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Klimawandel

Erntezeit: Maroni aus dem Donautal

Esskastanien nehmen zu. Die Waldbesitzer interessiert bisher das Holz. Wird es am Christkindlmarkt mal hiesige Maroni geben?
Von Michael Jaumann

  • Die Waldbesitzer Karl und Matthias Gabler an ihrer aufgeforsteten Südhanglage. Im sechsten Vegetationsjahr tragen die Esskastanien reiche Frucht. Essen wollen sie die Maroni aber nicht. Foto: Jaumann
  • Diese stattliche Esskastanie steht an der Landkreisgrenze. Foto: Sojer-Falter

Regensburg.Bei Elisabeth Sojer-Falter ist Erntezeit. Seit dem vergangenen Wochenende öffnen sich die stacheligen Fruchtbecher der 40 Jahre alten Esskastanie bei ihr zuhause im Garten an der Landkreisgrenze. Ein, zwei oder drei Maroni fallen aus den Fruchtbechern und werden zu Kastaniensuppe verarbeitet oder auch geröstet. „Niemand glaubt mir, dass bei uns im Vorwald Maroni wachsen“, schmunzelt die Regionalentwicklerin des Landkreises.

Die Zweifel werden sich bald legen. Denn die Edelkastanie ist nördlich der Alpen auf dem Vormarsch. Immer öfter wird die Edelkastanie auch in unseren Wäldern gepflanzt. Mit Blick auf den Klimawandel kann diese Baumart durchaus in Bayern eine Zukunft haben, heißt es bei der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft. Sie gilt als anpassungsfähig und wärmeresistent und kommt mit trockenen, ärmeren Böden gut zurecht. Eigenschaften, wie sie beim Waldumbau hin zu klimaresistenten Wäldern benötigt werden.

„Der Wein und die Kastanie gehören zusammen.“

Annette Scholz

„Der Wein und die Kastanie gehören zusammen“, weiß Försterin Annette Scholz. Damit meint sie nicht den Törggelen in Südtirol, sondern die Verbreitung der Esskastanie in den milden Weinbaugebieten in Deutschland. Auch bei uns war dieser Baum zu Römerzeiten heimisch, ehe ihn das kälter werdende Klima vertrieb.

Die Kastanie mag eher kalkärmere Böden, berichtet die Försterin. Im Fürstenwald am Scheuchenberg nahe Donaustauf haben die Thurn- und Taxis-Förster schon vor einem halben Jahrhundert auf einer Schadfläche Esskastanien gepflanzt. „Das war damals ein Risiko“, sagt Scholz. Aber es hat sich offenbar gelohnt, denn das Holz der Edelkastanie ist wertvoll. Es zählt zu den dauerhaftesten Holzarten Europas.

Kastanie am steilen Südhang

Maroni aus dem Vorwald: Sie schmecken gut. Foto: Jaumann
Maroni aus dem Vorwald: Sie schmecken gut. Foto: Jaumann

Die Försterin vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten rät Waldbauern, sich mögliche Standorte genau anzusehen, denn die Edelkastanie ist anfällig für Spätfrost und Schneebruch, Rindenkrebs und die Gallwespe. Von Reinbeständen der Kastanie im Wald rät sie ab.

Sehen Sie hier ein Video aus dem Donautal:

Maroni aus dem Landkreis Regensburg

Genauestens beraten von Revierförster Franz Löffl haben Karl und Matthias Gabler einen steilen Südhang über dem Weinbauort Kruckenberg vor ein paar Jahren als Ersatz für die Fichte mit rund 1800 jungen Bäumen bepflanzt: Wildkirsche ist dabei, Tanne, Ulme, Ahorn und rund 250 Stück Esskastanien. Jeder Baum steht auf dem richtigen Standort. „So macht es die Natur vor“, sagt Förster Löffl. Im sechsten Vegetationsjahr tragen die bis zu vier Meter hohen Bäume nun schon reichlich Nüsse. Als „Kruckenberger Südhang“ könnte man seine Maroni doch wie den Kruckenberger Wein als Spezialität anbieten, scherzt Karl Gabler. Bei den Gablers denkt keiner daran, die Nüsse aufzuklauben. „Und mich hat auch noch nie einer nach Maroni gefragt“, erzählt er.

Vorsichtig hält Förster Franz Löffl den stachligen Fruchtbecher der Esskastanie. Foto: Jaumann
Vorsichtig hält Förster Franz Löffl den stachligen Fruchtbecher der Esskastanie. Foto: Jaumann

„Wenn du hier was ernten willst, musst du Netze auslegen“, überlegt Förster Löffl und blickt auf das dichte Brombeergestrüpp am Boden. Sollte sich der Anbau der Nüsse wegen lohnen, müsste man aber eher an mechanisierte Ernte denken, überlegt Löffl. Und womöglich an einen Anbau in Form von Plantagen.

Ein absolutes Nischenprodukt

„Mich hat noch nie einer nach Maroni gefragt.“

Karl Gabler

Für Maroni aus heimischem Anbau könnte es schon einen begrenzten Markt geben, macht Johannes Hebauer, Behördenleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, jenen Hoffnung, die gerne Maroni aus dem Landkreis am Christkindlmarkt essen würden. Hebauer erinnert daran, dass es in Bayern, etwa im Bereich Dachau und Ansbach, auch einen Anbau der Haselnuss der Früchte wegen gibt.

Jetzt sind sie reif. Foto: Jaumann
Jetzt sind sie reif. Foto: Jaumann

„Die Nüsse werden gut nachgefragt“, berichtet er. Für den einen oder anderen könnte somit auch die Maroni ein Zubrot bedeuten. Selbst wenn langfristig die klimatischen Voraussetzungen stimmen, werde der Anbau der Edelkastanie – Baum des Jahres 2018 – aber ein Nischenprodukt bleiben. „Die Waldbauern sind vorsichtig“, weiß auch Korbinian Arzberger, Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung Regensburg-Süd. Er hat in den letzten zwei Jahren erstmals begonnen, Edelkastanien zu pflanzen.

„Für den einen oder anderen könnte es ein Zubrot sein.“

Johannes Hebauer

Elisabeth Sojer-Falter freut sich, dass der Baum, der in ihrem Garten so gut gedeiht, stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringt. Die Regionalentwicklung im Landkreis sieht sich als Impulsgeber auch in Sachen Waldumbau, sagt sie. Und ein Maronihain wäre natürlich eine tolle Perspektive!

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