MyMz
Anzeige

Geschichte

Friedensglocke sorgte für Streit

1925 erhielt die Pfarrei Hohenschambach eine Gedenkglocke. Die Wiederbeschaffung nach dem Krieg war problematisch.
Von Alfons Beil

Die Kriegerglocke bei der Installation im Jahre 1927 Foto: Kriegerverein
Die Kriegerglocke bei der Installation im Jahre 1927 Foto: Kriegerverein

Hemau.Auch mehr als 70 bzw. 100 Jahre nach dem Ende beider Weltkriege wird in Hohenschambach die Erinnerung an die vermissten und gefallenen Soldaten hochgehalten. Bei Nachforschungen über die Kriegergedächtnisstätte stieß die Soldaten- und Reservistenkameradschaft (SRK) auf einige ungewöhnliche Entwicklungen in der Geschichte des Gedenkens in Hohenschambach. So gab es in dem Ort lange Zeit nur eine Friedensglocke auf dem Turm der Pfarrkirche. Das aktuelle Denkmal im neuen Teil des Friedhofes wurde erst 1996 errichtet.

Während in vielen Orten in der Umgebung unmittelbar nach dem I. Weltkrieg für die gefallenen und vermissten Kameraden Kriegerdenkmäler entstanden, wählte die Bevölkerung in Hohenschambach im Jahr 1925 eine andere Art des Erinnerns. „Das schönste Gedenken wäre eine Glocke“, lautete die vorherrschende Meinung. Allerdings gab es neben der Glocke in den vergangenen rund hundert Jahren noch weitere Gedenkstätten – eine Hohenschambacher Besonderheit.

Die Finanzierung war schwierig

Im März wurden hier die Verstorbenen und Gefallenen anlässlich des Ehrenabends zum 100-jährigen Bestehen der SRK gewürdigt. Die beiden Fahnen der Kriegervereine Hemau und Hohenschambach übernahmen dabei die Ehrenwache. Foto: Alfons Beil
Im März wurden hier die Verstorbenen und Gefallenen anlässlich des Ehrenabends zum 100-jährigen Bestehen der SRK gewürdigt. Die beiden Fahnen der Kriegervereine Hemau und Hohenschambach übernahmen dabei die Ehrenwache. Foto: Alfons Beil

Der Beschluss für eine Friedensglocke anstelle eines Denkmals fiel im Jahr 1925. Es dauerte aber bis Ende 1926, bis die Glocke bestellt werden konnte. Ursprünglich sollte sie 18 Zentner wiegen, als Preis wurden 3330 Reichsmark vereinbart. Doch das Gewicht wurde wegen der gewünschten Tonlage der Glocke dann auf 21 Zentner erhöht. Dadurch stiegen auch die Kosten. Um die finanziellen Mittel aufbringen zu können, wurde in Hohenschambach eine Haussammlung abgehalten. Im Zusammenhang mit der langwierigen Beschaffungsphase spielte auch der schlechte Getreidepreis in dieser Zeit eine erhebliche Rolle, denn die Pfarrei war überwiegend landwirtschaftlich geprägt.

Namenstafel der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges Foto: Kriegerverein
Namenstafel der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges Foto: Kriegerverein

Im Juni 1927 lieferte die Glockengießerei Hahn die Kriegerglocke. Zwei Tage danach erfolgte bereits die Weihe. Der damalige Mesner erhielt für das Läuten der Kriegerglocke im Jahr 20 Reichsmark, die Summe wurde aus der Vereinskasse des Kriegervereins finanziert.

Im Frühjahr 1942 wurden sämtliche Glocken aus dem Kirchturm der Pfarrkirche abgenommen und der Reichsstelle für Metalle zur weiteren Verwendung zur Verfügung gestellt. In Haag war damals eine Sammelstelle eingerichtet, zu der auch die Glocken der Kapellen von Wollmannsdorf und Eiersdorf gebracht werden mussten. Dies erfuhr die SRK vom einzigen noch lebenden Kriegsteilnehmer, Friedrich Heß. Von Haag aus wurden alle Glocken des Pfarreibereichs zur Schmelze transportiert.

Die Friedensglocke ist bis heute noch auf dem Turm der Pfarrkirche Hohenschambach und macht seinen Dienst. Diese stammt aus Mallersdorf. Foto: Kriegerverein
Die Friedensglocke ist bis heute noch auf dem Turm der Pfarrkirche Hohenschambach und macht seinen Dienst. Diese stammt aus Mallersdorf. Foto: Kriegerverein

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verging einige Zeit, bis alle Glocken wieder installiert waren. Vor allem die Wiederbeschaffung der Friedensglocke bereitete Probleme. 1948 erhielt die Pfarrei über die Glockengießerei Hamm aus Regensburg eine Ersatzglocke, die auf den Kirchturm der Pfarrkirche installiert wurde. Die Freude währte allerdings nicht lange, denn diese Glocke stammte, wie sich später herausstellte, aus der Pfarrkirche Pettenreuth. Als bekannt wurde, dass ihre Glocke in Hohenschambach gelandet war, setzte die Pfarrei Pettenreuth alle Hebel in Bewegung, um die Herausgabe zu erreichen – mit Erfolg: Die Glocke wurde wieder aus dem Turm ausgebaut. Ein Schreiben der Pfarrei Pettenreuth zu diesem Fall liegt noch im Original vor.

Der Ersatz kam aus Mallersdorf

Im März 1949 erhielt die Pfarrei dann auf Vermittlung der Firma Hamm eine andere Glocke, die aus Mallersdorf stammte. Diese Nachfolgerglocke mit einem Gesamtgewicht von 950 Kilogramm wird bis heute in Hohenschambach als Friedensglocke bezeichnet und genutzt. Der „Glockenkrieg“ fand damit ein gutes Ende. Und es gab noch eine weitere geglückte Rückführung. Die Glocke von Josef Sparnagel aus dem Jahre 1882, die ebenfalls im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt worden war, schlug bereits ab 1947 wieder auf dem Hohenschambacher Kirchturm.

Formen des Gedenkens

  • Glocke:

    Die Friedensglocke befindet sich bis heute auf dem Turm der Pfarrkirche Hohenschambach. Sie stammt ursprünglich aus Mallersdorf.

  • Tafel:

    In der Pfarrkirche erinnert eine Namenstafel an die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs 1939 bis 1945. Sie wurde im Jahr 1947 installiert.

  • Gedenkstätte:

    Im März wurden die Verstorbenen und Gefallenen anlässlich des hundertjährigen Bestehens der SRK an der Gedenkstätte im Friedhof gewürdigt.

Die Friedensglocke blieb nach ihrer Erstinstallation nicht die einzige Gedenkstätte im Ort. 1932 wurde eine Steintafel mit den Namen der Opfer des Ersten Weltkriegs an der Friedhofmauer angebracht. 1947 wurde eine Ehrentafel mit Bild und Namen der Opfer des Zweiten Weltkrieges in der Pfarrkirche an der Wand befestigt.

1948 wurde ein Kriegergrab mit Birkenkreuz auf dem Friedhofsgelände errichtet. 1962 wird im Protokoll des Kriegervereins vermerkt, dass Josef Scherübl die Pflege dieses Kriegergrabes übernimmt. 1970/71 verewigte der einheimische Kunstmaler Walter Hagen in der neu erbauten Leichenhalle die Namen aller Gefallenen und Vermissten aus beiden Weltkriegen in künstlerischer Form. Die Kosten übernahmen die SRK und der örtliche VdK jeweils zur Hälfte. Im Zeitraum zwischen 1969 und 1972 musste das Kriegergrab aufgelöst werden.

„Kriegerdenkmäler können keine Kriege verhindern.“

Richard Preis, SRK-Vorsitzender im Jahr 1997

Mehr als 20 Jahre später fasste die SRK dann 1996 den Beschluss, ein Kriegerdenkmal zu errichten. Den künstlerischen Entwurf lieferte Karl Jobst aus Laufenthal. Das Denkmal wurde in den neuen erweiterten Friedhof integriert. Bei der Einweihung 1997 sagte SRK-Vorsitzender Richard Preis, „Kriegerdenkmäler können keine Kriege verhindern, aber mahnen und erinnern“. Seither wird am Volkstrauertag den Gefallenen und Vermissten der Pfarrei am Kriegerdenkmal gedacht. 134 Namensschilder nennen die Kriegsopfer einzeln.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht