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Auftakt

Feuerwehr ruft – und die Kinder kommen

Der Kreisfeuerwehrverband geht bei der Nachwuchswerbung neue Wege. Jetzt organisiert er den Aktionstag – nicht nur für Kinder
Von Heiner Stöcker

Paul (links) und seine Freunde waren in diesem Jahr bei Spiele ohne Grenzen in Gebelkofen dabei. Foto: Stöcker
Paul (links) und seine Freunde waren in diesem Jahr bei Spiele ohne Grenzen in Gebelkofen dabei. Foto: Stöcker

Landkreis.Seine Augen sind zu Schlitzen verengt. Mit Mühe betätigt Paul den Hebel und ein kräftiger Strahl schießt aus dem Rohr. Sein Ziel: Ein roter Eimer in zehn Metern Entfernung. Paul geht in die fünfte Klasse aber er hantiert an diesem Freitag mit Ausrüstung, die eigentlich für Erwachsene ausgelegt ist. Paul ist bei der Kinderfeuerwehr Undorf. Und hinter ihm stehen 20 Kinder, die auch endlich oder noch mal beim Zielspritzen dran kommen möchten.

Dass die Kinder der Kinderfeuerwehr Undorf mit ihrem Hobby voll im Trend liegen, ist ihnen im Moment wurst. Im Januar 2017 gab es bei den bayerischen Feuerwehren 394 Kindergruppen mit 5216 Kindern. Im Januar 2018 waren es schon 8224 Kinder in 607 Kindergruppen. Tendenz steigend. Allein im Landkreis Regensburg sind es inzwischen rund 20 Kinderfeuerwehren. „Ich bin hier, weil ich gerne mit meinen Freunden zusammen bin, und weil es Spaß macht“, sagt Paul und dreht den Strahl noch mal auf. Das Thema heute sind Wasserspiele – und „Strahlrohr gegen Eimer“ ist nur eine der Stationen.

Im vergangenen Jahr berichteten wir von der Gründung der Kinderfeuerwehr Undorf:

Brandschutz

Rieseninteresse an der Kinderfeuerwehr

Das Spielefest beim Feuerwehrgerätehaus Undorf war ein voller Erfolg. Rund 50 Kinder absolvierten mit Spaß die Stationen.

„Das ist genau unser Ziel“, sagt Fabian Kaptein, stellvertretender Kommandant der FF Barbing und Kreisjugendwart im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung. Die Kinder sollen spielerisch an die Gemeinschaft Feuerwehr herangeführt werden. Und bei den monatlichen Treffen in Undorf steht Feuerwehr nur etwa bei einem Drittel der Aktivitäten auf dem Programm oder in der Überschrift. Die Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren machen unter anderem Fackelwanderungen, Spielenachmittage, besuchen die Polizei, fahren in den Bayernpark oder bekommen Besuch vom Bayerischen Roten Kreuz.

Aktionstag am 16. September

Um der Nachwuchswerbung einen Schub zu geben, haben Fabian Kaptein und Kreisbrandinspektor Bernhard Ziegaus federführend am 16. September zum ersten mal einen großen Jugendaktionstag am Feuerwehrgerätehaus in Wiesent organisiert. Der ist zugleich der Startschuss für die diesjährige Feuerwehr-Aktionswoche. „Wir wollen die Kinder erreichen – aber auch die Eltern. Und zwar die Eltern, die noch nicht bei der Feuerwehr sind, und eigentlich keinen Bezug zur Feuerwehr haben“, sagt Fabian Kaptein. Die Idee ist, dass jeder Aktive, der kommt, einen Nachbarn oder Freund mitnimmt, der noch bei keiner Wehr ist.

Mit Hüpfburg und Co. sorgen die Veranstalter für Spaß. Foto Egon Gröschl/Archiv
Mit Hüpfburg und Co. sorgen die Veranstalter für Spaß. Foto Egon Gröschl/Archiv

Der Begriff Feuerwehr schwingt dann natürlich auf dem großen Areal in Wiesent mit – aber längst nicht nur. Ab 12 Uhr warten auf die Kinder und Jugendlichen verschiedene Spiele und Aktionen, die eigentlich nichts mit Feuerwehr zu tun haben, wie zum Beispiel Hüpfburg, Bubble-Ball-Fußball, Lebend-Kicker, Kinderschminken und vieles mehr. Für den Feuerwehr-Spaß sorgen Bierkistenstapeln mit der Drehleiter, ein Quiz oder die Suche im verrauchten Container mit der Wärmebildkamera. Im Mittelpunkt stehen Action und Spaß. „Wünschen würden wir uns natürlich schon eine große Resonanz, weil doch der Aufwand recht groß ist. Auch finanziell“, sagt Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer. „500 bis 1000 Besucher wären schön.“ Und dann natürlich ein Zulauf bei den Mitgliederzahlen. Denn die Feuerwehren in ganz Bayern kämpfen. Sie kämpfen um Image, Standing in der Gesellschaft und um den Nachwuchs.

Neues Gesetz macht’s möglich

Kinderfeuerwehren sind ein relativ neues Konzept. Erst seit eineinhalb Jahren gibt es die Gruppe in Undorf. Den Weg dafür frei gemacht hat die bayerische Staatsregierung im Juni 2017 mit der Neufassung des Bayerischen Feuerwehrgesetzes. Bis dahin konnten die Jugendlichen erst ab zwölf Jahren zur Wehr.

Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer freut sich auf den Aktionstag. Foto: tk
Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer freut sich auf den Aktionstag. Foto: tk

Aber Zwölfjährige sind inzwischen in ihrer Freizeitgestaltung so verplant, dass die Feuerwehren sie bei all den anderen Freizeit-Alternativen fast nicht mehr erreicht haben. Schule, Sportverein, Musikinstrument: „Die Kinder sind mit zwölf schon ausgebucht. Es ist nicht mehr so, wie früher“, sagt Kreisbrandrat Scheuerer. Der Automatismus „mit zwölf zur Feuerwehr“ ist passé – auch auf dem Land. „Wer heute sagt, ‚was willst Du mit Kindern bei der Feuerwehr‘, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.‘“ Und das Ehrenamt, das Engagement für andere, der soziale Aspekt des Miteinanders trete bei all dem immer weiter in den Hintergrund.

Der rote Eimer liegt nach Pauls letztem Volltreffer im nassen Gras. Vier mal stand er in der Schlange und war dran. Jetzt geht’s ans Aufräumen. „Und da helfen wir alle zusammen – wie bei der großen Feuerwehr.“

Mehr zum Aktionstag am 16 September

  • Wann und Wo:

    Der Aktionstag ist am 16. September von 12 bis 16 Uhr an der Bahnhofstraße in Wiesent.

  • Was:

    Bei der Veranstaltung wird auch die Aktionswoche der Feuerwehren des Landkreises Regensburg eröffnet.

  • Drumherum:

    Neben Action warten auf die Besucher Leckereien. Ein DJ sorgt für die Musik auf dem Gelände.

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