind die Instrumente, die eigentlich recht leise sind, besser zu hören“, erklärt die Pressewartin des Hemauer Trachtenvereins, Heike Mirwald, während eines Musikbeitrags im Flüsterton. Mikrofone für die Instrumente gebe es bei einer Sitzweil im Normalfall nicht.

Aber natürlich durften auch einige Geschichten und Gedichte nicht fehlen, die mal zum Schmunzeln und mal zum Nachdenken waren. „Heute gibt es E-Scooter, Zähne aus Porzellan, Gelenke aus Plastik und vieles mehr. Die Technik ist ausgereift“, hieß es zum Beispiel in einem Text. Nur für das Gehirn gebe es sowas noch nicht.

Ein Kuss pro Stück Schokolade

Zwischen den Musikdarbietungen sorgten verschiedene Erzähler mit lustigen altbayerischen Geschichten für Erheiterung. Foto: David Santl
Zwischen den Musikdarbietungen sorgten verschiedene Erzähler mit lustigen altbayerischen Geschichten für Erheiterung. Foto: David Santl

Günther Späth erzählte eine Geschichte von einer jungen, hübschen Frau, die Schokolade kaufen wollte und fragte, wie viel ein Stück kostet. Der sichtlich hingerissene Verkäufer antwortete nur: „Ein Kuss pro Stück“ – und musste dann aber mit Enttäuschung feststellen, dass für die Bezahlung die Oma zuständig war.

Nach weiteren Musikstücken war Pause. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so voll wird“, freute sich Mirwald. Die Rechnung des Trachtenvereins, die ganze Bevölkerung einzuladen, ging auf: „Es sind viele ältere Hemauer da.“

Mit seinem außergewöhnlichen Musikinstrument sorgte Martin Gehrmann aus Painten für viel Bewunderung im Saal. Foto: David Santl
Mit seinem außergewöhnlichen Musikinstrument sorgte Martin Gehrmann aus Painten für viel Bewunderung im Saal. Foto: David Santl

Nach der Pause gab es weitere Musikstücke – teils auf sehr ungewöhnlichen Instrumenten, wie den „Fröschen“ von Martin Gehrmann aus Painten. Dabei handelte es sich um verschiedene Froschfiguren aus Holz. Wenn Gehrmann mit einem Stab darüberstrich, erzeugten sie einen eigenartigen Klang, der sich ein bisschen wie das Quaken von Fröschen anhörte. „Mit ihnen kann ich bei Musikstücken die Begleitung machen“, erzählt er. Die Frösche gebe es in verschiedenen Größen. „Ich hab mir einfach welche gekauft und sie auf ein Holzbrett geschraubt. In dieser Zusammensetzung gibt es sie sonst nirgends“, berichtete Gehrmann.

Auch die Jungen spielen auf

Bei der Herbstsitzweil gab es nicht nur ältere Musiker zu hören. So war auch eine Jugendgruppe aus Regenstauf mit dabei. Foto: David Santl
Bei der Herbstsitzweil gab es nicht nur ältere Musiker zu hören. So war auch eine Jugendgruppe aus Regenstauf mit dabei. Foto: David Santl

An einem anderen Tisch spielten drei Jugendliche vom Trachtenverein „Stamm“ Regenstauf auf. Und obwohl viele Jugendliche lieber auf Partys gehen, wollten sie eine Sitzweil nicht verpassen. „Dieses gemütliche Beisammensein macht einfach Spaß. Ich hab viele Freunde, die das auch mögen“, erzählte der 16-jährige Christian.

Nach dem offiziellen Teil musizierten alle Gruppen bunt gemischt. „Da tun sich dann Mitglieder aus verschiedenen Vereinen zusammen und spielen ganz ungezwungen“, erzählte der Musikwart des Gebiets Süd vom Oberpfälzer Trachten-Gauverband, Heinz Jaroschik. Auch er war sehr zufrieden. „Das sind alles Amateure, die aus Spaß an der Musik spielen“, freute er sich. Es würden auch nie die gleichen Lieder gespielt. „Das ergibt eine große Vielfalt“, so Jaroschik. Und noch etwas freute ihn besonders: „Es waren viele Jüngere da, so können wir die Traditionen fortführen“, erklärt er. Auch die Vorsitzende des Hemauer Trachtenvereines, Monika Köbler, war die Zufriedenheit anzumerken: „In der Stadt war ja auch noch anderes geboten, aber trotzdem war der Saal voll.“

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