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Diskussion

Flutpolder: Noch ist alles im Fluss

Weit vor Beginn der Planungen brachte Landrätin Schweiger die Beteiligten zusammen. Politiker, Experten und Betroffene tauschten sich aus.
Von Michael Jaumann, MZ

Markus Hörner (links), Vorsitzender der IG Flutpolder erläutert Christian Magerl (rechts), Vorsitzender des Umweltausschusses im Bayerischen Landtag, warum er Flutpolder für seine Heimat für gefährlich hält. Foto: Jaumann

Regensburg.Das Thema Flutpolder im östlichen Landkreis hatte Tanja Schweiger im Wahlkampf als dringendes Anliegen angeführt und gleichzeitig den frühzeitigen Dialog als Instrument benannt. Wie man sich dies in der Praxis vorzustellen hat, war am Donnerstagnachmittag im östlichen Landkreis zu erleben.

Auf Initiative der Landrätin war der Umweltausschuss des Bayerischen Landtags unter Führung des Grünen-Abgeordneten Dr. Christian Magerl mit dem Bus unterwegs, um sich die möglichen Gebiete für Flutpolder anzusehen. Neben den Parlamentariern saßen zahlreiche Behördenvertreter, Kommunalpolitiker und betroffene Bürger der Gegend zwischen Eltheim und Wörth auf engstem Raum zusammen.

Eindringliche Argumente

Sie konnten mitverfolgen, wie Markus Hörner und Stefan Kramer von der Interessengemeinschaft Flutpolder bei einer Fahrt durch die Landschaft den Abgeordneten und ihren Mitarbeitern eindringlich nahelegten, warum aus ihrer Sicht die Flutpolder im Ernstfall schädliche Auswirkungen auf Habe und Gesundheit der Menschen hätten.

Den fachlichen Widerpart übernahm dabei Professor Dr. Martin Grambow, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit. Ein Jahr nach dem verheerenden Hochwasser an der Donau in Niederbayern erläuterte Grambow eingangs das Ziel der Wasserwirtschaft, bei solchen Hochwässern die große Menge an Wasser zwischen nachgerüsteten Deichen abfließen zu lassen, während die Spitzen in Polderflächen geleitet werden sollen. Von dort soll das Wasser bei fallenden Pegeln wieder abfließen können.

Die Polderflächen im Landkreis auf beiden Seiten der Donau sind laut Grambow eine Planungsgrundlage. Sie müssen nicht mit den späteren Polderflächen identisch sein. Allerdings, so sagte er später, könne es bei entsprechender Eignung auch zum Rückhaltevolumen von mehr als 30 Millionen Kubikmetern kommen. Sinn dieser Bereisung sei auch, bei den Beteiligten ein Gefühl dafür zu entwickeln, um welche Größenordnung es bei diesem Vorhaben geht.

Gefühle wollten auch Hörner und Kramer bei den Abgeordneten erzeugen, als sie ihnen bei der Vorbeifahrt schilderten, wie sich etwa die Menschen im Gut Wörthhof vorkommen müssten, wenn sie rundum von Deichen eingeschlossen sind. Neben diesen „weichen Faktoren“, so Hörner, gebe es aber genügend harte Fakten, die gegen Flutpolder auf beiden Seiten der Donau sprächen. Da sei zum einen das Trinkwasservorkommen der Stadt Wörth nördlich der Donau sowie auf beiden Seiten der hohe Grundwasserstand. Bereits jetzt müssten Entwässerungskanäle hinter den Deichen dafür sorgen, dass der Druck des Grundwassers nicht zu hoch wird. Nicht auszudenken, wenn auf die Polderflächen noch das Wasser drücke.

Blick auf hohes Grundwasser

Hörner zeigte den Gästen eine Kiesgrube jenseits der Bundesstraße bei Geisling. Er verwies darauf, dass der normale Pegel hier Kellerniveau erreiche. Kramer und Hörner zeigten auch wassergefüllte Flächen in den Feldern – zutage tretendes Grundwasser, betonten sie. Josef Feuchtgruber, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Regensburgs, versicherte den Poldergegnern, dass der Untergrund im kleinen Maßstab untersucht würde und alle Argumente in Machbarkeitsstudie und eventuellen Planungsverfahren abgearbeitet würden.

Über die Zeitschiene, binnen der es zu einem Planungsverfahren kommen kann, wollte Grambow keine Aussage treffen. Auf Anfrage von Tanja Schweiger, die ihm vorhielt, dass dem Gutachter des Landkreises die Daten eines Gutachten der TU München vorenthalten würden, sagte Grambow, „die Professoren sollen sich halt austauschen“.

Es sei wichtig gewesen, sich vor Eintritt in die Planungen ein Bild machen zu können, so Magerl abschließend. „Gegebenenfalls kommen wir wieder.“ Er betonte aber auch die Verantwortung der Abgeordneten für ganz Bayern. Er glaube schon, dass der eine oder andere Parlamentarier nachdenklich geworden sei, sagte Hörner als Fazit.

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