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Geschichte

Es war ein Neuanfang in schwerer Zeit

An Mariä Himmelfahrt wird das 70. Weihejahr der Pfarrkirche Wolfskofen gefeiert. Die Umsiedler fassten nur langsam Fuß.
Von Karl Matok

Erzbischof Michael Buchberger (Mitte mit Birett) in Begleitung der Leviten und von Bischofssekretär Hermann Grötsch bei der Außensegnung der Pfarrkirche Wolfskofen am 29. Mai 1949. Als Himmelträger fungierten die Landwirte Martin Hupfer, Simon Schwarz, Georg Rösch und Josef Rieger. Foto: Archiv Karl Matok
Erzbischof Michael Buchberger (Mitte mit Birett) in Begleitung der Leviten und von Bischofssekretär Hermann Grötsch bei der Außensegnung der Pfarrkirche Wolfskofen am 29. Mai 1949. Als Himmelträger fungierten die Landwirte Martin Hupfer, Simon Schwarz, Georg Rösch und Josef Rieger. Foto: Archiv Karl Matok

Mintraching.Ein großer Festtag steht der Pfarrei Wolfskofen am Donnerstag zum Fest „Mariä Himmelfahrt“ bevor. Die Pfarreiangehörigen können um 10.30 Uhr nicht nur das Patrozinium ihrer Pfarrkirche feiern, sondern auch auf das 70. Weihejahr ihrer Kirche zurückblicken. Zum Jubiläum gibt auch der gebürtige Grafenwöhrer Weihbischof Reinhard Pappenberger der Pfarrei die Ehre.

Vor 80 Jahren, am 20. August 1939, wurde der Grundstein zur Pfarrkirche gelegt und vor 70 Jahren, am 29. Mai 1949, wurde der Kirchenneubau mit der feierlichen Konsekration durch Erzbischof Dr. Michael Buchberger abgeschlossen.

Früher ein Gutshof der Fürsten

81 Jahre sind inzwischen vergangen, seit 25 Landwirtsfamilien aus Wolfskofen, Roith und Auhof, sowie je eine Familie aus Allkofen und Gengkofen zum 1. April 1938 ihre Heimat verlassen mussten, weil der Truppenübungsplatz Grafenwöhr um mehr als 23 364 Hektar Grund vergrößert wurde. Sie stammten aus den Pfarreien Pappenberg, Haag, Hopfenohe und der Expositur Langenbruck. Die Familien siedelten sich in der früheren Gemeinde Rosenhof an, wobei das heutige Wolfskofen, früher ein Gutshof der Fürsten von Thurn und Taxis, als Dorf mit einer Kirche neu entstand.

Um den Menschen neue Existenzen zu ermöglichen, wurden von der Reichsumsiedlungsstelle Berlin (RUGES) schon vor der Räumung 1300 Tagwerk Grund des Regensburger Fürstenhauses in Wolfskofen, Auhof und Roith erworben. Daraus entstanden drei neue Siedlungen für 25 Landwirte aus Pappenberg, Leuzenhof, Haag, Hermannshof, Hopfenohe, Höhenberg, Braunershof, Walpershof, Langenbruck, Kittenberg und Eschenbach in der Oberpfalz.

Die gesamte Inneneinrichtung mit den fünf wertvollen barocken Altären und das Gnadenbild des Auerbacher Bildhauers Michael Doser und dessen Malerkollegen Johann Thomas Wild aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie die fünf gotischen Glocken wurden am 21. März 1938 aus der Kirche Pappenberg nach Wolfskofen gebracht und in Scheunen in Wolfskofen und Roith zwischengelagert.

Grundsteinlegung der neuen Siedlungskirche

Auch der letzte Pfarrer der Pfarrei Pappenberg, Wolfgang Ederer, ließ seine Pfarrkinder nicht im Stich und zog nach striktem Räumungsbefehl am 29. März 1938 mit ihnen in das Donautal. Es dauerte einige Jahre bis die Menschen in der neuen Heimat ankamen. Noch dazu kam, dass 1939 viele junge Männer in den Zweiten Weltkrieg ziehen mussten und viele die neue Heimat nicht mehr sahen.

Wörtlich schrieb das Bischöfliche Ordinariat Regensburg am 21. März 1938: „Die Pfarrei Pappenberg wird aufgelöst und nach Wolfskofen transferiert.“ Mit Schreiben vom 10. August 1939 erteilte das Ordinariat die Vollmacht zur Grundsteinlegung der neuen Kirche in Wolfskofen. Trotz großen Widerstandes der nationalsozialistischen Regierung erfolgte die Grundsteinlegung der neuen Siedlungskirche am Sonntag, 20. August 1939 mit einem feierlichen levitierten Hochamt, das Pfarrer Josef Schmid von Mintraching zelebrierte.

Baueinstellungen durch die NS-Regierung

Den Bauauftrag hatte der letzte Pfarrer von Pappenberg, Wolfgang Ederer, durchzuführen. Die Bauleitung hatte nach dem Willen des Bischofs die Reichsumsiedlungsgesellschaft Berlin, die Bauausführung das Baugeschäft Georg Bauer von Niedertraubling. Bauherr war noch die Kirchenverwaltung Pappenberg in Wolfskofen.

Unter größten Schwierigkeiten und mangels Baumaterial infolge der Kriegswirren zogen sich die Rohbautätigkeiten in die Länge. Der Kirchturm durfte wegen der Einflugschneise des Militärflugplatzes Obertraubling (heute Neutraubling) nicht höher gebaut werden. Pfarrer Ederer nahm am 25. Januar 1942 um 10 Uhr die feierliche Einsegnung vor. Ab 27. Januar fanden regelmäßige Messen statt. Trotz immer wieder auftretender Baueinstellungen durch die NS-Regierung gelang es Pfarrer Ederer, die Kirche im Inneren bis November 1942 soweit fertig zu stellen, dass die fünf Altäre, Kanzel, Beichtstühle und die Orgel aufgestellt werden konnten.

Weihe erst im Jahr 1949

Heute erstrahlt die Kirche mit dem 2004 neu erstellten Volksaltar in neuem Glanz. Foto: Karl Matok
Heute erstrahlt die Kirche mit dem 2004 neu erstellten Volksaltar in neuem Glanz. Foto: Karl Matok

Am Äußeren fehlten noch der Verputz und die Dachrinnen. Am 1. März 1943 beschloss Erzbischof Michael Buchberger die „kanonische Verlegung der Pfarrei Pappenberg nach Wolfskofen“. Mit Stiftungsbrief vom 12. Mai 1942 erklärte der Bischof die katholische Pfarrei „Mariä Himmelfahrt“ in Wolfskofen unter Erhebung der neugebauten Kirche zur Pfarrkirche. Von der Zeit der Umsiedlung bis zur feierlichen Weihe der Kirche vergingen noch elf Jahre. Pfarrer Ederer hatte gebeten, die Weihe erst dann vorzunehmen, wenn die meisten Kriegsgefangenen wieder in der Heimat wären. 1949 schien dieser Zeitpunkt gekommen. So wurde der Weihetag auf Sonntag Exaudi, den Sonntag vor Pfingsten, 29. Mai 1949, festgelegt, weil dies auch der Weihetag der Pfarrkirche in Pappenberg gewesen war. Bereits am Samstagabend nahm Diözesanbischof Buchberger den ersten Teil der Weihe vor. Zum Dank für seine aufopferungsvolle Hingabe in der Pfarrei wurde Pfarrer Ederer nach seinem Tode am 8. März 1957 in der Kirche beigesetzt.

So feiert die Pfarrei

  • Pfarrei:

    Heute ist die Pfarrkirche christlicher Mittelpunkt der fast 650 Gläubige zählenden Pfarrei mit den Orten Wolfskofen, Allkofen, Auhof, Gengkofen, Leiterkofen, Neuallkofen, Roith und Rosenhof.

  • Gemeinschaft:

    Viele der älteren Umsiedler sind bereits verstorben. Einen eigenen Pfarrer hat die Pfarrei seit 2002 nicht mehr und gehört seitdem zur Pfarreiengemeinschaft Mintraching mit Pfarrer Klaus Beck.

  • Festprogramm:

    Um 10.30 Uhr Festgottesdienst mit Weihbischof Reinhard Pappenberger und den Ortsvereinen, musikalisch gestaltet von Kirchenchor und Bläsern. Die Landfrauen verkaufen Kräuterkränzchen zu 10 Euro. Danach Pfarrfest mit Mittagessen im Garten der Gaststätte „Alte Schule“. Ab 13 Uhr Kaffee und Kuchenverkauf. Im Vereinsheim ist eine Bilderausstellung zur Kirche aufgebaut. Die Landjugend gestaltet ein Unterhaltungsprogramm.

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