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Projekt

Eine coole Reise in die Geschichte

Sieben Domspatzen-Schüler drehen einen Film über die Kreuzhofkapelle bei Barbing. Ihr Werk ist nun auf YouTube zu sehen.
Von Peter Geiger

Vielleicht war es ja ein sonniger Tag, als im September 1156 ein Hoftag in der Kreuzhofkapelle stattfand? Foto: jn
Vielleicht war es ja ein sonniger Tag, als im September 1156 ein Hoftag in der Kreuzhofkapelle stattfand? Foto: jn

Barbing.Hand aufs Herz: Geschichtsunterricht kann mitunter schon eine recht trockene Angelegenheit sein. Um das Lehrplan-Soll zu erfüllen, müssen Schüler nicht nur Jahreszahlen und Herrschernamen auswendig lernen. Zudem haben sie sich mit Begrifflichkeiten herumzuschlagen, die so gar nicht ihrer eigenen Lebenswelt entstammen. Deshalb ist die Frage, die sich Alexander Krusche stellt, eigentlich naheliegend: „Wäre es nicht cool, wenn man in die Vergangenheit zurückreisen könnte?“

Wie gut, dass der heutige Zehntklässler eine Schule besucht, die sich solche außergewöhnlichen Abenteuer auf ihr pädagogisches Segel geschrieben hat. Denn das Gymnasium der Regensburger Domspatzen sucht ganz ausdrücklich nach „Entdeckern“. Nach jungen Leuten also, die neugierig und wissbegierig sind. Die – wie die kleine Graphik auf der Schulhomepage zeigt – sich gerne auf eine Rakete setzen, um sich emporschießen zu lassen in unendliche Wissensräume.

In den Mund gelegt

So musste sich Alexander zu Schuljahresbeginn vor zwei Jahren also nur melden, als Geschichtslehrer Christian Kreikle für sein jahrgangsübergreifendes Dokumentarfilmprojekt zur Kreuzhofkapelle Barbing warb.

Gemeinsam mit ihm trafen sich sodann jeden Dienstag sechs weitere Domspatzen, um dieser Idee Gestalt und Ausdruck zu verleihen. „Bald schon musste ich mit der Rolle des Moderator abfinden!“, bekennt Kreikle, was aber durchaus in seinem Sinne war: „Die Schüler entwickelten nicht nur ihre eigenen Vorstellungen – sie wollten diese natürlich auch eigenständig verwirklicht sehen!“

Enormer Aufwand – erfreulicher Ertrag

  • Aufwand:

    „Das Projekt“, so resümiert Geschichtslehrer Christian Kreikle gegenüber der Mittelbayerischen, „wurde von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert“. Auch er war überrascht, dass ein rund siebenminütiger Film so viel Zeit, Geld und Nerven kostet.

  • Ertrag:

    Drehbuchautor Janik Atzenbeck hat durch die Beteiligung am Filmprojekt seine Zukunftspläne geändert – und möchte nun Archäologie studieren. In den letzten Sommerferien hat er deshalb ein Praktikum absolviert, im Kelten-Römer-Museum in Manching.

Einen zentralen Part übernahm dabei Janik Atzenbeck. Der mittlerweile 16-Jährige hat von Haus aus ein Faible für Geschichtsthemen. Er wurde nicht nur, wie er ganz stolz bekennt, „in einer Kirche getauft, die neben einer Keltenschanze liegt“, sondern er frisst auch historische Romane in sich hinein. So war es für Atzenbeck naheliegend, das Skript für den Film zu erarbeiten und dabei Alexander den oben schon erwähnten Satz mit der „Reise in die Vergangenheit“ in den Mund zu legen.

Mit wissenschaftlicher Expertise

Um aber zu verhindern, dass sich der Film der Domspatzen-Gymnasiasten im rein Fiktionalen verliert, verlässt sich das Team nicht allein auf erzählende Spielszenen, sondern baut auch auf erklärendes Doku-Material. Nach einem kurzen Schwenk durch die mittelalterliche Kapelle tritt Bezirksheimatpfleger Tobias Appel auf und liefert eine wissenschaftliche Expertise ab. Die Datierung der Kapelle ist nämlich nicht eindeutig und nur unter Zuhilfenahme kunstgeschichtlicher Ratschläge zu leisten.

Die Projektteilnehmer zeigen also: Auch Wissenschaftler sind keine Zauberer, die mittels etwaiger magischer Fähigkeiten zu eindeutigen Ergebnissen gelangen. Sie sind stattdessen darauf angewiesen, Vermutungen anzustellen und anschließend ihre Thesen auf Plausibilität zu überprüfen.

Nach einem Besuch im Archiv des Klosters Heilig Kreuz – bei dem in einer Gastrolle Christian Kreikle als auskunftsfreudiger Archivar auftritt – folgt der spielerische Höhepunkt: In der Kreuzhofkapelle findet ein prominent besetzter und historisch nachweisbarer Hoftag statt.

Im September des Jahres 1156 ist Kaiser Friedrich Barbarossa (Florian Eckl) zu Gast. Seine Aufgabe ist es, den Konflikt zwischen zwei Herzögen des Reichs zu schlichten. Am Ende steht ein Kompromiss – und der vom Drehbuchautor Janik Atzenbeck gespielte Bauer darf in dem Film zufrieden resümieren: „Endlich ist der Streit gelöst! Heinrich der Löwe bekommt das Herzogtum Bayern und Heinrich Jasomirgott bekommt das Herzogtum Österreich.“

Seit ein paar Wochen ist das in mühevoller Kleinarbeit entstandene Sieben-Minuten-Werk nun auf der Internetplattform YouTube zu sehen – unter der Bezeichnung „Kreuzhofkapelle Film“. Und die Macher dürfen sich freuen, dass dank ihres Engagements jedermann eine Reise in die Geschichte unternehmen kann.

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