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Erinnerung

Ein neues Bilderbuch für Hemau

Hans Ernst hat rund 200 Fotos aus 150 Jahren gesammelt. Nun haben er und Stefan Mirbeth einen Teil als Buch veröffentlicht.
Von Heiner Stöcker

Hans Ernst (v.li.), Ernst Böhm, Stefan Mirbeth und Martina Osecky haben an dem Buch gearbeitet. Foto: Stöcker
Hans Ernst (v.li.), Ernst Böhm, Stefan Mirbeth und Martina Osecky haben an dem Buch gearbeitet. Foto: Stöcker

Hemau.Was bringt eine Sammlung, wenn man andere nicht daran teilhaben lassen kann? Hans Ernst kam 2016 auf den Kulturstadel zu und stellte seine Idee vor. 2000 historische Bilder aus Hemau hatte er in seinem Fundus. Damit lief er beim Verein offene Türen ein. „Für uns vom Kulturstadel war das eine ideale Geschichte“, sagt Kulturstadel Hemau-Vorsitzender Stefan Mirbeth. „Wir verstehen Kultur auch als Brauchtums-Förderung. Und gerade was Heimatgeschichte und was Brauchtum anbelangt sind da viele Punkte inbegriffen.“ Im Januar 2017 öffnete die Ausstellung im Zehentstadel mit rund 1000 Bildern.

„Teilweise aus der Zeitung, teilweise von Hemauer Bürgern, alte Postkarten und auch eigene Aufnahmen sind dabei“, sagt Hans Ernst. Einen offiziellen Archiv-Auftrag hatte er nie. Im Gegenteil: Der Hemauer Stadtarchivar kam zu Ernst und holte sich die eine oder andere Aufnahme für sein Archiv. „Ich bin Sammler“, und die Bilder sind seine Leidenschaft. Passend dazu sammelt er auch noch alte Kameras. Rund 300 nennt er inzwischen sein Eigen. Und die brauchen deutlich mehr Platz als die Bildersammlung.

Im Video erklären die Buchmacher ihre Arbeit

Video: Heiner Stöcker

Digitale Technik

„Ich hab’ fast keine Abzüge – keine Originale. Ich habe die Aufnahmen entweder eingescannt oder abfotografiert. Ich fahre zu den Leuten auch hin.“ Viele Bilder kämen von Privatpersonen, und die wollten ihre Schätze und Erinnerungen nicht aus der Hand geben. „Die digitale Technik macht’s möglich, dass alle was davon haben.“

Ansichten: Auf alten Postkarten präsentiern sich im Buch eine Reihe von früheren Gemeinden, die seit der Gebietsreform zur Stadt Hemau gehören. Darunter sind unter anderem Haag, Klingen, Berletzhof und „Eichkirchen“ (alte Schreibweise). Foto: Hans Ernst/Stefan Mirbeth
Ansichten: Auf alten Postkarten präsentiern sich im Buch eine Reihe von früheren Gemeinden, die seit der Gebietsreform zur Stadt Hemau gehören. Darunter sind unter anderem Haag, Klingen, Berletzhof und „Eichkirchen“ (alte Schreibweise). Foto: Hans Ernst/Stefan Mirbeth

Ganz genau weiß Ernst nicht, welchen Zeitraum seine Bilder abdecken. Er schätzt, dass die ältesten aus der Zeit um 1870 stammen. Die Themen sind bunt gemischt: Bilder aus der Landwirtschaft, Luftaufnahmen, bedeutende Ereignisse.

Die Ausstellung Anfang 2017 war ein Erfolg. Und das Feedback groß. „Die Leute kamen reihenweise und wollten Bilder haben oder haben gefragt, ob man nicht mal einen Bildband machen könnte.“

Da wurde Medienprofi Stefan Mirbeth hellhörig. „Von der fertigen Ausstellung zum fertigen Buch war es im Grunde nur ein kleiner Sprung“, sagt er. Aber das Team musste Abstriche manchen. „Wir hatten jetzt natürlich nicht den Platz für 1000 Bilder.“ 136 Seiten war die Vorgabe vom MZ-Buchverlag im Battenberg Gietl Verlag aus Regenstauf. Immerhin mehr als 200 Aufnahmen jeweils mit einer kurzen Beschreibung haben es ins Buch geschafft.

„März’n-Viehmarkt“ in Hemau von 1930: Auf der Aufnahme aus dem Stadtarchiv ist der Stadtplatz gesteckt voll. Das Buch verrät, dass in dieser Zeit vor dem Weltkrieg im Schnitt 700 Rinder und 300 Schweine aufgetrieben wurden. Foto: Stadtarchiv Hemau
„März’n-Viehmarkt“ in Hemau von 1930: Auf der Aufnahme aus dem Stadtarchiv ist der Stadtplatz gesteckt voll. Das Buch verrät, dass in dieser Zeit vor dem Weltkrieg im Schnitt 700 Rinder und 300 Schweine aufgetrieben wurden. Foto: Stadtarchiv Hemau

„Und man kann die Bilder nicht so klein veröffentlichen“, sagt Martina Osecky. Als Grafikerin kümmerte sie sich um die Bilderauswahl und ums Layout. „So eine Luftaufnahme zum Beispiel braucht Platz – sonst wirkt die nicht auf der Seite. Oder Bilder mit vielen Personen – wenn die zu klein sind, erkennt man niemanden mehr.“

Ziel war laut Mirbeth, den Eindruck, den die Besucher von der Ausstellung hatten, zwischen die Buchdeckel zu bekommen. Das Buch will aber mehr sein als ein bloßer Ausstellungskatalog. „Es ist ein Bildband über historische Aufnahmen.“

Straßenzugmäßig führen die Seiten mit ihren Aufnahmen durchs Gemeindegebiet. „Da hat uns das Stadtarchiv geholfen. Es gibt halt viele schöne Aufnahmen, die schon im Stadtarchiv drin sind und schon mal an anderer Stelle veröffentlicht sind. Aber die einfach extrem wirken.“ Ein Paradebeispiel wäre das Foto vom Viehmarkt auf dem Hemauer Stadtplatz von 1930. „Der ganze Platz ist voll mir Rindviechern.“

Schwarzer Rauch über der Stadt. 1934 brannte der Stauber-Stadel an der Riedenburger Straße komplett nieder. Aber auch an andere Unfälle dokumentiert das Buch. Foto: Hans Ernst/Stefan Mirbeth
Schwarzer Rauch über der Stadt. 1934 brannte der Stauber-Stadel an der Riedenburger Straße komplett nieder. Aber auch an andere Unfälle dokumentiert das Buch. Foto: Hans Ernst/Stefan Mirbeth

Dörfer, kirchliche Feste, besondere Ereignisse – es galt, sie alle zu bewerten und richtig einzuordnen. Dafür hatten die Buchmacher reichlich Hilfe. Zum einen die beiden Alt-Bürgermeister Hans Schuster und Herbert Mirbeth. „Der Herr Schuster ist ohnehin ein wandelndes Lexikon – und auch mein Vater konnte einiges beisteuern“, sagt Stefan Mirbeth. Weitere Hilfe kam vom Stadtarchivar und von Ortsheimatpfleger Ernst Böhm. „Das ist ein tolles Projekt“, sagt der. An einem einzigen Wochenende habe er das Manuskript durchgearbeitet und die Bildtexte ergänzt. „Wenn man ein wenig mit dem Ort verbunden ist – man kommt nicht mehr los davon.“

Hobby

Hemauer Fotograf zeigt seine Schätze

Hans Ernst stellt eine Zeitreise in die Vergangenheit auf die Beine. Im Bürgersaal präsentiert er 600 Bilder vom Tangrintel.

Besonderer Heimatabend

Das Stadtbild hat sich in 150 Jahren massiv verändert. Wasserspeicher, wie den Ölweiher in der Kelheimer Straße, gibt es gar nicht mehr. Und auch das Martin-Faust-Denkmal aus der NS-Zeit ist abgerissen. Foto: Hans Ernst/Stefan Mirbeth
Das Stadtbild hat sich in 150 Jahren massiv verändert. Wasserspeicher, wie den Ölweiher in der Kelheimer Straße, gibt es gar nicht mehr. Und auch das Martin-Faust-Denkmal aus der NS-Zeit ist abgerissen. Foto: Hans Ernst/Stefan Mirbeth

Am Freitag veranstalten die Buchmacher einen Heimatabend. „Eine Buchvorstellung braucht es nicht – das Buch erklärt sich ja von selber“, sagt Mirbeth. Stattdessen will das Team mit Bürgern um 19.30 Uhr im Weismannsstadel zusammenkommen, Bilder präsentieren, Geschichten dazu erzählen und mit den Gästen ins Gespräch kommen. „Kann auch gut sein, dass uns der eine oder andere da auf Fehler hinweist – aber das ist auch gut so“, sagt Mirbeth. „Dass man sich mal vertut, bleib bei so was nicht aus.“

Der Bildband „Hemau in alten Bildern“ von Stefan Mirbeth und Hans Ernst ist zum Preis von 19,90 Euro im MZ-Buchverlag (2018) erschienen. Verkaufsstellen in Hemau sind das Tangrintler Medienhaus und die Buchhandlung im Alten Rathaus.

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