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Verkehr

Emissionsfrei über die Donau fahren

Die Fähre bei Matting hat eine lange Tradition. Fährmann Alois Eisvogel kann viele Geschichten über die Passagiere erzählen.

Alois Eisvogel am Ruderblatt nach dem Ablegen. Foto: Eder
Alois Eisvogel am Ruderblatt nach dem Ablegen. Foto: Eder

Matting.Nach dem vielen Regen im Oberlauf ist der Wasserspiegel der Donau gehörig angestiegen. Das Einlaufrohr, das man sonst am gegenüberliegenden Ufer von Matting sieht, ist verschwunden. „Circa einen halben Meter Wasser mit erheblich mehr Strömung als gestern haben wir. Da flitzt mein schwimmender Untersatz fast wie ein Rennwagen zum anderen Donauufer“, freut sich der 72-jährige Fährmann Alois Eisvogel sen..

Bevor der Fluss ausgebaut wurde, sauste die Fähre. Nach dem Einbau der Wehre bei Poikam und Pfaffenstein ist die Fließgeschwindigkeit des Wassers aber geringer. Und der Wasserstand erhöhte sich. Hatte damals die Donau in der Mitte nur eine Tiefe von 1,50 Metern, so sind es jetzt 3,50 Meter bei 110 Meter Flussbreite.

Wasserstand bestimmt Tempo

Meist benötigt Eisvogel knapp drei Minuten von der Ablege- bis zur Anlegestelle – bei niedrigerem Wasserstand manchmal bis zu zehn Minuten. Und im Vorjahr, als der Wasserspiegel extrem niedrig war, war es eine Knochenarbeit. „Es herrschte nahezu keine Strömung. Wir mussten während der gesamten Überfahrt mit dem großen Heckruder nachhelfen, um nicht stehenzubleiben. Die Fahrrinne muss ja frei sein für die Personen- und Güterschiffe. Also 15 Minuten Minimum waren es jedenfalls. Eine Kraftanstrengung für uns Überführer, auch die Kollegen Christian Appoltshauser und Ludwig Riepl haben die 60 schon überschritten“, erzählt Eisvogel sen.

Alois Eisvogel macht Fähre fest. Foto: Eder
Alois Eisvogel macht Fähre fest. Foto: Eder

Ein Kreuzfahrtschiff nähert sich. Eigentlich hätte es am Huppunkt Signal geben müssen, was die meisten nicht tun. Bei Niedrigwasser wäre Eisvogel nicht losgefahren. Als er angelegt und die Fähre gesichert hatte, meinte er: „Wellenschlag und Sogwirkung hätten uns vom Ufer weggezogen. Bedauerlich ist, dass viele Sportbootfahrer zu schnell die Fährstelle passieren. Hier müssen wir extrem aufpassen.“

Eisvogel hatte viele Berufe

Er war aktiver Landwirt, arbeitete im Milchwerk, beim Raiffeisen Kraftfutterwerk in Regensburg sowie zwei Jahrzehnte bei einem Viehhändler im Tiertransport. So nebenbei übte er mehrere Legislaturperioden er das Amt eines Gemeinderates und 3. Bürgermeisters der Gemeinde Pentling aus. „Bei den örtlichen Vereinen war ich im Ausschuss dabei, wenn ich nicht gleich eine Führungsposition innehatte. Meine Familie mit den Buben und Ehefrau Anna, geb. Kammermeier, kamen meist zu kurz. Aber sie waren ja daran gewöhnt“, erzählt Eisvogel.

Den Fährschein erwarb er 1965. Dann begann die Überführerzeit. Neun Fährleute waren sie. Dreimal im Monat hatte er bis zum Jahr 1969 Dienst – heute, wo es nur noch drei Überführer sind, jeden dritten Tag. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Jüngere Mattinger haben den Fährschein gemacht. Am Jahresende geht der erste Routinier in Rente. Ein weiterer ist schon jetzt unregelmäßig, wenn es seine Arbeitszeit erlaubt, im Einsatz.

Die Fähre in Matting

  • Gieren:

    Dieser Fachausdruck bedeutet: die Strömungsenergie nutzen. Die Fähre ist an einem Y-förmigen Seil befestigt. Durch das Verkürzen auf einer Seite wird die Fahrtrichtung bestimmt. Die Technik wurde im 17. Jahrhundert von den Holländern erfunden.

  • Fahrzeiten:

    Täglich 8 bis 12 Uhr und 13 – 17 Uhr im Sommer bzw. 16 Uhr im Winter.

  • Betriebsdaten:

    Jährlich hat die Fähre circa 25000 Fahrgäste. 2009 erfolgte für 85 000 Euro in Regensburg eine Generalüberholung. Die älteste bekannte Fährgenehmigung datiert aus dem Jahr 1854. Bei starkem Treibeis oder Hochwasser ruht der Fährbetrieb.

  • Eingestellte Fährverbindungen:

    Unter andrem in Poikam, Oberndorf, Sinzing, Winzer. (lje)

Neu ist für alle: Sie mussten den Funkschein machen. So können sie mit Kapitänen, die berg- oder talwärts fahren, Kontakt aufnehmen. Die Verständigung ist kein Problem. Auf der internationalen Wasserstraße – dem Rhein-Main-Donau-Kanal und weiter auf der Donau bis zur rumänischen Grenze – ist Deutsch die Amtssprache, dann bis zum Delta Russisch.

Leise gleitet der Foarm, wie ihn die Mattinger nennen, über das grünlich schimmerte Wasser. Die beiden Passagiere an diesem Morgen sind zwei Fahrradtouristen aus dem Frankenland. An diesem Tag sind sie bei Weltenburg gestartet und wollen bis Schmidmühlen, später weiter nach Amberg und wieder ins Land der Franken. Die Funktionsweise des seltsamen Wasserfahrzeugs interessiert sie.

Ponton wird durch Wasserkraft bewegt

Eisvogel erklärt, dass der Ponton – er ist, an einem Seil befestigt – nach dem Ablegen in die Strömung treibt und mit der Wasserkraft bewegt wird. Bei der Rückwärtsfahrt wird das Seil hinter der beweglichen Auf-/Ausfahrtsrampe nur umgehängt. Die Fähre ist eigentlich eine schwimmende Straße – ein umweltfreundliches, emissionsloses und kostengünstiges Transportmittel. Letztlich sind diese Wasserfahrzeuge nicht nur museale Erinnerungsstücke, sondern auch ein Zeichen der Integration einer umweltfreundlichen Technik in Natur und Landschaft.

Nahverkehr

Fähren-Idee schnell über Bord

Aus dem Plan, Schulbusse über die Donau zu bringen, wird nichts. Denn das Gewicht der Gefährte ist viel zu hoch.

„Wir Mattinger brauchen sie, um zu den Feldern oder dem Wald auf dem gegenüberliegenden Donauufer zu kommen“, sagen die Bürger zur Fähre. Die kleinen Mähdrescher mit zwei Meter Schnittbreite durften ebenfalls einfahren. Als es noch den Bahnhof gab, nutzten auch die DB-Reisenden die Fähre. Pfarrer Wilhelm Bunz fuhr regelmäßig nach Regensburg. „Auch der ehemalige Diözesanbischof Manfred Müller war öfters mein Fahrgast“, erzählt Eisvogel.


Die Fahrten über die Donau gibt es schon lange. Um 901 wurde Matting erstmals erwähnt. Damals waren die jetzt bewaldeten Hänge Weinberge. Nur an wenigen Tagen bei Hochwasser oder Treibeis wird der Fährbetrieb eingestellt. 1962 oder 1984/85, als der Fluss zu gefroren war, blieb der Foarm mehrere Wochen am Ufer vertäut. Ach ja, auch im Oktober 1998, als beim Dohlenfelsen zur Felssicherung über den Gleisen gesprengt wurde, war der Betrieb auch für einige Stunden eingestellt.

Eigentlich ist es für Eisvogel ein sehr angenehmer Job. „Die Menschen sind freundlich und man kommt mit ihnen ins Gespräch“, sagt der Fährmann von Matting.

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