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Fotograf kommt Regenstaufern ganz nahe

Der Fotograf Christian Greller hat große Pläne. Er porträtiert in einem Langzeitprojekt Bürger aus dem Markt.
Von Michael Postl

Perfekter Kontrast: Der Bart von Bartweltmeister Bernhard Greller harmoniert mit dem Hintergrund.Foto: Greller
Perfekter Kontrast: Der Bart von Bartweltmeister Bernhard Greller harmoniert mit dem Hintergrund.Foto: Greller

Regenstauf.Aus Regenstauf müssen sie sein. Und bislang waren sie auch lokal bekannt. Doch dieses Kriterium weicht Fotograf Christian Greller für seine Fotomodelle in seiner Serie „Antlitz der Zeit“ nun auf.

Denn der 40-Jährige plant einen „Querschnitt der Regenstaufer Menschen“. Also Motive, die vom Kind zum Greis, von der Mama, die man morgens beim Einkaufen auf der Straße trifft, zum Opa, der abends seine Pfeife raucht, reichen. Nur der Bezug zu Regenstauf ist wichtig.

Was Greller bewegt? Die Modelle sollen alle paar Jahre fotografiert werden, um deren Gesichter im Wandel der Zeit zu dokumentieren. Und das in schwarz-weiß. „Um den Kontrast besser herauszuarbeiten“, wie Greller erklärt. Er bearbeitet die Fotos auch nicht im Nachhinein mit einem Fotoprogramm. „Denn hässliche Gesichter gibt es nicht, nur interessante.“ Um das Interessante abzubilden, sind in Ausnahmefällen nicht nur die Gesichter und Oberkörper zu sehen, sondern ein für den Abgebildetenen typisches Utensil.

In Martin Pilz’ Fall ist das eine Gitarre. Denn mit einer Gitarre in den Händen hat Greller den 50-Jährigen kennengelernt, bei einem Auftritt von Pilz’ Band schoss er die Fotos. Zudem ist die Gitarre ein Merkmal, das zu ihm gehört und mit dem man ihn kennt. „Es hätte auch ein Radl sein können“, lacht der Besitzer eines Fahrradladens. Aber das wäre für das Foto natürlich zu dominant gewesen. Alles in allem findet der gelernte Schlosser das Konzept „cool“. Er selbst interessiert sich nämlich ebenfalls für alte Fotografien, genau wie Greller.

Inspiriert vom Idol

Liquid ist durch und durch Regenstaufer. Der Rapper verfasst seine Lieder in Oberpfälzer Mundart, weil er auf diese Weise authentisch ist. Foto: Greller
Liquid ist durch und durch Regenstaufer. Der Rapper verfasst seine Lieder in Oberpfälzer Mundart, weil er auf diese Weise authentisch ist. Foto: Greller

So hat der Fotograf sich auch inspirieren lassen. Denn der 40-Jährige ist ein Verehrer von August Sander (1876 bis 1964), der vor knapp 100 Jahren für sein ikonisches Werk „Antlitz der Zeit – Sechzig Aufnahmen deutscher Menschen des 20. Jahrhunderts“ Leute in Porträts festhielt. Sander gilt zudem als einer der wichtigsten und für die Porträtgeschichte einflussreichsten Fotographen des 20. Jahrhunderts. Die Idee dazu hatte Sander erstmals Mitte der 1920er-Jahre formuliert. Zu dieser Zeit war die Idee, früher entstandene Aufnahmen einzubeziehen.

Martin Pilz, lebt bereits seit Jahrzehnten in Regenstauf und wird das auch weiterhin tun. Seine Gitarre musste beim begeisterten Hobby-Musiker mit aufs Bild. Foto: Greller
Martin Pilz, lebt bereits seit Jahrzehnten in Regenstauf und wird das auch weiterhin tun. Seine Gitarre musste beim begeisterten Hobby-Musiker mit aufs Bild. Foto: Greller

Auch er plante für sein Werk, verschiedene Gesellschaftsschichten, Berufssparten und Altersgruppen zu beleuchten. Dabei blieb die Unterteilung in „Der Bauer“, „Der Handwerker“, „Die Frau“, „Die Stände“, „Die Künstler“, „Die Großstadt“ und „Die letzten Menschen“ stets unverändert. Gemäß dieser Tradition soll laut Greller auch bei ihm im Laufe der Zeit ein Archiv entstehen. Eines, das man sich in 30, 40 oder 50 Jahren wieder ansehen und sich an die abgebildeten Menschen erinnern kann. Dabei will Greller die Veränderungen in den Gesichtern, aber auch den Menschen im Allgemeinen sichtbar machen.

„Es gibt keine hässlichen Gesichter – nur interessante.“

Christian Greller, Regenstaufer Fotograf

Diese Veränderungen kommen natürgemäß eher bei jüngeren Modellen zur Geltung. Ein solches ist der Rapper Liquid. Der 29-Jährige, bürgerlich Harold Merl, verfasst seine Texte in der Oberpfälzer Mundart. Der Kontakt zu Greller kam online zustande. Merl („eine übergeile Geschichte!“) war gleich Feuer und Flamme. Zum einen, weil Regenstauf seine Heimat ist und Grellers Langzeit-Fototprojekt Persönlichkeiten aus dieser Heimat abbildet. Zum anderen, weil er es so weit geschafft habe, dass er selbst eines von mehreren Regenstaufer Originalen sein darf, die Greller für sein Vorhaben kontaktiert hat.

Wunschkandidat Zeltner

Gerhard Kemmeter ist pensionierter Lehrer und selbst passionierter Fotograf. Deshalb hält er als bislang einziger neben Martin Pilz ein Objekt in Händen. Foto: Greller
Gerhard Kemmeter ist pensionierter Lehrer und selbst passionierter Fotograf. Deshalb hält er als bislang einziger neben Martin Pilz ein Objekt in Händen. Foto: Greller

Konkrete Gedanken habe er sich über die Foto-Serie jedoch noch nicht gemacht, obwohl sie ob seines jungen Alters noch eine beträchtliche Zeit weiterlaufen dürfte. Zudem sei es spannend, die eigene Entwicklung so direkt vor Augen geführt zu bekommen, erläutert der Dialekt-Musiker. Diese Entwicklung möchte Fotograf Greller in Zukunft auch in einer Ausstellung festhalten. Eine solche wird jedoch nicht vor 2020 stattfinden können. Bis dahin wird Greller daran arbeiten, weitere Gesichter vor die Linse zu bekommen.

Einen Wunschkandidaten hat er dafür auch schon auserkoren: Altbürgermeister Hans Zelzner soll das nächste prominente Motiv in Grellers Fotoserie werden. Generell sucht der Fotograf laufend Menschen aus allen Regenstaufer Gesellschafts- und Altersschichten. Dabei ist er jederzeit für Vorschläge dankbar.

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