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Baudenkmal

Eine Geldspritze für die Schlossfassade

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bewilligt 100.000 Euro für das Wenzenbacher Projekt. Dessen Schönheiten besahen sich drei Kuratoren vor Ort.
vON mARTINA sCHAEFFER, mz

  • Das Schönberger Schloss soll wieder schön werden: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat für die Sanierung der Nordfassade inklusive Fenster 100.000 Euro bewilligt.Fotos: Schaeffer
  • Willkommene Gelder: Schlossbesitzer Margarete Rauch und Dr. Hans Klünemann haben im Beisein von Peter-Christian von Taysen, Dr. Erika Goldhamm, Franz Graf von Stillfried und Bürgermeister Josef Schmid (von rechts) einen Vertrag mit der Denkmalstiftung unterzeichnet.
  • Ein Sammelsurium an Türen
  • Der Seitenaltar in der Hauskapelle, der heiligen Familie geweiht, zeigt wunderschöne Details.
  • Ein Wappen mit Falter oder nur Teil eines dekorativen Bildes? Schlossherr Hans Klünemann ist dankbar für Tipps.
  • Schlossherrin Margarete Rauch führt durch den Keller.

Wenzenbach.Von der Fassade bröckelt der Putz und gibt großflächig raues Mauerwerk frei, die Fenster sind wacklig, brüchig und zum Teil eingeschlagen. Tiefe Löcher klaffen auch im Boden, im Keller- und Erdgeschoss, aber auch einen Stock höher, zwischen den abgeschlürften, rohen Dielenbrettern. Metertief geht es hier in den Spalten hinab, in irgendein unergründliches Dunkel. Die Spuren des Verfalls springen deutlich ins Auge: Tiefe Furchen durchziehen die Wände, der Putz bröckelt ab. Die Zeit hat dem Schloss Schönberg das Antlitz ganz schön zerkratzt, ihm tiefe Wunden geschlagen.

„Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses relativ zerstörte Schloss zu kaufen?“ stellt Peter-Christian von Taysen, Leiter des Ortskuratoriums München der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, eine zentrale Frage. Und Schlossherr Dr. med. Hans-Hermann Klünemann schaut irgendwie ein bisschen geknickt: „Vielleicht aus Dummheit“, sagt der Oberarzt und lugt dabei schräg unter seiner Brille hervor. Doch in seinen Augen funkelt der Schalk. Und seine Lebensgefährtin Margarete Rauch wagt eine zweite Erklärung, warum sich die beiden 2008 das heruntergekommene Gemäuer aufgeladen haben, dessen Sanierung wohl etliche Millionen kosten wird: „Spielfreude“, sagt die Schulpsychologin knapp, mit nur einem Wort.

Dem morbiden Charme verfallen

Dr. Klünemann schiebt noch einmal nach, ernsthafter jetzt: Er habe die Pläne des Vorbesitzers gesehen, der vieles herausreißen wollte. „Mir ist dabei schlecht geworden“, sagt der Facharzt am Regensburger Bezirksklinikum, der ursprünglich ein altes Bauernhaus kaufen wollte, dann aber dem morbiden Charme des Schlosses verfiel. Er habe sich schlichtweg verliebt, gesteht Dr. Klünemann. „Gehen Sie mal rauf und schauen Sie runter“, legt er seinen Gästen von Taysen, Franz Leopold Graf von Stillfried und Rattonitz sowie Dr. Erika Goldhamm, allesamt ehrenamtliche Mitarbeiter des Stiftungskuratoriums, den überwältigen Blick auf den Wenzenbach und sein Tal ans Herz.

Und die drei Kuratoren folgen, wachen Blicks und mit offenen Ohren, lassen sich von den Schlossbesitzern und Bürgermeister Josef Schmid die wechselvolle Geschichte des steinernen „Juwels“ mit den insgesamt 22 Räumen und der barocken Kapelle „Zur Heiligen Familie“ erklären. Und sie haben guten Grund: Aus den Stiftungsgeldern des privaten Denkmalschutzes wurden 100.000 Euro für die Sanierung der Nordfassade und der Fenster bewilligt. Und je höher die Besucher in den Stockwerken kommen, desto mehr erhellt sich ihr Blick. Bürgermeister Schmid schwärmt von den mächtigen Eichenbohlen. „Die dürften an die 500 Jahre alt sein.“ Und er erklärt seine ganz eigenen Pläne für den vorgelagerten Schlosshof, wo er gerne einen Kulturstadel und Freilicht-Veranstaltungen hätte und dass die Gemeinde Wenzenbach auch die Schloss-Sanierung unterstütze, allerdings nur „rein geistig“, wie Schmid betont.

Traumhafte Fresken unter Putz

Hoch hinauf geht es weiter auf den Stiegen und bei jedem Schritt öffnet sich dem Betrachter eine Entdeckung. Das Schloss gibt bei genauer Betrachtung seine verborgenen Schönheiten preis: Bruchstücke alter Öfen, uralte Türen, kleine Flecken traumhafter Fresken unter zentimeterdicken Schichten von Putz. Und ganz oben unter dem Dach gerät Kuratoriumsleiter von Taysen schließlich ins Schwärmen: „Donnerwetter! Das begeistert mich jetzt wirklich“, sagt er angesichts des guten Zustands. Jetzt sei auch er überzeugt, dass eine Sanierung gelingen könne. Sein Kuratoriumskollege Graf von Stillfried, als langjähriger Baudirektor in München Experte, atmet tief ein. „Die Luft ist nicht gut“, sagt er. Zu viel Feuchtigkeit. Dr. Klünemann nickt: Im Winter tropfe es sogar von den Türen. „Kein gutes Zeichen“, meint von Stillfried. Da müsse der Architekt noch mal hinschauen. Und er rät: „Da müssen Sie gut lüften.“

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