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Freitag, 17. August 2018 31° 2

Holocaust

Ein Denkmal für NS-Opfer

Der Markt Lappersdorf hat Todesmarschsäulen aufgestellt. Die Steinpfeiler sollen an den Marsch ins KZ nach Dachau erinnern.
Von Josef Dummer

Die Säulen hat Ortsheimatpfleger Bernhard Frahsek entworfen. Gestalterisch umgesetzt wurden sie von der Steinmetzmeisterin Katarina Konrad. Foto: Dummer
Die Säulen hat Ortsheimatpfleger Bernhard Frahsek entworfen. Gestalterisch umgesetzt wurden sie von der Steinmetzmeisterin Katarina Konrad. Foto: Dummer

Lappersdorf.Es war am Sonntag, 15. April 1945, ein warmer Frühlingssonntag zwei Wochen nach Ostern: Das Bauerndorf Schwaighausen wartet auf das Ende von Krieg und Terror, doch zuvor wurden die Bewohner noch Zeugen von furchtbaren Verbrechen an Unschuldigen beim „Elendsmarsch durch Schwaighausen und Hainsacker“.

Die Szene wird im Buch „Lappersdorf – aus Geschichte und Gegenwart der Marktgemeinde“ beschrieben und jetzt auch im dritten Band des kürzlich erschienenen Landkreisbuches. Nach den Recherchen und den Aufzeichnungen von Erwin Hadwiger im Lappersdorfer Heimatbuch kam von Hubert Magdas vom VdK Hainsacker-Pettendorf die Anregung an Ortsheimatpfleger Bernhard Frahsek, eine Gedenkstätte in Form von Todesmarsch-Säulen zu errichten. Mit der Wissensgrundlage von Hadwiger und der Idee von Magdas begann Frahsek, einen Entwurf für das Denkmal zu gestalten.

Nähe und Symbolik vereinen

Dabei sollten nach seiner Vorstellung zwei Kriterien erfüllt werden: die Nähe zum Geschehen und die Symbolik dieser unglaublichen Taten. Schnell habe sich als Standort Schwaighausen herauskristallisiert, wo einst ein Lager der Gefangenen, genauso wie in Hainsacker auf der Prößlwiese angesiedelt war. Mit fortschreitendem Denkprozess und nach Gesprächen mit Bürgermeister Christian Hauner sowie mit dem Kulturausschuss entwickelte sich laut Frahsek die Idee, ein Denkmal zu Beginn des damaligen „Todesmarsches“ und ein Denkmal beim Verlassen des Gemeindegebietes über Rohrdorf in Richtung Pielenhofen zu erstellen, um den „Weg des Elends“ aufzuzeigen. Als Symbolik von „Leben, Gewalt und Tod“ entwarf Frahsek eine Säule in Form eines Wegweisers. Die Steinsäule besteht aus regionalem Kalkstein, auf drei Seiten glatt als Symbol für Leben und Hoffnung, auf der anderen Seite rau und gebrochen als Symbol für Elend und Tod und gleichzeitig als Träger der Inschrift. Ein Balken aus wuchtigem Altholz sollte die Funktion eines Wegweisers haben, „aber verwittert und schräg nach unten zeigend als Symbol für abwärts in den Tod“.

Die Inschrift

Wuchtige Eisenbolzen, die in den Balken gerammt sind, stellen symbolhaft die „Gewalt der NS-Herrschaft“ dar. Um den Inhalt der Inschrift wurde nach Aussage von Frahsek lange gerungen, da diese aussagekräftig und gleichzeitig kurz sein sollte. Aus den Textentwürfen von Frahsek und Hadwiger entstand schließlich eine gemeinsame Version: „April 1945 – Todesmarsch vom KZ Hersbruck zum KZ Dachau – In Hainsacker/Schwaighausen am Ende der NS-Gewaltherrschaft – mitten unter uns – 10 Menschen ermordet.“

Für die Umsetzung des Entwurfs wurde die Steinmetzfirma Birkenseer aus Lappersdorf beauftragt. Steinmetzmeisterin Katarina Konrad war für die gesamte Umsetzung und Durchführung verantwortlich und in ständigem Austausch mit dem Ortsheimatpfleger.

Das Altholz wurde von der Firma Karl Rödl (Oppersdorf) gespendet, die Eisenarbeiten übernahm Karl Baumer (Lorenzen) und der Bauhof des Marktes Lappersdorf sorgte für die Betonierung der Fundamente. Die Familie Auburger aus Schwaighausen gestattete die Nutzung eines Grundstücks, die Bayerischen Staatsforsten die Nutzung des Waldstücks an der Kreisstraße. Kürzlich wurden die Zeitdokumente an den beiden Standorten aufgestellt, eine Feier mit ökumenischer Segnung soll es am 15. April, dem Jahrestag der Todesmärsche, geben. Wie diese Märsche durch Schwaighausen und Hainsacker abliefen, hat Erwin Hadwiger nach vielen Recherchen und Befragungen von Zeitzeugen aufgezeichnet.

Im Mai 1944 wurde das Konzentrationslager Hersbruck errichtet, um unterirdische Produktionshallen für Messerschmitt-Flugzeugmotoren in den Berg Houbirg zu graben. 8000 Häftlinge aus 26 Ländern erstellten bis April 1945 einen 3,5 Kilometer langen Stollen. Die Produktion wurde nicht mehr aufgenommen, denn noch im April 1945 wurde das Lager vor der anrückenden US-Army geräumt. Von den 4600 Häftlingen wurden 1600 Schwerkranke in Eisenbahnwaggons nach Dachau deportiert, die übrigen 3000 Häftlinge in fünf Kolonnen von 600 Wachmännern der Waffen-SS zu Fuß nach Dachau getrieben.

Zwei dieser Marschkolonnen machten zwischen dem 15. und 18. April 1945 auf ihrem 200 Kilometer langen Marsch Halt in Hainsacker und Schwaighausen. 600 Gefangene lagerten in Hainsacker auf der Prößl-Wiese, 600 in Schwaighausen vor den Anwesen Jobst und Eberwein. Die 1200 hungrigen Männer, viele von ihnen krank und am Ende ihrer Kräfte, wurden von 200 SS-Soldaten bewacht und zum Teil wie Tiere behandelt. 80 kranke Gefangene sollten erschossen werden. Der Pfarrer und Lagerschreiber Hans Friedrich Lenz konnte dies verhindern. Nicht verhindern konnte er, dass in Schwaighausen sieben und in Hainsacker drei Männer willkürlich erschossen oder erschlagen wurden.

Tote wurden exhumiert

Die Toten von Hainsacker und Schwaighausen wurden notdürftig verscharrt. Nach Kriegsende befahlen US-Soldaten den ehemaligen örtlichen NSDAP-Funktionären, die Leichen in einem Sammelgrab auf dem Friedhof von Hainsacker zu bestatten. Das Grab wurde von der Gemeinde gepflegt. Am 20. Oktober 1957 exhumiert, ruhen die zehn Toten seitdem auf dem Ehrenfriedhof in Flossenbürg.

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