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Engagement

Fair sein beim Einkaufen

Regenstauf will Fairtrade-Gemeinde werden. Die Markträte denken bereits weit über den gerecht gehandelten Kaffee hinaus.
Von Sabine Norgall

Die Realschule gab den Anstoß, die Gemeinde zog nach: Regenstauf will zur Fairtrade-Gemeinde werden. Foto: Karin Inkofer
Die Realschule gab den Anstoß, die Gemeinde zog nach: Regenstauf will zur Fairtrade-Gemeinde werden. Foto: Karin Inkofer

Regenstauf.Die Schülerinnen und Schüler der Max-Ulrich-von-Drechsel-Realschule machten es vor. Jetzt zog der Regenstaufer Marktrat nach: Regenstauf will Fairtrade-Gemeinde werden. Mit fair gehandelten Getränken bei Sitzungen oder fair gehandeltem Kaffee aus dem Vorzimmer des Bürgermeisters scheinen die ersten Schritte unspektakulär. Dem Markt geht es vor allem darum, ein Zeichen zu setzen, sagt Bürgermeister Siegfried Böhringer. Man wolle die Bürger sensibilisieren, dass sie mit ihrem Einkaufsverhalten etwas bewirken können.

Bereits seit 2017 darf sich die Regenstaufer Realschule Fairtrade-Schule nennen. Ein Arbeitskreis, dem Schüler und Lehrer angehören, plant die Aktionen. Doch nur im Schulumfeld zu agieren, reichte den Schülern nicht mehr. Wie Konrektorin Luitgard Gregori-Erl unserem Medienhaus sagt, wollten die Schüler die Kommune mit ins Boot holen. Sie bereiteten Informationen vor und trafen sich mit Vertretern der Gemeinde und des Marktrates. Gregori-Erl: „Ich finde es toll von Bürgermeister Böhringer, dass er für das Anliegen der Schüler offen war. Er hätte auch sagen können, das sei eine nette Idee, aber die Gemeinde habe Dringenderes zu tun.“

Billige Bananen kommen teuer

Große Unterstützung fand das Anliegen der Schule bei Monika Ernst, im Rathaus für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Betriebswirtschaftlerin schrieb ihre Diplomarbeit zu dem Thema „Bio-Regional-Fair.

Monika Ernst wirbt für fair gehandelte Getränke im Rathaus. Foto: Norgall
Monika Ernst wirbt für fair gehandelte Getränke im Rathaus. Foto: Norgall

Kooperationsformen im fairen Handel“. Bei Ernst, erzählt sie, kam der berühmte „Klick“, als sie mit 16 einen Vortrag über Bananenanbau sah. Darin waren Arbeiter zu sehen, über denen Flugzeuge ihre giftigen Spritzmittel verteilten. Ihre Reaktion von damals prägt ihr Handeln bis heute: „Es kann nicht sein, dass die Gesundheit von Menschen ruiniert wird, nur damit wir billige Bananen bekommen.“

Initiative

In den Pausen gibt es „Realschul-Burger“

Regenstaufer Schüler verkauften regionale und fair gehandelte Produkte. Das Projekt war ein großer Erfolg. Die angebotenen Speisen schmeckten allen.

Um Fairtrade-Gemeinde zu werden, müssen verschiedene Vorgaben erfüllt werden. Zunächst wird eine Steuerungsgruppe gebildet, die Aktivitäten anstößt. Zur Gruppe gehören neben Bürgermeister Böhringer und Monika Ernst je ein Vertreter der Fraktionen, Monika Merl, als Vertreterin des Werberings, und Dr. Harald Ostermeier vom Arbeitskreis Weltladen der Pfarrei St. Jakobus.

Ein Ziel der Steuerungsgruppe ist es, dass in lokalen Einzelhandelsgeschäften, bei Floristen sowie Gaststätten mindestens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten werden.

Kommentar

Gedankenstütze für uns alle

Fair gehandelte Lebensmittel sind nicht nur gut fürs Gewissen. Sie sind auch Garantie dafür, dass an anderen Orten der Welt nicht der Preis für unsere...

Fairtrade auch im Bauhof

Die Markträte diskutierten gleich weitere Ideen. CSU-Fraktionsvorsitzender Bruno Schleinkofer schlug vor, zu prüfen, ob die Arbeitskleidung für den Bauhof nicht aus fairem Handel kommen könnte. Stefan Potschaski (FDP) sah Spielraum beim Schreibmaterial im Rathaus. Josef Angerer (ÖDP) betonte: „Wenn die große Politik versagt hat, können wir als kleine Gemeinde ein Zeichen setzen.“ Mit fairem Handel lasse sich die Flüchtlingsproblematik an den Wurzeln fassen. Elisabeth Meierhofer (CSU) sprach sich dafür aus, nicht nur auf Produkte mit dem Fairtrade-Siegel zu setzen, sondern grundsätzlich auf fair gehandelte Produkte.

Pfarrer Schottenhammel mag Süßes. Maria Bauereiß (links) und Marianne Lauterbach haben im Eine-Welt-Laden ein vielfältiges Angebot. Foto: Norgall
Pfarrer Schottenhammel mag Süßes. Maria Bauereiß (links) und Marianne Lauterbach haben im Eine-Welt-Laden ein vielfältiges Angebot. Foto: Norgall

Faire Kleidung für den Bauhof ist kein unrealistisches Ziel, sagt Dr. Ostermeier vom Weltladen. Im Neumarkter Bauhof werde das laut seiner Information schon praktiziert. Mit der Gemeinde arbeite der Welt-Laden schon länger zusammen. So sind etwa seit zwei Jahren die Nikolaussäckchen, die beim Weihnachtsmarkt verteilt werden, mit fair gehandelten Süßigkeiten bestückt.

„Eine friedliche, auskömmliche Situation auf der Welt kann nur entstehen, wenn zwischen den Völkern und Handelspartnern Gerechtigkeit herrscht.“

Dr. Harald Ostermeier

Auch die Bücherei deckt ihren Bedarf an Getränken im Welt-Laden. Das wichtigste Ziel einer Fairtrade-Gemeinde ist für Ostermeier der Bewusstseinswandel: „Eine friedliche, auskömmliche Situation auf der Welt kann nur entstehen, wenn zwischen den Völkern und Handelspartnern Gerechtigkeit herrscht.“

Engagement seit 30 Jahren

Den Weltladen der Pfarrei gibt es in Regenstauf seit über 30 Jahren. Laut Maria Bauereiß, die sich ehrenamtlich engagiert, verdreifachte sich der Umsatz in den vergangenen zwölf Jahren. Rund zehn Stunden hat der Welt-Laden, der jetzt ins Pfarrzentrum umgezogen ist, pro Woche geöffnet. Während der jeweils zweistündigen Öffnungszeiten kaufen bis zu acht Leute ein. Der monatliche Umsatz liegt bei rund 600 Euro.

Weltweit gibt es 2000 Fairtrade-Gemeinden. In der Region gehören dazu Regensburg oder die Fairtrade-Region Städtedreieck.

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