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Unfall

Ersatzfahrer war unerlaubt in Ruhekabine

Zwischen Beratzhausen und Parsberg stieß ein Reisebus mit einem Lastwagen zusammen. Ein schlafender Chauffeur starb, 15 weitere Personen wurden verletzt.

Auf der A3 ist ein Mensch bei einem Unfall ums Leben gekommen. Foto: Tost

Parsberg. Bei einem Unfall mit einem Reisebus und einem Lastwagen auf der Autobahn 3 zwischen Beratzhausen und Parsberg im Bereich der Gemeinde Lupburg ist am frühen Montagmorgen ein Mensch ums Leben gekommen, 15 weitere wurden verletzt. Zahlreiche Businsassen waren eingeklemmt. Mittlerweile sind die Bergungsarbeiten vor Ort abgeschlossen und die Fahrbahn sei seit 13.30 Uhr wieder frei. Vor Öffnung der Autobahn erreichte der Stau laut Polizei eine Länge von etwa 25 Kilometern. Es dürfte bis in die späten Nachmittagsstunden dauern, bis sich der Verkehrsfluss normalisiert hat.

Wie sich mittlerweile herausstellte, hat der Ersatzfahrer des rumänischen Reisebusses seinen Tod offenbar mit verschuldet. Nach Angaben des Landesverbandes bayerischer Omnibusunternehmer hätte er während der Fahrt die Ruhekabine unter dem Fahrersitz nicht aufsuchen und dort schlafen dürfen. Dies sei gemäß den Vorschriften in der Verordnung über Lenk- und Ruhezeiten im Omnibusgewerbe nicht erlaubt, sagte eine Verbandssprecherin am Montag. Nur wenn der Bus stehe, könnten die Fahrer in die Ruhekabinen klettern und dort die vorgeschriebenen Pausen machen. Dieses Delikt sei zwar nicht mit einem Bußgeld belegt, sagte Werner Brückl, stellvertretender Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Regensburg. Wenn Beamte den Ersatzfahrer bei einer Kontrolle in der Ruhekabine vorfinden, würden sie ihn auf den Verstoß aufmerksam machen. Er müsse im Bus, etwa auf dem Sitz des Reiseleiters, Pause machen.

Das war passiert: Gegen 3.25 Uhr fuhr ein 40 Tonnen schwerer Sattelzug mit türkischer Zulassung, der Fische geladen hatte, auf der A 3 in Richtung Nürnberg. Zwischen den Anschlussstellen Beratzhausen und Parsberg kam er wohl wegen der winterlichen Straßenverhältnisse ins Schleudern, prallte mit dem Fahrerhaus gegen die Mittelleitplanke und stellte sich über beide Fahrstreifen quer. Offensichtlich wollte der Lkw-Fahrer dann anschließend rückwärts fahren. Zu dieser Zeit war ein Reisebus mit rumänischer Zulassung, in dem knapp 30 Personen saßen, in der selben Richtung unterwegs. Als der Busfahrer einen anderen Lkw links überholen wollte, kollidierte er mit dem noch auf der Autobahn querstehenden 40-Tonner. Dabei wurde der Busfahrer schwer verletzt und sein Ersatzfahrer, der in einer Kabine unter dem Fahrersitz schlief, getötet. Von den Businsassen wurden 15 Fahrgäste verletzt, vier davon schwer. Die anderen Fahrgäste blieben unverletzt. Der Fahrer des türkischen Sattelzuges wurde ebenfalls schwer verletzt. Der Fahrer des überholten Lkw konnte noch rechtzeitig abbremsen. Die 15 Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Auf Anordnung der Staatsanwalt Nürnberg/Fürth wurde ein Gutachter angefordert.

Kilometerlanger Stau auf der A3

Nach dem Unfall bildete sich auf der A3 ein kilometerlanger Stau. Die Autobahn musste in Richtung Nürnberg komplett gesperrt werden. Aufgrund der Witterungsverhältnisse mit rund 20 Zentimeter Neuschnee war es für die Rettungsfahrzeuge schwierig gewesen, an die Unfallstelle zu gelangen. Das bestätigte auch Franz Söllner, Leiter der Rettungswache des BRK in Parsberg. Er war in den Morgenstunden auf der A 3 und kümmerte sich um die Insassen des Busses, der in den Unfall verwickelt war. Da man nicht wollte, dass die Betroffenen auf der Autobahn umherlaufen, hab man ein beheiztes Zelt aufgebaut, in dem warme Getränke verteilt wurden. Söllner erklärte, dass die Rettungskräfte enorme Probleme gehabt hätten, durchzukommen. Viele Rettungsfahrzeuge seien im Stau steckengeblieben.

Versorgung der Autofahrer im Stau war schwierig

Mehrere Autofahrer meldeten sich unterdessen bei der Mittelbayerischen Zeitung und klagten, dass hier von Versorgung nicht die Rede sein könne. Seit sieben Stunden hätte man nichts zu essen oder zu trinken erhalten; auch nicht die Kinder, die hier überall mit unterwegs seien. Anrufe bei der Polizei hätten ebenfalls nichts gebracht. Zwar hätte man ihnen versichert, dass Helfer unterwegs seien, aber gesehen habe die bisher niemand.

Johann Schuster kann die Wut vieler Fahrer verstehen – bat aber um Verständnis. 30 ehrenamtliche Helfer seien nachts ausgerückt, um die im Stau stehenden Personen irgendwie versorgen zu können. „Wir haben 150 Liter Tee ausgeschenkt. Sie können mir glauben, dass die sicher nicht von den Helfern getrunken wurde.“ Schuster ist beim Roten Kreuz in Regensburg für den Rettungsdienst zuständig. Er sagt, dass er gerne alle Fahrer gleich hätte versorgen wollen. „Aber auch wir sind nur Menschen und auch unsere Kräfte sind begrenzt.“ Da außerdem an vielen Stellen keine Rettungsgasse gebildet worden sei, hätten es die Helfer unnötig schwer gehabt. Schuster: „Auf zweispurigen Autobahnen bildet man diese in der Mitte.“

Gegen 14 Uhr meldete die Autobahnpolizei Parsberg, dass die Bergungsarbeiten abgeschlossen seien. Warum die A 3 so viele Stunden gesperrt war, begründete Polizeisprecher Stefan Hartl ebenfalls mit den Witterungsverhältnissen. Hätte man den gesamten Verkehr umgeleitet, wären womöglich noch mehr Lkw ins Rutschen oder Schleudern auf den engen Straßen geraten. Das habe man nicht riskieren wollen.

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